In manchen Wintern dümpelt eine Disziplin vor sich hin, in diesem Winter tat der Herren-Slalom das Gegenteil. Spektakuläre Läufe und eine Vielzahl von Top-Athleten machten aus dem Slalom eine Attraktion im Winter 2007/2008.

Raich fällt zurück
Elf Rennen mit sechs unterschiedlichen Siegern gab es in dieser Saison, wobei nicht einmal die ersten beiden Gewinner, Marc Gini und Benjamin Raich, sich auf Dauer bei den Besten festsetzen konnten. Vielleicht ist der Rückfall von Raich, immerhin Slalom-Weltcupsieger des Vorjahres, aus den Top Sieben der beste Beleg für die Dynamik dieser Disziplin im vergangenen Winter. Auch andere vor der Saison hoch gehandelte Kandidaten wie Jens Byygmark oder die Schweizer Daniel Albrecht und Marc Berthod hatten in der Spitze nichts verloren.


Kugel für Mölgg
Dabei waren es nicht nur 'Junge Wilde', die das Slalom-Establishment aufmischten. Mit Manfred Mölgg, Mario Matt, Ivica Kostelic oder Julien Lizeroux konnten auch viele routinierte Fahrer ein gewichtiges Wort mitsprechen - für Mölgg reichte es sogar zum Sieg in der Slalom-Wertung. Sein größtes Plus war dabei die Konstanz, denn die meisten Siege fuhr der Südtiroler nicht ein. Aber beim Finale in Bormio jubelte er vor heimischem Publikum über die kleine Kugel.

Grange verpasst den Triumph
Eigentlich sah Jean Baptiste Grange lange wie der beste Slalom-Fahrer aus. Gerade im Januar bei den Klassikern fuhr er in bestechender Manier, gewann in Alta Badia, Wengen und Kitzbühel und zeigte dabei eine enorme Schnelligkeit zwischen den kurzen Schwüngen. Doch Grange wurde vom Jäger zum Gejagten: Mit dem roten Trikot verlor der junge Franzose die Leichtigkeit, patzte in Zagreb und Bormio und verspielte so den Gesamtsieg im Slalom. Drei Siege in Adelboden, Schladming und Zagreb gehen auch auf das Konto von Mario Matt, der sich aber auch Aussetzer leistete und damit sogar nur Vierter wurde. Besser war Landsmann Reinfried Herbst, der zum Ende der Saison auftrumpfte, in Garmisch-Partenkirchen und Bormio gewann und so ein Kandidat für die kleine Kugel im nächsten Jahr sein wird.

Routininiers an der Spitze - Neureuther stark
Auf dem Zenit ihres Leistungsvermögens behaupteten sich auch Julien Lizeroux und Ivica Kostelic. Beide fuhren rund 400 Zähler im Slalom ein und kämpften in viele Rennen auch um den Sieg. Kostelic verpasste diesen beim Heimspiel in Zagreb knapp, wird aber diese Saison sicher als Highlight verbuchen. Und auch aus deutscher Sicht war der Slalom ein Gewinn, denn mit Felix Neureuther spielte auch ein DSV-Fahrer konstant vorne mit. Allerdings verpasste Neureuther seinen ersten Weltcup-Sieg auch in diesem Winter wieder. In Alta Badia und Adelboden kam er auf das Podest, wurde aber dann von einer Erkältung zurückgeworfen. Dennoch kam Neureuther immer durch und sammelte fleißig Punkte. In Bormio wäre dann der Sieg möglich gewesen - doch ein Patzer in Durchgang zwei warf den Partenkirchener zurück. Für Neureuther bleibt eine gute Saison, aber er hat weiterhin Spielraum nach oben.

Gesamtweltcup: Raich punktet zu wenig
Auch für die Entscheidung um die große Kugel hat die Stärke der Slalom-Spezialisten Auswirkungen. Da sich Benjamin Raich vergleichsweise weniger Punkte sichern konnte, hatte er in diesem Jahr keine Chance, den Konkurrenten Bode Miller zu schlagen. Auch für die kommende Saison lässt diese Konstellation die Chancen des Pitztalers sinken, denn auch Aksel Lund Svindal ist auf Slalom-Punkte am wenigsten angewiesen. Doch für die Fans des Sports werden die Slalom-Rennen sicher auch im nächsten Jahr ein Highlight werden.