Homosexualität im Profisport ist so eine Sache. Eigentlich findet es offiziell keiner schlimm - und doch outen sich in fast keiner Sportart aktive Stars. Zu hoch ist offenbar die Gefahr von Problemen für die eigenen Trainings- und Wettkampfprozesse und zu real die Angst vor dem Verlust von Sponsoren.

"Die Gerüchte haben ein Ende"


Anja Pärson hat sich nun getraut. In einem Radiointerview sagte sie: "Ich bin es leid, eine Rolle zu spielen. Ich möchte jetzt für mich und speziell für meine Partnerin Filippa die Wahrheit sagen". Über die 31-Jährige hatte es bereits über längere Zeit ähnliche Spekulationen gegeben. Denen setzte die Schwedin nun einen Schlusspunkt: "Jetzt haben die Gerüchte endlich ein Ende und ich bin erleichtert."

Nächstes Ziel: Mutter


Die Wahrheit, die Pärson so lange verschwieg, ist eigentlich unspektakulär: Pärson, eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen aller Zeiten, ist lesbisch und lebt mit ihrer 39-jährigen Lebensgefährtin Filippa zusammen. Nach ihrem Rücktritt zum Saisonende haben beide nun ein gemeinsames Lebensziel: Sie wollen Mutter werden und damit eine Familie gründen.

Ein kleines Stück Normalität


Es müssen sicher noch viele Jahre ins Land gehen, ehe ein solches öffentliches Bekenntnis keinen Nachrichtenwert mehr hat. Wer glaubt denn wirklich daran, dass es bei anderen Top-Sportarten keine Homosexualität gibt? Dass bei der Euro 2012 in Polen und der Ukraine keine schwulen Fußballer aktiv waren? Dass bei den Olympischen Sommerspielen in London nur heterosexuelle Sportler um Medaillen kämpfen? Für den Sport ist diese Frage letztlich egal - Pärson hat es als Gesamtweltcupsiegerin, Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin schließlich nach ganz oben geschafft. Ihr Outing ist ein weiteres kleines Steinchen aus einem noch großen Berg der Ignoranz, die es anderen Athleten erschwert, ihre Sexualität öffentlich nicht verleugnen zu müssen. Dafür gebührt Anja Pärson Respekt - für ihre Zukunft wünschen wir ihr viel Glück!