Das Big Event in Garmisch-Partenkirchen musste wetterbedingt abspecken. Statt vier Rennen an drei Tagen konnten nur drei Wettbewerbe ausgetragen werden. Die Premiere der Herren auf der neuen Kandahar fiel Nebel zum Opfer. Den Slalom gewann der Italiener Manfred Mölgg. Bei den Damen sicherte sich Lindsey Vonn für zwei Siege 200 Weltcuppunkte.

Riesch im Stangenwald eine Bank
Auch wenn Maria Riesch im Slalom auf dem Gudiberg den fünften Sieg in Folge verpasste, ist die Patrtenkirchenerin in diesem Winter im Stangenwald eine Bank. Nach ihren Ausfällen vor dem Weltcup in ihrer Heimat ließ die 24-Jährige es im ersten Durchgang noch etwas ruhiger angehen, um dann im Finale die Handbremse zu lösen und sich mit Platz zwei schon fast die kleine Kristallkugel zu sichern. "Für mich ist natürlich ein Traum in Erfüllung gegangen heute. Ich habe bei meinem zweiten Platz von den Ausfällen nach mir profitiert, aber ich bin die letzten Male auch ausgefallen. Das ist ausgleichende Gerechtigkeit. Es war kein schlechtes Rennen von mir, den unteren Teil habe ich sehr gut erwischt", freute sich Riesch darüber auch dem Druck vor heimischer Kulisse stand gehalten zu haben.

Ein Sieg bis zum Geschichtsbuch
Mit den Siegen 17 und 18 in ihrer Karriere hat Lindsey Vonn nun mit der bisher besten amerikanischen Skirennläuferin gleichgezogen. Es wird also nicht mehr lange dauern, bis Vonn Tamara McKinney ablösen wird. Mit den 200 Weltcuppunkten aus Garmisch-Partenkirchen ist die amtierende Weltcupgesamtsiegerin auf dem besten Weg, diesen Erfolg zu wiederholen. "Ich kann mit großem Selbstvertrauen zur Weltmeisterschaft gehen, auch wenn es ein hartes Programm ist, mit neun Tagen nacheinander", weiß die 24-Jährige auch, dass sie nun die absolute Top-Favoritin für den Saisonhöhepunkt ist. Nach ihrem Coup im Slalom, warf sie für die sonst eher ungeliebte Disziplin Super-G alles in eine Waagschale: "Es war ein sehr schwieriger Kurs, aber mein Coach Alex hat ich ihn gesetzt, und es war großartig. Es war selektiv, eisig und wellig. Ich wusste, welche Linie ich nehmen muss, um von oben bis unten schnell zu sein." Zudem gab ihr Ehemann Thomas ihr wertvolle Tipps, da er schon oft auf der alten Kandahar, auf der zum größten Teil die Damenstrecke verläuft, Rennen gefahren ist.

Mit Zuversicht zur WM
Maria Riesch, die im vergangenen Winter noch die beste Super-G-Fahrerin im Weltcup war, kehrte mit Rang fünf rechtzeitig vor der WM in die Erfolgsspur zurück. "Das waren heute nicht ganz 100 Prozent von mir, aber nach den letzten Leistungen in den vergangenen Super-G-Rennen fehlte mir auch die nötige Sicherheit. Aber das ist mit Abstand das beste Super-G-Resultat für mich in dieser Saison und damit bin ich recht zufrieden. Ich wollte hier in Garmisch-Partenkirchen gut fahren und mit einem Podium und dem fünften Platz heute habe ich mein Ziel erfüllt. Die WM kann kommen", zeigte sich Riesch nach den Rennen zuversichtlich.

Erstes Podium für Ferk
Eine Überraschung gab es im Slalom der Damen. Marusa Ferk carvte zum ersten Mal in ihrer Karriere auf ein Weltcuppodium. Die Slowenin wusste, dass sie dabei auch von den Ausfällen der beiden führenden Österreicherinnen profitierte und blieb zurückhaltend: "Ich weiß, dieser Dritte Platz bedeutet jetzt nicht zwingend, dass ich jedes Mal am Stockerl stehe. Aber ich will attackieren und beständig gute Ergebnisse liefern." Ein gutes Rennen zeigte auch Susanne Riesch. Auch für die jüngere Schwester war der Druck beim Heimspiel größer als sonst. Im ersten Durchgang passte es bei der 21-Jährigen auch nocht nicht: "Oben bin ich nicht so gut reingekommen im ersten Durchgang und hätte fast eingefädelt. Dann bin ich vorsichtiger gefahren und war weit hinten. Im Finale habe ich alles gegeben und voll attackiert. Der Lauf ist voll aufgegangen. Das ist einfach nur super." So verbesserte sich die Partenkirchenerin vom 30. auf den siebten Rang.



Italiener stehlen Österreichern die Show
Im Herrenslalom sah es zunächst danach aus, als ob Reinfried Herbst seine Erfolgsstory fortschreiben könnte. Im Finale zeigte der zuletzt so sichere Slalomspezialist aber dann ungewohnte Schwächen: "Der eine oder andere Schwung im zweiten Durchgang hat bei mir wegen zu viel Rückenlage nicht gepasst. Es war ein schweres Rennen unter schwierigen Bedingungen. Aber ich habe eine sehr gute Form, es passt alles. Ich bin Dritter - das ist ein super Ergebnis." So konnten die Italiener einen Doppelsieg feiern. Manfred Mölgg gewann vor Giorgio Rocca, sodass es bei der WM nach einem Länderdreikampf zwischen Österreich, Italien und Frankreich aussieht. Zwar zeigte sich Jean-Baptiste Grange in den letzten Renen eher auf dem absteigenden Ast, aber in Val d’Isère wird der Träger des roten Trikots mit seinem Landsmann Julien Lizeroux alles daran setzen, auf das Podium zu carven.

Neureuther weiter auf der Suche nach der Sicherheit
In den Kampf um die Medaillen wird Felix Neureuther wohl nicht eingreifen können. Durch seinen vierten Ausfall in Serie wurde der Partenkirchener in die dritte Startgruppe zurückgestuft - und das ausgerechnet vor der WM. Aufgrund der Situation sieht sich Neureuther bei der WM als Außenseiter: "Ich habe in meinem Lauf einen Fehler gemacht, bin hängen geblieben. Das ist sehr schade, denn ich habe mich gut gefühlt und gerade beim Heimrennen wollte ich noch einmal Selbstvertrauen für die WM tanken. Das Rennen hätte der richtige Auftakt für einen guten Saisonabschluss sein sollen. Ich werde jetzt erst einmal Abstand gewinnen und mich voll auf die WM konzentrieren. Dort habe ich nichts zu verlieren, ich kann nur gewinnen." Nach einer bisher verkorksten Saison ist das wohl das richtige Rezept für den 24-Jährigen. Vielleicht wird ja zumindest für ihn die WM zu einem Big Event.