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Marcel Hirscher aus Österreich bleibt der Mann der Stunde. In Bansko gewann er in 1:52,64 Minuten einen Tag nach dem Riesenslalom auch den Slalom und machte damit sowohl in der Gesamt-, als auch in der Slalomwertung fast den gesamten Rückstand auf den aktuell verletzten Kroaten Ivica Kostelic wett. Beim achten Saisonsieg hatte der 22-Jährige 0,57 Sekunden Vorsprung Andre Myhrer (SWE), Stefano Gross kam mit 0,9 Sekunden Rückstand als Dritter auf das Siegerpodest. Eigentlich war zunächst Mario Matt als Zweiter gewertet worden - der 'Adler vom Arlberg' wurde aber nachträglich disqualifiziert.

Dopfer top, Neureuther scheidet aus

Bester Deutscher wurde vor allem dank eines starken Finals Fritz Dopfer auf Rang vier. Der neuerliche Erfolg bringt Dopfer in der Slalom-Startliste immer weiter nach oben - er liegt dort hinter Neureuther auf Platz acht und kann somit im nächsten Rennen in die Gruppe der Top-Läufer aufsteigen. Auch Philipp Schmid sicherte sich als 24. einige Punkte. Für Felix Neureuther war der zweite Durchgang hingegen ein Fiasko: Als Drittletzter mit Siegambitionen ging er ins Rennen, das dann allerdings kaum eine Sekunde dauerte, denn der Deutsche fädelte gleich beim ersten Tor ein - ein fast unfassbarer Konzentrationsfehler brachte ihn um den möglichen Erfolg.

Durchgang eins: Hirscher vor Myhrer

Im ersten Durchgang hatte Marcel Hirscher auf griffiger Piste die Bestzeit vorgelegt - der Österreicher brachte jedoch nur sechs Hundertstel Vorsprung auf Andre Myhrer und gerade eine Zehntelsekunde auf Felix Neureuther ins Finale mit. Acht Fahrer blieben innerhalb einer Sekunde, Fritz Dopfer als Neunter war ebenfalls gut platziert. Von den Top-Favoriten patzte nur Cristian Deville, der mit Startnummer eins ausschied.

Schmid sammelt Punkte

Besonders erfreulich aus deutscher Sicht: Philipp Schmid, dritter DSV-Starter, schaffte als 29. die Final-Qualifikation. "Ich bin überglücklich, das war ein Superlauf!", freute er sich in der Halbzeit. Als Zweiter des finalen Durchgangs vergab er zwar die Möglichkeit, sich mit einem sehr aggressiven Lauf weit nach vorn zu schieben - sicherte sich als 24. aber einige Punkte. "Oben wollte ich voll angreifen, habe im Mittelteil dann einige Fehler gehabt und bin dann zurückgefallen", analysierte Schmid. Die erste guten Fahrten des zweiten Laufs gelangen Mattias Hargin (von 25 auf Platz sieben) aus Schweden und dem Amerikaner Nolan Kasper (von Platz 23 auf sechs). Beide blieben auch deshalb lange vorn, weil viele Fahrer Probleme mit einer kleinen Kompression vor Tor fünf bekamen - wer hier zuviel Rücklage hatte, musste kämpfen, um im Kurs zu bleiben.



Yuasa rückt vor - Dopfer kann kontern

Zwischenzeitlich hatte Naoki Yuasa mit einem hasardierenden, aber nicht fehlerfreien Ritt die Führung übernommen und diese gegen Topleute wie Ted Ligety oder Benni Raich verteidigt - Platz fünf war der Lohn des Japaners. Fritz Dopfer zeigte dann auf bereits rippigem Geläuf seine Stärke: Mit sehr viel Zug und viel Gefühl blieb er stabil über dem Ski und setzte sich an die Spitze. "Nach gestern ist das eine große Rehabilitation, ich bin sehr zufrieden", befand Dopfer. "Ich hab gesehen, dass einige Jungs oben große Probleme gehabt haben, unten konnte ich es laufen lassen." Gerade das Schlussstück kostete viele Fahrer enorm viel Zeit - so auch Olympiasieger Razzoli oder Ex-Weltmeister Manfred Pranger.

Stefano Gross stark - Neureuther enttäuscht

Jubeln durfte wenig später Stefano Gross - der Italiener fuhr furios und sicher, baute in den ersten beiden Abschnitten seinen Vorsprung klar aus und knackte somit die Bestzeit - es war eine Bewerbung um den Tagessieg, reichte abschließend aber nur zu Platz drei. Doch es ging noch besser: Mario Matt flog förmlich durch die letzten Tore und nahm dem Italiener dort fünf Zehntel ab. Allerdings war das nicht regulär, Matt hatte schon über pLatz zwei gejubelt, als ihn die Jury noch wegen eines Torfehlers aus der Wertung nahm. Auch Felix Neureuther wollte auf diesem Niveau einsteigen - doch dann kam die Höchststrafe für den Partenkirchener: Am ersten Tor fädelte er ein. Die Chance war damit vertan. Neureuther konnte es selbst nicht fassen, als er neben dem Starthaus auf der Piste stand.

Myhrer verpasst den Sieg, Hirscher gewinnt

Die Entscheidung fiel mit den letzten Startern Andre Myhrer und Marcel Hirscher. Während der Schwede nicht ohne Probleme durchkam, carvte Marcel Hirscher voll auf Angriff und ohne große Wackler - trotz inzwischen schlechter Piste. Es sollte dennoch knapp werden - am Ende behielt Hirscher die Nase knapp vorn und durfte sich somit als Doppelsieger von Bansko feiern lassen.

Weltcup-Aussichten: Spannend

Im Slalom-Weltcup hat Hirscher nun viele Trümpfe in der Hand. Noch führt Kostelic (595) mit 35 Zählern, er muss aber vor den letzten beiden Rennen seine Knie-Operation erst wegstecken. Im Gesamtweltcup kämpft neben Kostelic (1043) und Hirscher (1025) auch der Schweizer Beat Feuz (973) um den Sieg - bei den anstehenden Wettbewerben in Crans Montana dürfte er seine Stärken in die Waagschale werfen können. Zuvor steht in Moskau das City Event an - am 21. Februar geht es dabei 'nur' um Punkte für die Gesamtwertung. Kostelic könnte dort trotz Verletzung antreten, denn allein das Auslösen einer einzigen Zeitschranke dürfte ihm in diesem Bewerb 15 Zähler bringen.