Das "Impro-Training" auf der verkürzten "Birds of Prey" in Beaver Creek beendete Rainer Schönfelder mit 38 Hundertstel Rückstand auf die Bestzeit als drittbester ÖSV-Läufer auf Platz 14. Ob er Samstag in Beaver Creek die erst fünfte Weltcup-Spezialabfahrt seiner Karriere bestreiten wird, bleibt allerdings offen...

"Ich bin froh, dass ich überhaupt dabei bin"
"In Lake Louise bin ich ja zum ersten Mal in meinem Leben gefahren, die Abfahrt hier in Beaver Creek kenn ich relativ gut", sagt Rainer Schönfelder. Relativ gut ist relativ: Denn die Routiniers haben auf der "Birds of Prey" ein Vielfaches an gefahrenen Kilometern in den Beinen, verglichen mit Rainer Schönfelders vereinzelten Trainingsläufen und den bisherigen zwei Kombi-Abfahrtsstarts. Insofern: Platz 14 auf verkürzter Strecke, 38 Hundertstel hinter der besten Zeit, drittschnellster ÖSV-Läufer - schlecht!? "Ich bin froh, dass ich überhaupt dabei bin und sehr zufrieden." Gibt es heute Abend ein weiteres Training, dann lebt mit einer ähnlich guten Leistung seine Chance auf einen Platz im ÖSV-Team auch für die Spezialabfahrt - wenn nicht: nicht. Ob ihn die permanente Quali-Situation nicht langsam ärgere? Die Fragen danach amüsieren ihn eher: "Von Beruf Spitzensportler zu sein und sich darüber zu ärgern, dass es um Wettbewerb und Vergleich geht, wäre ja völlig verrückt. Also - nein, es ärgert mich nicht: Das ist der Job. Und auf den konzentriere ich mich."

"Niederlagen sind immer ein Gewinn, hadern ist immer ein Verlust - an Energie nämlich"
Dass dieser Job nach Jahren mit Verletzungsproblemen und anderen Herausforderungen nicht immer ein einfacher sei, liege auf der Hand: "Es ist ein Unterschied, ob man in Topform ist, sich verletzt, die Lehren der Auszeit mitnimmt und dann wieder zurückkehrt, oder ob man sich - wie ich - jahrelang in einer Abwärtsspirale befindet und sich von ganz unten wieder hocharbeiten muss", so Schönfelder. Und: "Natürlich freute ich mich nicht, in Lake Louise den zweiten Trainingslauf und damit meinen Startplatz zu versemmeln. Und natürlich wäre ich beim NorAm-Slalom in Loveland lieber mit einem Ergebnis im Ziel gewesen als einzufädeln. Aber selbst das war eine gute Gelegenheit, um draufzukommen, dass hier in Amerika aktuell Schneeverhältnisse herrschen, die bewirken, dass wir das Tuning beim Slalomski runterfahren müssen; so gesehen also eine Niederlage, aber trotzdem ein Gewinn" - zu hadern sei prinzipiell und immer ein Verlust, an Energie nämlich.

"Augen auf bei der Berufswahl"
Rainer Schönfelder hat sein Appartement 403 (seine netten Nachbarn Stephan Görgl und Hannes Reichelt sind zu den NorAm-Riesentorläufen nach Aspen verreist) in Beaver Creek zur Nicht-Raunzerzone erklärt - in Zeiten von Skype und Facebook, sagt er, sei es einfacher geworden, besser bei sich und trotzdem mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben und das Alter brächte das wohl auch mit sich. Man könne sich über eine zu kurze Strecke, einen zu weiten Sprung, zu schlechte Sicht und über zu taillierte Ski, zu großes Risiko, zu viele Verletzte und weiß Gott was sonst noch alles aufregen - die Frage sei nur: Wem nützt das? Schönfelder: "Was würde man einem Koch sagen, der sich darüber mokiert, dass es in der Küche nach Essen riecht, dass die Messer zu scharf sind und der Herd zu heiß ist? Wahrscheinlich würde man ihm sagen: Augen auf bei der Berufswahl..." Eben. Wer das Haar sucht, der verpasst die Suppe.

"Der Skisport wird gefährlich bleiben - es sei denn, es gibt nur noch die Disziplin Liftfahren"
Bezogen auf die aktuellen Diskussionen im Skisport - Sicherheit, Sinnhaftigkeit der Super-Kombination - findet Rainer Schönfelder klare Worte: "Bilder, wie wir sie in Lake Louise gesehen haben, erschüttern - klar. Aber dass unser Sport auch gefährlich ist, werden wir nicht ändern, es sei denn, alle Disziplinen werden abgeschafft und im Weltcupkalender gibt‘s nur noch Liftfahren. Frage: Wie spannend ist Liftfahren?" Und weiter: "Die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen selbst: Es wirkt teilweise so, als würde irgendeiner von uns zu irgendwas gezwungen - das ist aber nicht so: Wenn ich finde, ich sehe nicht genug und das Risiko ist für mich zu hoch, schnalle ich im Starthaus wieder ab und fahr mit der Gondel runter." Super-Kombination detto: "So wie wir jedes Jahr wieder alle von Neuem überrascht und entsetzt sind, dass man sich beim Skifahren auch verletzen kann, immer dieselbe lähmende Diskussion um die Super-Kombi! Was zählt sind nicht auseinandergehende Meinungen von Speed-Spezialisten oder Allroundern. Was zählt ist: Unterstützt der Bewerb den Skisport, weil er dem Publikum gefällt - ja oder nein?"