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Eigentlich hatte der erneute Gewinn der kleinen Kristallkugel für Viktoria Rebensburg kaum infrage gestanden - zu groß war der Vorsprung vor der rein rechnerischern Rivalin Lindsey Vonn. Dass die Deutsche aber so souverän im letzten Rennen die Konkurrenz dominieren würde, konnte man nicht erwarten. 64 Hundertstel lag sie am Ende vor der ebenfalls starken Anna Fenninger, Federica Brignone auf Platz drei lag sogar 1,24 Sekunden zurück. Für Lindsey Vonn gab es kein Happy End: Sie wollte unbedingt die 2.000 Punkte-Marke knacken und fuhr zunächst taktisch. Im letzten Durchgang folgte dann ein Stock-Malheur, dass der Amerikanerin alle Chancen nahm. Aus dem DSV-Team konnte neben Rebensburg nur Lena Dürr überzeugen - und sie auch nur im zweiten Durchgang. Die Laufbestzeit dort reichte aber nicht mehr für Punkte.

Klare Führung für Rebensburg

Bei plus acht Grad fanden die Damen zum letzten Rennen der Saison und der Entscheidung im Riesenslalom frühlingshafte Bedingungen vor - um so entscheidender war die Startnummer. Federica Brignone hatte bei der Auslosung die beste Nummer erwischt, die Konkurrentinnen um die letzte kleine Kugel - Viktoria Rebensburg und Lindsey Vonn - durften als Vierte und Sechste antreten. Die Deutsche ließ sich den Druck nicht anmerken - sie setzte eine klare Bestzeit und unterstrich ihren Anspruch auf den neuerlichen Gewinn der Weltcupwertung.

Vonn startet verhalten, Höfl-Riesch scheidet aus

Lindsey Vonn hatte vor allem den Rekordwert im Gesamtweltcup vor Augen: Um die magische 2.000 Punkte Marke noch zu knacken, mussten mindestens noch 20 Punkte her. Im ersten Lauf riskierte die Amerikanerin also nicht alles und verlor so über 2,6 Sekunden auf die Führende. Erste Verfolgerinnen der Deutschen waren Anna Fenninger (+ 0,43 s) und Federica Brignone (+ 0,88 s). Die weiteren DSV-Starterinnen hatten weniger Glück: Maria Höfl-Riesch und Veronique Hronek schieden aus, nur Lena Dürr kam noch durch, lag aber mit über vier Sekunden Rückstand weit hinten.

Stock-Drama verhindert Punkterekord

Lindsey Vonn wollte 'nur' Platz zwölf - und musste dazu im Finale zulegen. Doch bereits am Start kam das große Malheur: Vonns rechter Skistock verhakte sich in einem Gitter neben dem Starthaus und blieb stecken. Vonn war gezwungen, mit nur einem Stock durch den sulzigen Schnee zu carven. Im Mittelteil holte sie damit dennoch Zeit auf die bis dato führende Michi Kirchgasser auf, doch im Ziel stand nur Platz neun - damit war klar, dass Vonn keine Punkte würde holen können. 24. war sie am Ende. Zugleich hatte Viktoria Rebensburg nun auch de facto den Titel im Riesenslalom verteidigt. Vonn konnte es im Ziel kaum fassen: Ihr blieb nur der Trost, die große Kugel immerhin mit neuem Damen-Rekord von 1980 Zählern zu gewinnen.



Worley schnell

Den schnellsten Finallauf hatte - wie im Slalom am Vortag - zuvor bereits Lena Dürr gezeigt. Das brachte ihr einige Plätze ein - Rang 19 reichte aber nicht mehr für den Sprung in die mit Punkten belohnten Top 15. Julia Mancuso war die erste, der ein Angriffslauf mit Zielrichtung Podium gelang. Tessa Worley ließ sich nicht lumpen und unterbot die bisherige Bestzeit deutlich. Irene Curtoni konnte lange mit der Französin mithalten, im Zielhang aber verlor sie deutlich und musste ihre Podiumsträume begraben.

Rebensburg im Finale vorn

Federica Brignone zeigte bei toller Stimmung oben einen Traumlauf, mit einer Sekunde Polster ging sie in den langsamer werdenden Schlussabschnitt. Ein Fehler kam noch hinzu, damit wurde es knapp - es reichte aber doch. Mit diesem Fehler bekam Anna Fenninger die Chance. Ganz fehlerfrei blieb die Österreicherin nicht, knackte aber die Bestzeit und brachte die Stimmung zum Kochen. Nach ihr ging Rebensburg auf die Piste. Oben noch etwas verhalten carvte die Deutsche unten schlicht perfekt und siegte letztlich deutlich. Die Olympiasiegerin konnte damit als erste Deutsche den Riesenslalom-Weltcup verteidigen, mit 650 Zählern siegte sie überdeutlich vor Vonn (455) und Worley (446). Im Gesamtweltcup blieb Vonn bei immer noch überragenden 1980 Punkten - keine Frau war jemals besser. Tina Maze (1402) und Maria Höfl-Riesch (1227) beenden die Saison auf den Plätzen zwei und drei. Viktoria Rebensburg wurde durch ihren achten Weltcupsieg noch Gesamt-Siebte.