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In Wengen hat Ivica Kostelic einen klaren Slalomsieg eingefahren. In 1:45,67 Minuten lag er 85 Hundertstel vor Andre Myhrer aus Schweden. Auf Platz drei und damit erstmals überhaupt auf dem Slalom-Podest stand Fritz Dopfer. Felix Neureuther komplettierte als Fünfter das exzellente Ergebnis des DSV ...

Dopfer: "Einfach Wahnsinn"

Seltene Bilder gab es Wengen - aus deutscher Sicht. Zwei DSV-Fahrer in der Leaderbox sah man schon sehr lange nicht mehr. Am Ende siegten zwar andere und insbesondere für Neureuther war sogar viel mehr drin. Doch das Ergebnis war dennoch erstkassig. Insbesondere Dopfer fuhr mit der zweitbesten Laufzeit im Finale zum ersten Slalom-Podium seiner Karriere und war fast sprachlos: "Das ist genial, mir fehlen die Worte", sagte er. "Ich bin ganz relaxed an den Start ran, weil ich wusste, dass ich gut drauf bin. Das ich auf dem Podest stehen darf im Slalom ist Wahnsinn!"

Neureuther ärgert sich

Felix Neureuther gratulierte dem Teamkollegen - und ärgerte sich über sich selbst. in beiden Läufen hatte er große Fehler eingebaut - es war fast ein Wunder, dass er dennoch wieder ein Top-Resultat einfuhr. Aber es war eben auch extrem knapp. "Es ist mein bestes Wengen Resultat, aber ich ärgere mich richtig. Acht Hundertstel schneller und ich bin Zweiter. Ich habe heute einfach zu viele Fehler gemacht", so Neureuther selbstkritisch. Mit Blick auf die kommende Woche versprach er: "Kitzbühel habe ich schon einmal gewonnen. Da geht's richtig ab."



Enges Feld nach Lauf eins

Zurück zum Rennverlauf: Viele Rhythmuswechsel kennzeichneten den ersten Durchgang des Spezialslaloms von Wengen. Kaum einer der Topfahrer schaffte den ganzen Kurs perfekt. Von den ersten Startern gelang Christian Deville oben, Mario Matt im Schlussdrittel und Ivica Kostelic im Mittelstück der beste Lauf. In der Addition trennten die drei nur die Winzigkeit von drei Hundertsteln - Matt lag vor Deville und Kostelic. Felix Neureuther startete furios, baute dann zwei riesige Fehler ein, bei den er schon ausgeschieden schien - und verlor dennoch 'nur' knapp sechs Zehntel auf die bis Besten - da war eine ganz andere Zeit möglich. "Ich bin sehr gut reingekommen und dann hab ich es etwas übertrieben. Das war eine Spur zu frech. Wenn man sieht, was noch drin gewesen wäre ... da ist noch nichts verloren. Ich lasse einfach die Fehler weg", anaylsierte Neureuther seinen ersten Lauf.

Hirscher out, Dopfer top

Marcel Hirscher ließ es ebenso furios angehen, fädelte aber klar ein und wurde mit einer deutlichen Bestzeit disqualifiziert. Andre Myhrer und Jean-Baptiste Grange schafften es aus der Topgruppe noch, in die Führungsgruppe vorzustoßen - dann kam lange nichts. Bis zu Fritz Dopfer scheiterten Topfahrer wie Ligety, Herbst und Mölgg. Dopfer dann blieb auf der schon ruppigen Piste stabil und setzte sich nur eine Zehntel hinter Neureuther auf Rang acht. Später gelang Lars Elton Myhre noch der Sprung auf Position fünf.

Dopfer überholt Neureuther

Das Finale zum Abschluss der Lauberhornrennen war richtig gut - auch wenn es zum Leidwesen der Gastgeber fast ohne Schweizer Beteiligung verlief. Der zweite Durchgang war flüssig gesteckt, lud ein zum Angriff und erwies sich dennoch als selektiv. Fritz Dopfer kam als erster Podiumsanwärter mit dem bereits rippigen Kurs sehr gut klar und zeigte eine neue Laufbestzeit - ein toller Lauf. An seiner Zeit musste sich als nächstes Felix Neureuther messen. Der Partenkirchner startete stark und musste sich dann nach einem Schlag wieder artistisch retten. In Folge nahm er etwas Risiko raus - und fiel nach einem kleinen Wackler im Schlussteil denkbar knapp hinter Dopfer zurück. Eine deutsche Doppelführung stand zu dieser Zeit auf dem Tableau.

Matt und Deville fallen zurück - Kostelic überragend

Und die DSV-Stars sollten zunächst in der Leaderbox bleiben. Jean Baptiste Grange rutschte weg und schied aus. Lars Elton Myhre ging den finalen Durchgang zu defensiv an. Andre Myhrer riskierte mehr - und rettete im Schlussspurt drei Hundertstel seines Vorsprungs ins Ziel. Den perfekten Lauf zeigte Ivica Kostelic: Fast verhalten startend ließ der Kroate die Skier bald fliegen, ignorierte die Schläge in der Piste und zerpflückte die bisherige Bestzeit: 85 Hundertstel Vorsprung zeugten von seiner Sonderklasse. Und ihn konnte keiner mehr gefährden: Cristian Deville zeigte einmal mehr Nerven: Mehrere Wackler und Wegrutscher warfen den Italiener auf Platz sechs zurück - hinter die Deutschen. Und auch Mario Matt brachte seine Führung nicht ins Ziel. Auf den letzten Metern blieb er sogar hinter Dopfer, abr eine Hundertstel vor Neureuther.

Hirscher verliert an Boden

Durch den neuerlichen Sieg und die Pleite von Konkurrent Marcel Hirscher baute Ivica Kostelic (485 Punkte) seine Slalom-Führung auf 125 Zähler aus. Felix Neureuther (261) ist hier nun Fünfter, Dopfer (151) Achter. In der Gesamtwertung schmolz der Vorsprung von Hirscher auf Kostelic auf 30 Punkte zusammen. Am nächsten Wochenende stehen in Kitzbühel mit Abfahrt, Super-G, Slalom und der klassischen Kombination vier Wertungen an.