Überraschung bei den Speed-Damen in Cortina d´Ampezzo: Nicht die favorisierte Lindsey Vonn oder eine Athletin aus dem starken ÖSV-Team siegte bei der vierten Abfahrt der Saison, sondern die Italienerin Daniela Merighetti. In einer Zeit von 1:33.17 Minuten war die 30-Jährige schneller als die zweitplatzierte Vonn und Maria Höfl-Riesch, die auf Rang drei landen konnte.

Beste Bedingungen und strahlender Sonnenschein

Das Rennen auf der 2460 Meter langen "Olympia delle Tofane" eröffnete bei strahlendem Sonnenschein und besten äußeren Bedingungen Aurelie Revillet aus Frankreich - und die 25-Jährige sorgte bereits nach 20 Fahrsekunden für die erste Schrecksekunde. Bei einem flachen Sprung nach dem Tofana-Schuss geriet sie in Rückenlage, bei der Landung in Vorlage und verlor im Anschluss die Kontrolle. Mit fast 100 km/h krachte sie in die Fangzäune, stand aber schnell wieder auf und konnte mit leichter Unterstützung von der Strecke gehen. Die erste Zeit ins Ziel brachte die Spanierin Ruiz Castillo: 1:35.28 Minuten. Was würde sie Wert sein?

Stetige Führungswechsel

Auf jeden Fall nicht genug für die Amerikanerin, die nun oben standen: Laurenne Ross setzte sich an deutlich an die Spitze, die 23-Jährige war im Ziel 61 Hundertstel schneller als Castillo. Doch lange durfte das US-Girl dort nicht auf dem Platz der Führenden stehen: Marion Rolland (FRA) distanzierte Ross mit einer gefühlvollen Fahrt vor allem im letzten Streckenabschnitt der harten und griffigen Tofana klar und ging in Front. Mit Startnummer 8 war es dann aber die erfahrene Anja Paerson (SWE), die von ihrem großen Vorsprung im oberen Teil vier Hundertstel ins Ziel retten konnte und sich die Führung schnappte.


Maze zeigt es Kritikern

Paerson blieb auch in Front, nachdem die starken Elena Fanchini - in Cortina allerdings mit einem Lauf zum Vergessen - und Andrea Fischbacher (AUT) die Ziellinie überquert hatten. Erst die Schweizerin Fabienne Suter schaffte mit einer tollen Fahrt im oberen Abschnitt den Sprung an die Spitze - die Dritte der Abfahrt von Bad Kleinkirchheim war in einer Zeit von 1:33.90 Minuten am Ende eine Zehntel schneller als die Schwedin. Direkt danach stand Tina Maze am Start: Die Slowenin, über deren gummierte Unterwäsche zuletzt bei der FIS diskutiert worden war, nutzte die anscheinend schneller werdende Piste und ging deutlich in Führung.

Mit Startnummer 13 zum Sieg

Mit Startnummer 13 sorgte Daniela Merighetti (ITA) für Jubelstürme bei ihrem Heimpublikum: Mehr als acht Zehntel hatte die Italienerin zwischenzeitlich Vorsprung, im Ziel leuchtete ihre Zeit natürlich grün auf und die 30-Jährige war eine knappe halbe Sekunde schneller als Maze. Diese Zeit sollte nun die Richtzeit für die besten Athletinnen im Abfahrtsweltcup sein - denn Vicky Rebensburg (GER) konnte sie nicht gefährden. Die deutsche Riesenslalom-Spezialistin legte eine ordentliche Fahrt auf die Highspeed-Strecke, für mehr als Zwischenrang sieben reichte es aufgrund ein paar kleinerer Fehler nicht.

Vonn nur auf Rang 2

Die nächsten Fahrerinnen wollten die Richtzeit von Merighetti natürlich angreifen - sie schafften es aber nicht: Weder Dominique Gisin (SUI) noch die hoch eingeschätzte Julia Mancuso (USA) erreichten die Zeit annähernd. Mancuso schaffte es immerhin noch auf Rang vier, aber 82 Hundertstel Rückstand war zu viel des Guten. Und als auch Lara Gut sehr viel Zeit auf die Italienerin verloren hatte und nicht unter die Top 5 fahren konnte, deutete sich an, dass der Gegenwind im oberen Abschnitt wohl aufgefrischt hatte. Das sollte auch Lindsey Vonn zu spüren bekomen: Die alles überragende Abfahrerin dieser Saison aus den USA war nicht wie gewohnt deutlich schneller als die Konkurrenz und musste stark um die Bestzeit kämpfen. Und tatsächlich: Vonn leistete sich ein paar kleine Wackler zu viel und war im Ziel nur Zweite!

Merighetti feiert ersten Karriere-Erfolg

Langsam konnte Daniela Merighetti also mit dem Sieg, es wäre der erste ihrer Weltcup-Karriere liebäugeln - denn auch Weltmeisterin Lizzy Görgl schaffte es nicht nach vorne zu fahren. Die Österreicherin verlor durchgehend Zeit auf die Italienerin, holte über die Bodenwellen und den Zielsprung unten zwar noch einiges auf, es reichte aber nur zu Rang fünf. Würde es tatsächlich der erste Sieg für Merighetti werden? Es schien so, denn als Anna Fenninger eine Schrecksekunde überstand und sich vor einem Sturz bei höchster Geschwindigkeit gerade noch bewahren konnte, stand von den Favoritinnen nur noch Maria-Höfl Riesch im Starthaus. Und die Vorjahressiegerin aus Deutschland zeigte eine beherzte Fahrt: Oben sehr schnell unterwegs, verlor sie dann aber einige Male etwas die Spannung und musste ihre Abfahrtsposition auflösen - und das kostete sie den Sieg. Im Ziel lag die Garmisch-Partenkirchnerin vier Zehntel zurück, was aber zu einem sehr guten dritten Rang reichte. Den Sieg schnappte sich mit einer tollen Fahrt auf der Tofana Daniela Merighetti vor Lindsey Vonn und Höfl-Riesch, die im Gesamtweltcup einen Sprung nach vorne machen konnte. Hier baute Lindsey Vonn ihre Führung vor Marlies Schild aus, hat nun 784 Punkte auf dem Konto.

Das nächste Rennen der Damen in Cortina d´Ampezzo findet am Sonntag (15.1.) um 11:30 Uhr statt, wenn die schnellsten Skifahrerinnen der Welt beim Super-G an den Start gehen.