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Der neue Abfahrts-Weltcupsieger 2012 heißt Klaus Kröll. Dem Österreicher genügte in Schladming ein siebter Platz, um seine Führung im letzten Rennen ins Ziel zu bringen. Das Rennen gewann Aksel Lund Svindal.

Kugel für Kröll

Es sollte ein Dreikampf zwischen Kröll, Didier Cuche und Beat Feuz sein, ein neuerliches Länderduell zwischen Österreich und der Schweiz. Am Ende behielt Kröll die Oberhand, weil Didier Cuche patzte und Aksel Lund Svindal mit einem perfekten Lauf einen Sieg von Beat Feuz verhinderte. Svindal war um 0,57 Sekunden schneller als Feuz, der damit wichtige 80 Zähler im Kampf um die große Kugel gewann, Dritter wurde Hannes Reichelt. "Das hat viel besser geklappt als gestern", witzelte Svindal und spielte auf seinen Trainingssturz an. "Dieses Jahr bin ich im Gesamtweltcup im Januar zu weit weg gewesen, im nächsten Jahr sehen wir weiter. Morgen muss ich die Kugel holen!"

Kröll: "Ich habe gekämpft"

Die Entscheidung zwischen Kröll und Feuz war denkbar knapp - Kröll rettet letztlich nur sieben Zähler seines Vorsprungs ins Ziel. "Ich weiß noch gar nicht, was ich fühlen soll - das ist eine unglaubliche Freude. Ich bin nicht der Spezialist für diese Bedingungen, aber ich habe gekämpft und es hat gereicht", erklärte Kröll, der im Ziel noch länger bangen musste. "Als Feuz im Ziel war, das war ganz schlimm. Ich hätte die Kugel noch mit zwei Punkten verlieren können ..." Doch das geschah nicht, Kröll präsentierte stattdessen den heimischen Fans die wichtigste Disziplinentrophäe.

Gesamtweltcup: Feuz erhöht den Druck

1330 Punkte hat Feuz nun im Gesamtweltcup und damit 135 Zähler Vorsprung vor Marcel Hirscher. Im Super-G könnte Feuz den Vorsprung auf über 200 Punkte ausbauen und damit für eine vorzeitige Entscheidung sorgen. Der Schweizer gehörte damit trotz des knapp verlorenen Abfahrts-Finals zu den Siegern des Tages.

Kein leichter Kurs

Doch zum Rennen: Über Nacht hatten Minusgrade die Piste vor allem im oberen Teil hart werden lassen. Die Planai präsentierte sich wellig, der Kurs mit vielen Kurven - Feingefühl war gefordert. In der Schlusspassage war der Schnee bereits weicher, abseits der Ideallinie drifteten die Fahrer schnell in bremsenden Sulz ab. Welche Probleme diese Piste für die Besten der Welt brachte, zeigten die ersten Fahrer: Georg Streitberger verpasste nach einem Ausritt das letzte Tor, Max Franz verlor an einer Welle einen Ski und verhinderte artistisch einen Sturz. Yannick Bertrand zeigte oben, wie es geht, verlor aber im Schlussstück durch eine zu weite Linie einige Zehntel.

Svindal mit der perfekten Fahrt

Benni Raich holte daher unten eine halbe Sekunde auf und markierte die erste nennenswerte Bestmarke. Die wurde aber schnell Makulatur, als Aksel Lund Svindal auf die Piste ging. Der Norweger spielte sein Skigefühl aus und kam mit den steilen Kurven blendend zurecht - fast eine Sekunde packte er oben drauf und setzte damit die Kugelanwärter unter Druck.



Die letzte Abfahrt von Didier Cuche

Im Ziel gab es abschließend Standing Ovations für eine Legende: Didier Cuche hatte zu diesem Zeitpunkt dennoch seine Chance vertan. Nach einigen Wacklern war er auf gutem Wege, hatte den Rückstand auf Svindal verkürzt und Platz zwei im Visier, als er vor dem Panoramasprung zuviel Druck auf den Innenski bekam und einen Sturz nur knapp vermied. 2,5 Sekunden Rückstand im Ziel bedeuteten das Ende der Hoffnung auf die fünfte Abfahrtskugel. Sinnbildlich verpatzte der Schweizer auch den Ski-Flip: Der Ski fiel in den Schnee. Cuche kann nun am 15. März noch die Super-G Trophäe gewinnen.

Kröll lässt die Tür für Feuz offen

Die Fahrt von Kröll war im Anschluss deutlich besser, als im Training am Tag zuvor, aber der Österreicher konnte Svindals Zeit nicht gefährden. Der vorläufige Rang sechs ließ dem letzten Konkurrenten Beat Feuz alle Chancen. Der Schweizer nutzte seine Möglichkeiten besser: Oben mit Problemen kämpfte er sich in den Kurs zurück und fuhr als Zweiter wichtige Gesamtweltcuppunkte ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte Kröll die Kugel in der Hand - musste aber hoffen, nicht noch weiter nach hinten geschoben zu werden.

Jubel in Österreich

So musste Kröll warten, bis die letzten Starter Erik Guay, Peter Fill und Kjetil Jansrud im Ziel waren. Guay verpatzte wie viele vorher den Schlussabschnitt und reihte sich hinter Kröll ein. Als auch Peter Fill nicht vor dem Österreicher einlief, war die Entscheidung gefallen. Kjetil Jansrud war auf Podiumskurs, als er stürzte - er blieb aber unverletzt.