Er ist der Traum jedes ambitionierten Skifahrers: der perfekte Skitag auf möglichst allen attraktiven Pisten eines Areals. Zum optimalen Zeitpunkt gefahren, kommt keine Abfahrt zweimal unter die Bretter. Vor allem die großen Skigebiete erfüllen ihren Gästen diesen Wunsch immer häufiger. Spezielle Skirouten werden dafür eigens ausgeschildert. Wir stellen zwei Klassiker und zwei neue Skirunden vor.


Südtirol: Sella Ronda 
Die Tour um das Sella-Massiv ist nicht irgendeine Streckenführung, sondern die wohl berühmteste aller Skirunden. So majestätisch die Dolomiten-Felswände auch aussehen - die Pisten zu ihren Füßen haben nichts von deren Steilheit. Die 26 Sella-Kilometer sind auch für mittelmäßige Skifahrer geeignet, sofern diese über ausreichende Kondition verfügen. Inklusive Abfahrten, Aufstiegen und Pausen sind sie in sechs Stunden gut zu schaffen, und das, ohne auch nur eine Strecke zweimal zu passieren! Vier Dolomitenpässe - Campolongo-Pass, Pordoi-Pass, Sella-Joch und Grödner-Joch - sowie die fünf Orte Arabba, Canazei, Wolkenstein, Corvara und Colfosco in Alta Badia werden passiert. 

Wer es noch sportlicher mag, nimmt ein paar Abstecher unter die Bretter, wie die Riesenslalompiste Gran Risa in La Villa und die Abfahrtspiste Saslong in Santa Cristina. Skifahrer mit Hang zu Neuem steuern die vor einigen Jahren eröffnete, rund 30 Kilometer lange Skirunde "Grande Guerra" an, die direkt an die Sella Ronda angrenzt und an der Frontlinie des Ersten Weltkriegs entlangführt. Im geografischen wie thematischen Zentrum der landschaftlich eindrucksvollen "Gebirgsjägertour", für die gute Fahrer sieben bis acht Stunden bemessen sollten, steht der Vulkan Col di Lana, der "Blutberg", der zu einem Symbol für die damaligen Kämpfe geworden ist.

Infos: www.valgardena.it und www.altabadia.org

Ischgl-Samnaun: Schmugglerrunde 
Die Skirundenpremiere der Saison! Oder besser: die Premieren! Denn ab Dezember führen gleich drei neue Skirunden durch das XXL-Areal von Ischgl und Samnaun. Ihr Name "Schmugglerrunde" bezieht sich dabei auf jene Zeiten, in denen ortskundige Schmuggler einst Butter, Käse und Felle in bis zu 50 Kilo schweren Rucksäcken in die benachbarte Schweiz trugen. Von dort brachten die Grenzgänger Kaffee, Reis, Mehl, Tabak, Saccharin oder Gewürze zurück nach Österreich. 

Auf den neuen, gut ausgeschilderten Routen stehen aber keine Waren, sondern die gefahrenen Kilometer im Fokus. Wobei es keinen Zeitdruck gibt. Und keinen Druck, erwischt zu werden. Wer trotzdem Beute machen möchte, trackt seine Runden per Global Positioning System (GPS) mit der "I Ski Ischgl App" und kann nebenbei attraktive Preise gewinnen. Start und Ziel der drei Skirunden ist an der Talstation Fimbabahn in Ischgl oder beim Twinliner im schweizerischen Samnaun. 

Je nach Fahrkönnen entscheiden die Wintersportler sich für die Variante Gold (35,7 Kilometer lang), Silber (24,7 Kilometer) oder Bronze (19,8 Kilometer). Mit überwiegend schwarzen und roten Pisten eignen sich die Touren Gold (eine der längsten Skirunden weltweit) und Silber für geübte Skifahrer. Die leichte Bronzerunde führt hingegen über blaue Pisten.

Infos: www.ischgl.com und www.schmugglerrunde.com

Arlberg: Run of Fame 
Und noch eine Premiere: Ab der Wintersaison 2016/17 werden am Arlberg zwei der weltweit bekanntesten österreichischen Skigebiete eins. Die an Sankt Anton bisher nur über eine Straße angebundenen Orte Lech, Zürs sowie Schröcken und Warth sind dank neuer Bergbahnen nun auch per Ski oder Snowboard erreichbar. Mit 87 Liften und insgesamt 305 Kilometern markierter Abfahrten entsteht so das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs. Die Dimension des kompletten Skiverbundes erleben Urlauber am eindrucksvollsten auf dem neu konzipierten "Run of Fame". 

Mit 65 Abfahrtskilometern und 18000 Höhenmetern umfasst die Tour das gesamte Gebiet vom südlichsten Punkt in Sankt Anton-Rendl bis zum nördlichsten in Warth. Neues Arlberg-Drehkreuz ist die Talstation Alpe Rauz, wo mit der Flexen- und der Albonabahn II zwei neue Liftanlagen öffnen. Der Einstieg ist dank entsprechender Infopoints und Markierungen beinah überall möglich. Dazu erinnern "Run of Fame"-Sterne an große Arlberger Skilegenden wie Hannes Schneider, Karl Schranz und Mario Matt. Ihnen ist die Strecke gewidmet.

Infos: www.skiarlberg.at und www.stantonamarlberg.com

Obertauern: Tauernrunde 
In Obertauern am Radstädter Tauernpass geht es rund, und das nicht nur aufgrund des aktiven Nachtlebens, das schon die Beatles vor mehr als 50 Jahren zu schätzen wussten. Nun belegt die jüngste Studie des Skitourismusforschers Günther Aigner, das die 26 Liftanlagen Österreichs schneereichsten Ort umgeben. So ergeben sich gleich mehrere Möglichkeiten für Rundfahrten. Zwei davon sind optimal ausgeschildert: Rote Tafeln weisen den Weg der Tauernrunde im Uhrzeigersinn, in entgegengesetzter Richtung sind es grüne Schilder. Mit etwa zwölf Kilometern sind beide gleich lang und führen durch das gesamte 100-Kilometer-Areal, ohne dass es zu Wiederholungen kommt. Möglich macht es eine perfekte Infrastruktur. Über die Passstraße gleiten die Wintersportler im Lift oder über großzügige Skibrücken. Schwachstellen wie die klapprige Zehnerkar-Gondel oder den lahmen Zweiersessel auf den Hundskogel haben die ambitionierten Pistenplaner mit modernen Bahnen ausgemerzt. 

Gut zu wissen: Die meisten Abfahrten sind aufgrund der überschaubaren Höhenunterschiede eher kurz und überwiegend leicht bis mittelschwer. Wer flott unterwegs ist, schafft die Tour an einem Tag auch in beide Richtungen. Es sei denn, man nimmt noch die eine oder andere Zusatzherausforderung an. Die größte stellt die "Gamsleiten 2" unterhalb der Gamsleitenspitze dar, einer der steilsten Hänge im Alpenraum. Das wird Ex-Ski-Star Maria Höfl-Riesch, die neuerdings als Obertauerns "Schneebotschafterin" auftritt, aber sicher nicht abschrecken. Im Gegenteil!

Infos: www.obertauern.com und www.ski-obertauern.at/obertauerntauernrunde