© Doug Haney U.S. Ski Team
Der Ski-Weltcup der Damen 2009 stand ganz im Zeichen von Lindsey Vonn und Maria Riesch. Zwei richtig gute Freundinnen lieferten sich einen Zweikampf um den Gesamtweltcup, den die Amerikanerin letztlich doch klar für sich entschied. Wir blicken auf die Highlights zurück.

Vonn schockt Slalom-Konkurrenz
Beim zweiten Rennen des Winters war die Überraschung groß. Ausgerechnet im Slalom hatte das Speed-Ass Lindsey Vonn gewonnen, damit war kaum zu rechnen gewesen. Und dabei hatte Vonn nichts von ihrem Hang zu schnellen Hängen verloren, sie blieb auch im Speed-Sektor führend. Hätte sie sich nicht auch gelegentlich einen Ausfall gegönnt, Vonn wäre wohl in diesem Winter sogar noch besser besser gewesen, als Rekordhalterin Janica Kostelic im Jahr 2006. Damals hatte die Kroatin 1970 Punkte gesammelt.

Keine Pause für Vonn
So wurden es 'nur' 1788 Zähler. Platz eins in der Abfahrt, Platz eins im Super-G, Zweite der Super-Kombination, Dritte im Slalom und Achte im Riesenslalom - in dieser Form ist die neue 'Vonnderwoman' des Skisports kaum zu schlagen. Dabei warfen sie weder Trainingsstürze wie in Tarvisio zurück, noch die Daumenverletzung, die sich die Amerikanerin selbst beim Öffnen einer Champagnerflasche im Rahmen der WM-Feierlichkeiten zugezogen hatte. Ob mit oder ohne getaptem Daumen, Vonn war immer vorne dabei. Nur im Riesenslalom hat sie bislang kein Rennen gewinnen können. So hat die 24-Jährige sich wenigstens noch sportliche Ziele offen gelassen.



Riesch auf Wolke sieben
Hätte Maria Riesch im letzten Jahr 1424 Weltcup-Punkte geholt, dann hätte sie damit die große Kugel gewonnen. Zugegeben, zieht man den Vergleich weiter zu den letzten zehn Saisonen, dann hätte es meistens nicht gereicht. Die Partenkirchenerin schaffte dennoch ebenfalls einen Sprung auf ein neues Level. Im Slalom war sie die Königin, fuhr sich bei ihren vier Siegen in Serie in einen regelrechten Rausch. Allerdings lief es dafür in den schnellen Disziplinen mit wenigen Ausnahme weniger gut. Dadurch konnte sie nicht zu einer ebenbürtigen Rivalin von Vonn werden. Riesch strahlte dennoch oft mit ihrer Freundin um die Wette - vom Siegerpodest aus. Im nächsten Winter werden die Karten dann wieder neu gemischt!

Neue Speed-Elite
In den schnellen Disziplinen hat sich in der Saison 2008/2009 eine neue Spitzengruppe gezeigt. Anja Pärson durfte man auf der Rechnung haben, herausgefordert wurde die spätere Siegerin Vonn aber vor allem von Dominique Gisin aus der Schweiz und Andrea Fischbacher aus Österreich. Beide gewannen Rennen, konnten aber noch nicht die Konstanz vorweisen, die sie zu ernsten Gegnerinnen über die ganze Saison gemacht hätte. Ganz vorne dabei - mit Stärken im Super-G - waren auch die Italienerin Nadia Fanchini sowie Fabienne Suter. Und auch die Schwedin Jessica Lindell-Vikarby wäre wohl bis zum Schluss im Titelrennen geblieben, wenn sie sich nicht verletzt hätte. Es steht also eine neue Garde an schnellen Damen bereit, um die bisherige Elite abzulösen. 'Speed-Queen' Renate Götschl, aber auch die hoch gehandelten Kanadierinnen Janyk und Vanderbeek, Nadia Styger und Martina Schild aus der Schweiz konnten dagegen nicht überzeugen.

