Die Herren stehen vor einer Woche der Entscheidungen. Nur in der Abfahrt und in der Super-Kombination sind die kleinen Kristallkugeln schon vergeben. Slalom, Riesenslalom, Super-G und der Gesamtweltcup sind dagegen noch heiß umkämpft. Ski2b beleuchtet die Chancen der Kandidaten.

Dreikampf um den Gesamtweltcup
Vier Rennen für die Herren in Lenzerheide stehen noch aus, und diese vier Rennen werden auch die Entscheidung über den Gesamtweltcup bringen. Lange Zeit führte Aksel Lund Svindal diese Wertung klar an. In allen Disziplinen sammelte der Norweger beständig Punkte und konnte auch einige Siege holen. Doch zum Schluss scheint dem Norweger etwas die Luft auszugehen. Zuletzt ging Svindal zweimal leer aus, besonders der Ausfall im heimischen Super-G schmerzt. Denn nun liegt Svindal an Rang drei und müsste 103 Zähler aufholen auf einen formstarken Benjamin Raich. Ein schwieriges Unterfangen - doch unmöglich ist es nicht.

Cuche auf dem Ski-Thron?
Im Schatten den Duells zwischen Raich und Svindal hat sich der Schweizer Didier Cuche an die zweite Stelle der Gesamtwertung geschoben. Und das mit Top-Resultaten in den Speed-Disziplinen. Den Abfahrtsweltcup hat sich Cuche bereits gesichert und geht damit ohne Druck als Jäger von Raich in die letzten Rennen. Die Chancen von Cuche sind dabei nicht schlecht. In Abfahrt und Super-G kann er den Konkurrenten bei seinem Heimspiel viele Punkte abnehmen und damit vorlegen. Gelingt ihm das, ist mit einem guten Riesenslalom-Ergebnis alles möglich. Und Cuche ist in dieser Disziplin immerhin Bronzemedaillengewinner von Are.

Der Druck liegt bei Raich
Der Titelverteidiger geht zweifelsohne mit den besten Karten in die letzten vier Rennen. Rund 100 Zähler Vorsprung sind ein komfortables Polster, auf dem sich Raich aber nicht wird ausruhen können. Denn bei den Weltcup-Finals gilt wegen der begrenzten Teilnehmerzahl eine besondere Punktezählung. Nur die ersten 15 bekommen Zähler auf ihr Konto - die anderen gehen komplett leer aus. Das wird Raich Punkte kosten, denn ob er in Abfahrt und Super-G unter die Top 15 fahren kann, ist nicht sicher. Im Riesenslalom und Slalom stehen Raichs Chancen gut, denn dort zeigte er sich zuletzt in Topform. Jedoch muss auch er bei der sehr ausgeglichenen Konkurrenz erst alle Läufe ins Ziel bringen und darf sich dabei auch nicht von den Wettkämpfen um die Disziplinen-Cups ablenken lassen. Ein Fehler von Raich - und die Konkurrenten werden ihn überflügeln. Für Spannung ist also gesogt, und das wahrscheinlich bis zum letzten Wettbewerb.

Der Punktestand vor den Weltcupfinals:
1. Raich, Benjamin (AUT): 1055
2. Cuche, Didier (SUI): 963
3. Svindal, Aksel Lund (NOR): 952

Super-G: Millers letzte Chance
Es war keine gute Saison für Bode Miller. 14 Weltcupsiege hatte der Amerikaner angekündigt, zwei glückten ihm immerhin im Super-G. Doch seit der WM hakt es bei der Form, sodass inzwischen nur noch der Super-G Titel für Miller möglich ist. Dieser ist aber auch realistisch, denn mit 254 Punkten hat der US-Star 76 Zähler Vorsprung. Damit reicht ihm bereits ein zehnter Platz für die kleine Kristallkugel. Schlechte Karten also für John Kucera (CAN, 178), Mario Scheiber (AUT, 170), Didier Cuche (SUI, 168) und Hermann Maier (AUT, 155), die alle noch rechnerische Chancen haben. Nur ein Ausfall Millers würde ihnen wohl den Weg an die Spitze ebnen. Dann wäre tatsächlich alles offen für die vier Verfolger.

Trio ringt um Riesenslalom-Krone
Im Riesenslalom könnte im Gesamtweltcup eine Vorentscheidung fallen - die Disziplinenwertung ist aber auch noch heiß umkämpft. Hier hat Benjamin Raich (319) sich durch seinen letzten Sieg in Kranjska Gora auf den den ersten Platz vorgefahren, allerdings liegt Weltmeister Svindal mit 316 Zählern nur schlappe drei Punkte hinten. Die Entscheidung fällt also erst auf der Piste, und auch Massimiliano Blardone hat gute Chancen, den beiden den Gesamtsieg noch zu entreißen. Denn der Italiener hat nur 19 Zähler Rückstand und kann sich nur auf diesen Wettbewerb konzentrieren, ohne zuvor in den Speed-Rennen schon Kraft zu lassen. Rein rechnerisch kann auch Kalle Palander (259) noch den Sprung nach ganz vorne schaffen, allerdings fuhr der Finne dem Feld doch zuletzt etwas hinterher und er müsste von großen Fehlern der drei Fahrer vor ihm profitieren. Unwahrscheinlich also, dass Palander sich dieser Wertung holt.


Matt in der Pole Position
Der Slalom zeigte sich in diesem Winter von zwei Seiten. Zunächst gewann Raich in Levi (FIN), dann waren die Schweden Markus Larsson und Jens Byggmark vorne, bis schließlich Mario Matt zur Höchstform auflief und die Konkurrenz zuletzt deklassierte. Kaum vorstellbar, dass Matt sich die Führung (520) im letzten Rennen in dieser Form noch nehmen lässt, wenn nicht Benjamin Raich (505) im Soge des Weltcup-Kampfes noch zu Höchstform aufläuft. Klar ist: Gewinnt einer von diesen beiden das Rennen, dann hat er auch die kleine Kristallkugel sicher. Eingreifen kann da nur noch Jens Byggmark (445). Doch der schwedische Youngster hat nach seinem Höhenflug in Kitzbühel etwas an Lockerheit verloren und müsste auf Matt 75 Zähler aufholen. Andersherum: Matt dürfte nich besser abschneiden als Platz elf, Raich nicht besser als sieben, wenn der Schwede gewinnt. Schwer vorstellbar!

Das Programm der Herren in Lenzerheide
14. März: Abfahrt, 9:30 Uhr
15. März: Super-G, 9:30 Uhr
16. März: Nations Team Event
17. März: Riesenslalom, 10 Uhr und 12:30 Uhr
18. März: Slalom, 9 Uhr und 11:30 Uhr

Über alle Rennen berichten wir wie gewohnt im Live-Ticker.