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Marcel Hirscher ist der Mann der Stunde im alpinen Herren-Weltcup. Nach dem Erfolg im Riesenslalom von Adelboden gewann er auch den Slalom am Chuenisbärgli vor Ivica Kostelic und Stefano Gross. Fritz Dopfer war als Sechster bester Deutscher, Felix Neureuther wurde nach einem Einfädler disqualifiziert.

Dritter Sieg in Serie für Hirscher

Marcel Hirscher gewann den Slalom in Adelboden trotz schlechter Sicht- und Pistenbedingungen knapp vor seinem ärgsten Rivalen Ivica Kostelic. 1:58,66 Minuten benötigte der Österreicher für beide Läufe und lag damit 0,27 Sekunden vor dem Kroaten. Felix Neureuther hätte in die Phalanx wohl einbrechen können, ihm wurde jedoch ein Einfädler im dritten Tor nachgewiesen, was seinen exzellenten ersten Lauf null und nichtig machte. Stattdessen sorgten Fritz Dopfer auf Rang sechs und Philipp Schmid mit einem 19. Platz, der zugleich sein bestes Weltcup-Ergebnis darstellt, für Punkte für den DSV. "Gestern war ich noch sehr, sehr enttäuscht. Was soll ich sagen? Ich habe im zweiten Lauf ein gutes Wetterfenster erwischt, wo man noch viel gesehen hat. Aber der sechste Platz macht mich schon stolz", erklärte Dopfer nach seinem bislang besten Slalom-Ergebnis überhaupt.

Das entscheidende Tor Nummer drei

Cristian Deville und Marcel Hirscher führten nach einem spannenden ersten Lauf zeitgleich das Feld an - von einer Vorentscheidung konnte man natürlich nicht nur deshalb keineswegs sprechen. Die ersten fünf Athleten trennten gerade 26 Hundertstel, Felix Neureuther, Mario Matt und Ivica Kostelic hatten sich also ebenfalls eine exzellente Ausgangsbasis für den Sieg am Chuenisbärgli gesichert. Für Neureuther stand nach dem erneut sehr guten Lauf aber nicht die Zeit und seine Chance im Finale im Mittelpunkt, sondern das Tor drei. Lange stand nicht fest, ob der Partenkirchener dort eingefädelt hatte - oder nicht. "Ich
habe beim Lauf nichts gemerkt", sagte Neureuther selbst. "Jetzt werden die Fernsehbilder und der Torrichter entscheiden." Die Bilder belegten den Regelverstoß letztlich zweifelsfrei, der Deutsche war damit disqualifiziert.



Cousineau verletzt sich

Der selektive Kurs in Adelboden sortierte einige Favoriten früh aus. Andre Myhrer aus Schweden schied genauso aus wie Ex-Weltmeister Manfred Pranger. Grange, Razzoli und Ligety fielen weit zurück. Bitter war der erste Durchgang für Julien Cousineau aus Kanada, der sich bei einem Ausheber das Knie verdrehte und mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen blieb - er musste sich im Anschluss ins Krankenhaus bringen lassen. Fritz Dopfer kam als 26. auf einer schon ausgefahrenen Piste auf den guten elften Platz. Philipp Schmid nutzte die hohe Ausfallquote und qualifizierte sich als 26. für das Finale. Stefan Luitz hingegen schied hingegen wie 26 weitere Athleten aus.

Ausfallorgie im Finale

Extrem schwer war auch das Finale. Von der ersten 15 kamen sechs nicht durch, insgesamt scheiterten neun Fahrer in der Entscheidung. Gut war daher, dass Philipp Schmid nicht patzte und seine Vorgabe in Weltcup-Punkte ummünzen konnte. Platz 19 stand am Ende für ihr zu Buche - es war sein zweites Weltcup-Ergebnis überhaupt nach Platz 20 in Kranjska Gora im letzten Jahr. Freuen konnte sich auch Fritz Dopfer, der nach dem ärgerlichem Ausfall am Vortag wieder ein gutes Ergebnis einfuhr und seine sehr gute Form auch im Slalom wieder einmal umsetzen konnte - Platz sechs wurde es für ihn.

Laufbestzeit durch Schönfelder

Am besten meisterte Altmeister Rainer Schönfelder die Piste im Finale. Er durfte als Zweiter ran, nutzte die Bedingungen und fuhr Laufbestzeit. Dass niemand diese Marke knacken konnte, hing nicht nur mit der Piste, sondern auch mit der sich verschlechternden Sicht zusammen. Immer mehr zog der Nebel in den Hang, die Besten hatten es damit am schwersten. Jean Baptiste Grange (Fünfter) gelang nach einem erneut enttäuschenden ersten Lauf im Finale der Sprung in die Spitze. Stefano Gross machte es noch etwas besser als der Franzose und wurde dafür sogar mit Rang drei belohnt. Auch Topfahrer wie Steve Missillier kostete der Hang ihr Ergebnis, Routinier Ivica Kostelic machte das weniger aus. Er zog seinen Lauf konzentriert durch - damit übernahm der Kroate in der entscheidenden Phase zunächst die Führung.

Hirscher enteilt der Konkurrenz

Keine Chance hatte im Finale der Arlberger Mario Matt. Verunsichert durch die Bedingungen verlor er über eine Sekunde auf Kostelic - und fiel letztlich auf Position vier zurück. Marcel Hirscher machte es besser, blieb aggressiver und vermied es dennoch, dem Kurs seinen Tribut zu zahlen. Sein Lohn: Die Führung - doch Hirscher musste Devilles Lauf noch abwarten. Der Italiener startete nervös, geriet aus dem Rhythmus, riskierte noch mehr und verpatzte dann völlig den möglichen Erfolg. Im Ziel leuchtet nur Rang neun auf, doch für den Italiener kam es noch dicker, denn auch er wurde abschließend disqualifiziert. Jubeln durfte einmal mehr Marcel Hirscher, der nicht nur in der Weltcup-Gesamtwertung vorerst der Konkurrenz enteilt, auch im Slalom-Weltcup hat der Österreicher den Rückstand auf Kostelic (385 Zahler) auf 25 Punkte reduziert.

Die Herren ziehen nun weiter gen Wengen, wo Abfahrt, Slalom und Kombination anstehen.