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Es kommen einschneidende Veränderungen auf die Ski-Hersteller zu: Besonders im Riesenslalom sollen ab der Saison 2012/2013 die Latten deutlich länger werden und vor allem der Radius sich deutlich vergrößern. Wie gehen die Hersteller mit dieser Situation um? Wieviel mehr Sicherheit kann die Maßnahme bringen? Wir haben bei Atomics Alpine Race Director Rudi Huber nachgefragt.

Frage: Wie bewertet Atomic die neuen Materialänderungen für den Leistungssport - was ist gut, was schlecht?
Rud Huber: Grundsätzlich unterstützt Atomic jede Maßnahme, um die Sicherheit im Leistungsport zu verbessern. Es liegt in unserem eigenen Interesse, dass das Verletzungsrisiko reduziert wird. Dazu muss man aber bemerken, dass das Material nicht alleine dafür verantwortlich ist, sondern dass Kurssetzung, Sichtverhältnisse, Pistenpräparierung, Sicherheitsnetze, Torflaggen sowie Bekleidung und Protektoren genauso wichtig sind, um das Thema Sicherheit zu kontrollieren.
Aufgrund zahlreicher Tests während der vergangenen Saison ist klar herausgekommen, dass jenes Material, welches in Zukunft für den Leistungsport verwendet wird, die Kurvenkräfte reduziert. Dadurch erhofft man sich, das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Frage: Lassen sich so Verletzungsrisiken also wirksam eindämmen?
Rud Huber: Aufgrund diverser Tests in der abgelaufenen Saison mit ehemaligen Weltcupläufern (Marco Büchel, Christoph Gruber) und aktuellen jungen Weltcup-Athleten wie Matts Olsson oder Justin Murisier ist klar zum Ausdruck gekommen, dass das zukünftige Material weniger Kurvenkräfte/Fliehkräfte bewirkt und somit hoffentlich auch das Verletzungsrisiko minimiert.
Ob dies dann tatsächlich der Fall ist, kann man erst dann beurteilen, wenn das neue Material einen gewissen Zeitraum im Einsatz ist.



Frage: Welche Alternativen gäbe es?
Rud Huber: Das ist immer schwierig zu beurteilen. Tut man nichts, heißt es, man verwehrt sich gegen die Verbesserung der Sicherheit. Ändert man etwas, heißt es dass man dem Skisport schadet. Grundsätzlich kann Atomic mit dieser Lösung leben, speziell für Abfahrt und Super G ist das OK. Im Riesentorlauf war unser Vorschlag, dass man von 27 Meter Radius auf maximal 35 Meter gehen hätte sollen. (Geplant sind nun 40 Meter, Anm. d. Red.)

Frage: Ist das neue Reglement innerhalb eines Jahres umsetzbar - für Hersteller wie Aktive?
Rud Huber: Sowohl für die Industrie sowie auch für die Athleten/innen wird dies eine große Herausforderung, wir haben jetzt 15 Monate Zeit, um uns auf die Saison 2012/13 vorzubereiten.

Frage: Welchen Einfluss hat diese Entscheidung auf die Entwicklung von Freizeit-Verkaufsski?
Rud Huber: Der Freitzeit-Verkaufsski wird sich dadurch ja nicht ändern, der Kunde wird nach wie vor sein gewünschtes Modell bekommen. Das Skiportfolio geht von 12 Meter Radius bis 25 Meter und über jede Kategorie von Skitypus. Jenes Klientel, welche die FIS Weltcup Rennski kaufen, sind ohnehin Hobbyrennläufer und Nachwuchsathleten, sie sollten eigentlich von der erhofften Verbesserung der Sicherheit profitieren.