Die Rennen in Beaver Creek hatten es wieder in sich. Zwar musste die erste Super-Kombination der Saison aufgrund von Neuschnee abgesagt werden, aber die anderen Wettbewerbe zeigten Sport der Extraklasse, bei dem auch wieder zahlreiche Geschichten geschrieben wurden: So darf sich Aksel Lund Svindal nach zwei Siegen in drei Rennen als Herr der Raubvögel bezeichnen.

Pistenarbeiter die ersten Helden in Colorado
Zunächst standen aber die Pistenarbeiter im Fokus der Öffentlichkeit. Nachdem Neuschnee zur Absage der Super-Kombination geführt hatte, schaufelten 300 Pistenarbeiter diesen bis zum Freitag wieder aus der Piste und präparierten die 'Birds of Prey' so gut, dass bei der Abfahrt nahezu alle Skirennläufer gleiche Bedingungen hatten. "Es ist unglaublich was diese Kerle hier leisten. Ich bin wirklich stolz, wie Beaver Creek das Ganze händelt. Sie haben diesen Berg prächtig präpariert", lobte US-Athlet Steven Nyman, der in der Abfahrt Siebter wurde, die Organisation. Auch FIS Weltcup-Direktor Günther Hujara zeigte sich beeindruckt: "Was wir heute gesehen haben ist etwas ganz Besonderes. So etwas sieht man nicht an vielen Orten."

Mit positiven Gedanken zum Sieg
Sportlich schrieb dann Aksel Lund Svindal Skigeschichte. Ein Jahr nach seinem schweren Sturz in Beaver Creek, wodurch er auch um die Fortsetzung seiner Karriere fürchten musste, kehrte der Norweger triumphal auf der Raubvögel-Piste zurück an die Spitze im Weltcup. Svindal raste in der Abfahrt zum ersten Weltcup-Sieg nach seinem Comeback: "Die ganze Woche war besonders. Ich wusste, es wird eine mentale Herausforderung hierher zurückzukehren, weil das, was passiert ist, natürlich immer noch hinten in meinem Kopf ist. Ich habe meine Energie darauf verwendet, nicht über die falschen Dinge nachzudenken, sondern daran, wie ich Ski fahren muss. Ich habe nicht daran gedacht, nicht zu stürzen, denn das bringt dich nirgendwo hin." Svindal bezwang die Raubvögel-Piste also vor allem mental und legte mit dem Sieg im Rücken im Super-G gleich noch einen nach. "Es fühlt sich gut an. Ich habe das wirklich nicht erwartet, aber bisher ist es eine gute Woche." Zum Abschluss fuhr der 25-Jährige, der Weihnachten Geburtstag feiert, im Riesenslalom als Dritter erneut auf das Podium. Nach den Rennen von Beaver Creek führt der 'Herr der Raubvögel' nun auch den Gesamtweltcup mit über 100 Punkten Vorsprung an.



Hundertstel-Krimi im Riesenslalom
Den Sieg im Riesenslalom sicherte sich Benjamin Raich. Der Österreicher schnappte Lokalmatador Ted Ligety den Sieg noch um eine Hundertstel weg. Für den 'Blitz aus Pitz' war es der erste Weltcup-Sieg im Riesenslalom seit dem 3. März 2007, als er im slowenischen Kranjska Gora reüssieren konnte. "Das Rennen heute war großartig, vor allem der zweite Lauf. Der untere Abschnitt war perfekt. Ich habe mein Bestes versucht und richtig hart forciert. Daher bin ich glücklich jetzt an der Spitze zu sein", gab Raich nach seinem ersten Saisonsieg zu Protokoll. Ligety wusste, warum er den Sieg verpasste: "Ich bin einen Touch zu konservativ gefahren. Es ist hart zu verkraften, aber Zweiter ist immer noch gut."

Deutsche Herren mit Licht und Schatten
Für die deutschen Herren verliefen die Rennen in Beaver Creek mit Licht und Schatten. Nachdem die vier DSV-Starter in der Abfahrt ohne Punkte blieben, erreichten Peter Strodl und Stephan Keppler im Super-G die Top 30. Der abschließende Riesenslalom fand ohne deutsche Beteiligung statt.

Raubvögel fordern ihren Tribut
The Flyway, Russi's Ride, Golden Eagle Jump und The Abyss - so klangvolle Namen hat die 'Birds of Prey'-Piste. Dabei fordern diese Stellen den Athleten alles ab und fordern auch ihren Tribut, wenn man es übertreibt. So wählte Bode Miller in der Abfahrt eine zu direkte Linie und flog spektakulär ab. Dabei zog er sich glücklicherweise nur Prellungen zu, sodass er in den anderen beiden Rennen noch starten konnte. Anders erging es Cornel Züger. Der Schweizer wurde ausgehoben und knallte mit dem Gesicht auf die eisige Piste. Danach rutschte der Schweizer bewusstlos die Piste herunter. Nach der ersten Diagnose im Krankenhaus von Vail erlitt Züger neben Gesichtsverletzungen und einer Gehirnerschütterung auch einen Kreuzbandriss, sodass für ihn die Saison vorzeitig beendet ist.