In Wengen finden an diesem Wochenende die 79. Lauberhornrennen statt. Dabei tauchen die Skirennläufer jedes Jahr in eine eigene Welt, denn die Zeit im kleinen Skiörtchen Wengen scheint stehen geblieben zu sein und ist im Schatten von Eiger, Mönch und Jungfrau nur mit der Wengernalpbahn zu erreichen. Tradition wird im autofreien Kurort groß geschrieben, aber dennoch ist der Herrenweltcup jedes Jahr zukunftsträchtig, da auf der längsten Weltcup-Abfahrt der Welt jedes Jahr neue Helden geboren werden.

Miller 2008 in der Abfahrt das Maß der Dinge
2008 avancierte zunächst Jean-Baptiste Grange zum großen Sieger der Lauberhornrennen. Der französische Techniker gewann erst die Super-Kombination, wobei er seinen Vorteil aus einem verkürzten Abfahrtsteil perfekt nutzen konnte, und carvte einen Tag später im Slalom allen auf und davon. Dennoch hat das Abfahrtsrennen einen höheren Stellenwert, sodass Bode Miller, der auch schon in der Kombinationsabfahrt der Schnellste war, zum Helden von Wengen im vergangenen Jahr wurde. Von seiner letztjährigen Überlegenheit ist der US-Amerikaner in diesem Jahr allerdings weit entfernt. Der Gesamtweltcupsieger der vergangenen Saison schaffte es diese Saison erst zweimal auf das Podium, auf seinen ersten Sieg muss er weiter warten. In Wengen will der 31-Jährige nun endlich zurück in die Erfolgsspur.

In der Super-Kombination ist Raich favorisiert
Am Freitag (16.01.) werden Miller und die anderen Allrounder zunächst in der Super-Kombination gefordert. In Wengen steht sie in diesem Winter erst das zweite Mal an. Die erste Kombination fiel in Beaver Creek (USA) aus und wurde in Val d’Isère (FRA) nachgeholt. Auf der WM-Piste dieses Jahres Face Bellevarde sicherte sich Benjamin Raich den Sieg vor Jean-Baptiste Grange und seinen Landsmann Marcel Hirscher. In seiner derzeitigen Form ist Raich auch in Wengen einer der Top-Favoriten. Dazu zählt auch Kombinations-Weltmeister Daniel Albrecht. Dem Schweizer fehlt in diesem Winter aber die nötige Konstanz. Zwei Siegen stehen sechs Ausfälle gegenüber. In Wengen kombinierte er sich 2008 auf den zweiten Rang. Ivica Kostelic (CRO) und Kombinations-Olympiasieger Ted Ligety (USA) sind weitere Podestkandidaten.

Schafft Miller den dritten Lauberhorn-Sieg in Folge?
Das Highlight der 79. Lauberhornrennen, während der Wengen aus seinem Schlaf erwacht und von pilgernden Ski-Fans und Guggenmusik in Atem gehalten wird, ist natürlich die Lauberhorn-Abfahrt. Hier warten Russisprung, Hundschopf, Minschkante, Kernen-S, Hanneggschuss und das neue Ziel-S. Dabei müssen die Athleten für 2:30 Minuten Kraft und Kondition haben, um hier bestehen zu können. Durch den Hanneggschuss jagen die Athleten mit bis zu 160 km/h! Hinter Sieger Miller, der auch 2007 auf dem Lauberhorn gewann und 2009 den dritten Lauberhorn-Sieg in Folge anstrebt, raste Didier Cuche in den beiden vergangenen Wintern auf Rang zwei. Der 34-Jährige würde nur zu gerne die sieglose Zeit der Schweizer beim Aushängeschild von Wengen beenden. Zuletzt gelang es Bruno Kernen im Jahr 2003. In diesem Jahr geben bisher die Österreicher den Ton in der Abfahrt an. Michael Walchhofer liegt im Disziplin-Weltcup vor seinem Landsmann Klaus Kröll. Während Walchhofer bereits alle Klassiker gewinnen konnte, wartet Kröll immer noch auf seinen ersten Weltcupsieg. Auch die Kanadier sind mit Manuel Osborne-Paradis, 2008 in Wengen Dritter, und Erik Guay gut aufgestellt. Zwei Siege gingen in diesem Winter überraschend nach Italien. Peter Fill und Christof Innerhofer standen bereits ganz oben auf dem Podest. Aksel Lund Svindal (NOR) muss man ebenfalls immer auf der Rechnung haben.



Fünf Österreicher jagen Grange
Wie in der Abfahrt steht auch im Slalom der fünfte Wettbewerb des Winters auf dem Programm. Vor dem Klassiker in Adelboden sah es im Stangenwald nach einem Duell zwischen Grange und Kostelic aus. In Adelboden (SUI) konnten beide am vergangenen Wochenende aber nicht auf das Podium fahren. Der Franzose kommt am Lauberhorn gut zurecht, sodass der Sieg wohl wieder nur über den Träger des roten Trikots gehen wird. Der Vorjahreszweite Jens Byggmark ist derzeit nicht in Form, sodass man den Schweden in Wengen dieses Jahr nicht jubeln sehen wird. Während die Schweizer im Slalom einen bsiher schwarzen Winter erleben, haben die Österreicher mit Benni Raich, Marcel Hirscher, Manfred Pranger, Reinfried Herbst und Mario Matt gleich fünf heiße Eisen im Feuer. Fürs Podest sind auch Manfred Mölgg (ITA) und der Partenkirchener Felix Neureuther gut. Neureuther will in Wengen seinen dritten Rang aus Adelboden bestätigen: "Ich musste lange auf einen Podestplatz warten und bin jetzt erleichtert, endlich eine Bestätigung für die sehr guten Trainingsleistungen erreicht zu haben. Das ist wichtig für mein Selbstvertrauen, der Erfolg kommt zur rechten Zeit. Selbstverständlich möchte ich diese Topleistung in Wengen bestätigen."

Das Programm in Wengen im Detail:
Freitag, 16. Januar 2009
10.30 Uhr Abfahrt Super-Kombination
13.30 Uhr Slalom Super-Kombination (ein Lauf)

Samstag, 17. Januar 2009
12.30 Uhr Lauberhorn-Abfahrt

Sonntag, 18. Januar 2009
10.00 Uhr Slalom 1. Lauf
13.15 Uhr Slalom 2. Lauf

Wer in den Rennen am besten aussieht, könnt ihr wie immer im ski2b-Liveticker hautnah miterleben. Klickt euch rein!