Altmeister Didier Cuche hat es wieder einmal allen gezeigt: Auf einer stark verkürzten Strecke gewann der 37-Jährige zwei Tage nach seiner Ankündigung, sich vom alpinen Rennsport zum Ende des Winters zurückzuziehen, die Abfahrt in Kitzbühel. Für Cuche war es der fünfte Sieg in Kitzbühel: Neuer Rekord! Streckenchef Axel Naglich und 500 Helfer hatten bei starken Schneefällen die ganze Nacht an der Piste gearbeitet, um den Fahrern und den vielen tausenden Zuschauern das 72. Hahnenkammrennen präsentieren zu können - am Ende gelang es ihnen. Und die Fahrer dankten es ihm mit einem spektakulären Rennen und Spannung bis zum Schluss.

Start an der „Alten Schneise“

Der Start zu Abfahrt stand lange auf der Kippe: Fast einen Meter Neuschnee mussten die Organisatoren aus der Strecke befördern, starker Schneefall sorgte für Sichtprobleme bei den Fahrern und bis kurz vor dem geplanten Start um 11:30 Uhr war nicht sicher, ob man das Rennen würde durchführen können. Am Ende entschied sich FIS-Rennchef Günter Hujara für einen Start an der Alten Schneise - damit sollte das Hahnenkammrennen 2012 ohne Befahren der „Mausefalle“, der „Kompression“ und des „Steilhangs“ entschieden werden.


Keppler mit guter Fahrt

Mit Startnummer 4 ging als erster Fahrer der Deutsche Stephan Keppler volles Risiko und ließ sich durch die miserable Sicht nicht aus der Ruhe bringen. Keppler brachte nach einem Missgeschick direkt aus dem Starthaus heraus eine Zeit von 1:13,76 Minuten ins Ziel, hatte allerdings mit der frühen Startnummer Nachteile. Denn die ersten Fahrer mussten durch den tiefen Schnee pflügen und die Spur frei machen für die später folgenden Favoriten. Direkt nach Keppler legte allerdings der Österreicher Joachim Puchner vor seinem Heimpublikum eine neue Bestzeit auf die „Streif“ und war 12 Hundertstel schneller als Keppler.

Reichelt und Innerhofer bleiben zurück

Die Fahrer hatten trotz der Schneemassen mit einigen Schlägen und Rippen zu kämpfen - schnell wurde klar, dass gefühlvolle und weiche Fahrer hier heute Vorteile haben würden. Die folgenden Fahrer bissen sich an Puchners Zeit allesamt die Zähne aus: Am nächsten heran an 24-Jährigen kam noch Johan Clarey aus Frankreich, dem nur vier Hundertstel zur Führung fehlten. Einige Favoriten hingegen blieben zurück, auch hinter Stephan Keppler, der lange auf Rang drei lag: Adrien Theaux (FRA), Mario Scheiber (AUT), Erik Guay (CAN), Christoph Innerhofer (ITA) und auch der hoch eingeschätzte Hannes Reichelt (AUT) hatten mit der nun schon rippigen Piste zu kämpfen und verpassten eine Top-Platzierung mit zum Teil sehr knappen Rückständen.

Wer macht das Rennen?

Mit Startnummer 16 ging Beat Feuz (SUI), der Sieger der Abfahrt in Wengen vom vergangenen Wochenende, ins Rennen und bildete somit den Auftakt der Top-Favoriten. Doch der starke und nasse Schneefall schien die Strecke langsamer zu machen, schnell lag Feuz oben eine halbe Sekunde zurück. Im unteren Teil zeigte er dann einen Husarenritt, holte vier Zehntel auf, doch es reichte nicht. Mit neun Hundertsteln Rückstand verdrängte der junge Schweizer den Deutschen Keppler von Rang drei - mit dem Klassiker-Doppelsieg sollte es aber nichts werden. Aksel Lund Svindal war oben schnell unterwegs, verlor dann aber etwas die Linie, geriet in den tiefen Schnee und war am Ende chancenlos. Für einen Aufschrei sorgte wieder einmal Bode Miller: Der US-Amerikaner geriet bei 120 km/h völlig aus dem Gleichgewicht, rettete sich aber spektakulär und vermied mit einer unglaublichen Rettungstat einen Sturz - für eine gute Platzierung reichte es allerdings nicht mehr.

Cuche gewinnt gegen die Österreicher

Es folgte die Show des Altmeisters: Didier Cuche aus Schweiz, der am Tag zuvor seinen Rücktritt vom alpinen Rennsport zum Ende der Saison verkündet hatte, fuhr wie Feuz im unteren Teil “die Schweizer Linie“ und war unglaublich risikoreich und schnell unterwegs. Am Ende stand eine deutliche Bestzeit für den 37-Jährigen, wieder einmal hatte er gezeigt, dass nichts und niemand ihn vom schnellen Skifahren abhalten kann. Doch der Sieg beim 72. Hahnenkammrennen, sein dritter in Folge beim berühmtesten Skirennen der Welt, war noch nicht fix: Klaus Kröll (AUT), im Training wie auch Cuche unter den Schnellsten, brachte den Schweizer im Ziel zum Zittern, doch am Ende fehlten ihm drei Zehntel zum Sieg. Und auch Romed Baumann schaffte es nicht, den Sieg von Cuche zu verhindern: Er kam dem Schweizer am nächsten und belegte am Ende mit nur 24 Hundertstel Rückstand Rang zwei.

Didier Cuche feierte mit seinem Sieg den zweiten Abfahrtstriumph der Saison und belegt nun mit 277 Punkten hinter Beat Feuz (300 Punkte) den zweiten Rang im Abfahrtsweltcup. Für Stephan Keppler stand am Ende ein starker achter Rang auf dem Tableau - das beste Abfahrtsergebnis seiner Karriere.

Das nächste Abfahrtsrennen der Herren steht am 28. Januar in Garmisch-Partenkirchen auf dem Programm. Alles zum Kitzbühel-Weltcup, auch zum Slalom am Sonntag, gibt es bei uns im Eventspecial.