Riesenslalom: Poutiainen schlägt Zettel
Der Riesenslalom war die umkämpfteste Disziplin bei den Damen im letzten Winter. Bis zum Schluss stand die Wertung auf Messers Schneide zwischen der Siegfahrerin Zettel und der konstanteren Podiumsgarantin Poutiainen. Die Finnin machte letztlich das Rennen. Keinen einzigen Sieg gab es in diesem Jahr für die Seriensiegerin des Vorjahres: Denise Karbon konnte an ihren Höhenflug nicht anknüpfen. Auch für die Deutschen lief es im Riesenslalom nicht perfekt. Kathrin Hölzl schaffte 'nur' bei der WM den Sprung aufs Podest und wurde als 12. beste DSV-Athletin, Viktoria Rebensburg fand zum Saisonende den Anschluss an die Weltspitze und ist eine große Hoffnung für den kommenden Winter.

Kombi-Kugel geht an Pärson
Die beste Kombiniererin des Jahres war Anja Pärson, denn sie war in den drei Wettbewerben die präsenteste. Mit diesem Erfolg schönt die Schwedin einen Winter, in der sie stets auf der Suche nach ihrer Form war und dennoch in der Lage, Rennen zu gewinnen. Dennoch hagelte es in ihrer Heimat Kritik - von eine Fahrerin des Kalibers Pärson ist man in dort mehr gewohnt. Wer trotz Formkrise Gesamt-Dritter wird, muss aber immerhin nicht verzweifeln. Auch im nächsten Winter wird sie wieder eine Siegfahrerin sein.

DSV: Im Slalom beste Nation
Die besten Slalom-Fahrerinnen der Welt kommen aus Deutschland. Und auch sonst wiesen die Damen eine gute Bilanz vor: Platz vier in der Nationenwertung, die USA überholt. Einen Premierensieg gab es für Gina Stechert, die aber leider wenig später verletzt die Saison beenden musste. Fanny Chmelar schaffte es in Are erstmals auf das Siegerpodest, Viktoria Rebensburg und Susanne Riesch hatten ebenfalls gute Resultate, dazu kommen Nina Perner und Katharina Dürr und noch jüngere Hoffnungsträgerinnen wie Marianne Mair oder Christina Geiger, die alle bereits im Weltcup gepunktet haben. Fazit: Im Speed fehlt die Breite, aber in den technischen Disziplinen sind die Deutschen gut aufgestellt und können im nächsten Jahr mit der Leaderin Riesch noch weiter vorne landen. Nicht mehr dabei sein wird dann Monika Bergmann, die beim Heim-Weltcup in Ofterschwang ihren Rücktritt bekannt gab.

Gute Aufsteigerinnen
Lara Gut, Andrea Dettling und Nadja Kamer sind drei junge Damen, deren Entwicklung nicht nur in der Schweiz genau beäugt wird. Alle zeigte eine starke Saison mit einigen Höhepunkten, vor allem Gut wird über kurz oder lang auch um den Gesamtweltcup mitfahren können. Als Allrounderin hat auch Anna Fenninger die Talentprobe bestanden. Die Franzosen haben in Tessa Worley und Taina Barioz zwei Hoffnungsttägerinnen, Worley gewann sogar ihr erstes Rennen. Zudem erlebte Sandrine Aubert im Slalom neue Höhen, als sie zum Saisonausklang gleich zweimal gewann. Von diesen Damen werden wir sicher noch mehr hören!

Österreich ohne Kugel
Auch die größte Skination ist nicht gefeit gegen das Verletzungspech. Marlies Schild fiel bereist vor der Saison aus, Nicole Hosp verpasste im Januar und Februar wichtige Wochen, Maria Holaus erwischte es wieder einmal. Damit blieb die Verantwortung an den Kronprinzessinnen hängen. Kathrin Zettel sorgte für einige Siege und einen WM-Titel, verpasste aber die Kugeln. Michaela Kirchgasser, Elisabeth Görgl und Andrea Fischbacher kamen für Kristall auch nicht in Betracht. Und dahinter tut sich in der Alpenrepublik langsam eine Lücke auf. Das zudem Renate Götschl ihren Rhythmus nicht fand, brachte die Trainer in Erklärungsnöte. Das Ergebnis in der Nationenwertung liest sich so: Österreich verliert fast 2000 Punkte - das entspricht der Leistung des deutschen Damen-Teams von 2008 - und wird dennoch Erster. Ob das alles mit Verletzungen zu erklären, werden sich nun die Verantwortlichen beim ÖSV fragen müssen.