© Doug Haney U.S. Ski Team
In jeder Saison schreibt der Ski-Weltcup seine Geschichten. In diesem Jahr waren dafür einige Oldies verantwortlich, aber auch einige junge Athleten. Ganz oben stand in der knappsten Entscheidung aller Zeiten am Ende ein Norweger.

Das Comeback des Jahres
Aksel Lund Svindal hat mit viel Glück und Fortune, aber auch mit grandiosen Rennen zum zweiten Mal nach 2007 den Gesamtweltcup erringen können. Bereits in Beaver Creek kam er genau auf seiner Sturzstrecke vom Vorjahr wieder zurück und siegte. Danach kamen wieder schwächere Phasen, doch pünktlich zum Saisonfinale war der Norweger hellwach und sicherte sich trotz Grippe die nötigen Punkte. 1009 reichten ihm am Ende, weniger hatte ein Weltcupsieger noch nie. Das beweist, dass alle Favoriten Federn lassen mussten. Svindal triumphierte als der Fahrer, der die wenigsten Fehler machte und bewies einmal mehr sein untrügliches Gespür für den entscheidenden Moment.

Raich schlägt sich selbst
Dabei hatte alles nach einem Erfolg für Benni Raich ausgesehen. Vor dem letzten Slalom fehlten dem Österreicher nur zwei Zähler, Platz 15 hätte gereicht für die große Kugel, doch der Pitztaler fädelte ein und verschenkte den Coup. Raich ging letztlich sogar völlig leer aus, denn auch im Riesenslalom war ein anderer besser als er, in allen anderen Disziplinen schied der beste Österreicher schon früher aus dem Titelrennen aus.

Cuche: Abfahrt pfui, Riesenslalom hui!
Wer hätte das erwartet? Der zweifache Abfahrtschamp Didier Cuche entdeckte in diesem Winter seine Fähigkeiten im Riesenslalom neu - und hätte er dabei seinen Speed-Riecher nicht verloren, dann wäre ihm die große Kugel wohl kaum zu nehmen gewesen. Doch nur bei der WM und in Are war Cuche in Abfahrt und Super-G präsent und rutschte sonst fernab von gut und böse im Niemandsland herum. Dennoch wird er nicht unzufrieden sein - zwar ist er im Gesamtweltcup wieder 'nur' Dritter, doch eine kleine Kugel gehört erneut ihm. Zudem belohnte der Schweizer seine Fans in Are mit der originellsten Perücke. So macht Skisport Spaß!

Grange überwindet sich
Die Slalom-Saison hatte mehrere Phasen. Die erste dominierte 'JB' Grange und holte eine klare Führung. Dann kam die Zeit der Österreicher Herbst und Pranger, zum Schluss mischte sich das Feld. Zum Glück für Grange schwächelten dessen Konkurrenten am Schluss aber auch, so blieb dem nervenanfälligen Franzosen ein Schicksal wie im Vorjahr erspart. Er bekam endlich seine Kristallkugel. Im Super-G vertändelte Hermann Maier im letzten Rennen einen historischen sechsten Cup-Erfolg und musste Svindal die Trophäe überlassen. Unvergessen bleibt dafür Maiers Freude nach seinem 54. Weltcup-Sieg zu Saisonbeginn.



Walchhofer rettet ÖSV-Ehre
Fast wären die großen Österreicher bei den Einzelcups damit komplett leer ausgegangen. Doch in der Königsdisziplin, der Abfahrt, gelang Michael Walchhofer vor allem im letzten Saisondrittel der Sprung nach vorn. Nach dem Ausstieg von Bode Miller war Landsmann Klaus Kröll sein einziger echter Konkurrent - und der konnte auch Walchhofers Ausfall im letzten Rennen nicht nutzen. Mit nunmehr drei Abfahrtskugeln hat sich der Zauchenseer in den Kreis der besten Downhiller aller Zeiten vorgekämpft. Zurecht darf Österreich auf diese Leistung stolz sein.

Janka, der Shooting-Star
Unbestritten hat Carlo Janka den Titel Newcomer des Jahres verdient. Der junge Schweizer glänzte in der Super-Kombi, wo er sogar die kleine Kugel holen konnte, und trat auch im Riesenslalom als Siegläufer auf. Experten sehen in ihm daher einen der Anwärter auf die große Kugel schon im kommenden Winter. Ob er diesem Druck standhalten kann, wird sich zeigen müssen - in diesem Jahr haben ihn hohe Anforderungen jedenfalls nicht beeinträchtigt.

Phänomen Bode Miller
Bei keinem anderen Fahrer klafften Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander, wie bei Bode Miller. Eine zweistellige Anzahl Siege hatte er sich vorgenommen - das hätte in jeden Fall zur großen Kugel gereicht. Gelungen ist ihm kein einziger. Sein Vermögen ist dabei weiterhin immens - immerhin fuhr er im Slalom und in der Abfahrt auf zweite Plätze. Aber so leer wie Miller nach der WM wirkte, muss man seine neuerlichen Aussagen zu einer Karrierepause vielleicht ernster nehmen. Die wäre dann wohl auch eine Babypause, denn Miller präsentierte im Februar eine einjährige Tochter. Dafür ließ er den Abfahrtsweltcup sausen. Quo vadis, Bode?

Defago heimlicher Abfahrtskönig
Natürlich ist Michael Walchhofer der beste Abfahrer der Saison. Natürlich? Aber wer hat eigentlich die beiden berühmtesten Rennen der Welt gewonnen? Richtig, in Kitzbühel auf der Streif und in Wengen am Lauberhorn siegte Didier Defago aus der Schweiz! Dieser bisher für ihn einmalige Höhenflug hielt allerdings nicht lange an. Dennoch, diese Siege wird Defago keiner mehr nehmen können, mehr Prestige kann man kaum innerhalb weniger Tage gewinnen.

Starkes Italien
Kein Geld - keine Leistung? Stimmt nicht. In 'Bella Italia' geht es auch ohne. Die Herrenriege im Speed mit Werner Heel, Peter Fill und Christof Innerhofer sorgte für unerwartete Siege, in den technischen Disziplinen hatte Manfred Mölgg zwar eine durchwachsene Saison, doch Blardone, Rocca, Razzoli, Thaler und Deville halfen gerne mal aus. In der Breite und in der Spitze war das überzeugend, obwohl der Verband große wirtschaftliche Probleme hat. Italien wurde dennoch nur Dritter, denn die Schweizer und natürlich Österreich waren noch besser. Der Vorsprung der rot-weiß-roten ist aber geschmolzen, die ÖSV-Fahrer sammelten für die Nationenwertung rund 1000 Punkte weniger als im Jahr zuvor. Dennoch ist man weiterhin klar die stärkste Ski-Nation.

DSV-Bilanz hängt an Neureuther
In der Nationewertung findet man Deutschland weiterhin erst weit hinten. Der elfte Platz ist zwar eine Position besser als im Vorjahr, die Punktzahl hat sich aber halbiert. Das hängt vor allem mit der Formkrise zusammen, die Felix Neureuther über weite Strecken der Saison begleitete. Es sind seine Punkte, die fehlen, denn im Speed-Bereich holten Stephan Keppler und die Strodl-Brüder kaum zählbare Ergebnisse, im Riesenslalom gelang keinem deutschen Fahrer auch nur ein einziger Punkt und im Slalom waren Stefan Kogler und Dominik Stehle nur in den ersten beiden Rennen präsent. Auch für das nächste Jahr zeichnet sich hier noch wenig Besserung ab, bis auf einen Punkt: Vielleicht kann Felix Neureuther dann richtig glänzen.

Schockerlebnis Daniel Albrecht
Auch schlimme Verletzungen gab es wieder im Winter 2008/2009. Vor allem Daniel Albrechts Sturz in Kitzbühel schockte die Ski-Fans. Der Schweizer befand sich in blendender Form, als er beim Streif-Training auf den Hinterkopf prallte und lange nicht aus dem Koma erwachte. Inzwischen ist klar, dass er wohl wieder gesund wird und auch wieder Skifahren möchte. Weitere Verletzte waren Johann Clarey, Hans Grugger, Rainer Schönfelder, Markus Larsson, Andreas Strodl, Jan Hudec, Cornel Züger und Beat Feuz.