Martina Ertl-Renz, amtierende Team-Weltmeisterin von Bormio und dreifache Medaillengewinnerin bei Olympischen Spielen, tritt vom alpinen Rennsport zurück. Das bestätigte die 32-jährige Lenggrieserin im Rahmen des Weltcup-Finales in Are/Schweden. "Nach fünfzehn erfolgreichen Jahren im Weltcupzirkus ist die Zeit reif, dieses Kapitel in meinem Leben abzuschließen und die Bretter an den berühmten Nagel zu hängen."

Über viele Jahre hinweg in der Weltspitze
Mit Martina Ertl-Renz tritt eine der erfolgreichsten deutschen Rennfahrerinnen von der internationalen Skibühne ab. Die Erfolgsbilanz der Lenggrieserin ist beeindruckend und lang. Drei olympische Medaillen, vier Mal Edelmetall bei Weltmeisterschaften, vierzehn Weltcup-Siege in drei verschiedenen Disziplinen und mehr als 50 Podestplatzierungen zeigen die Extraklasse der Lenggrieserin. Trotz vieler Verletzungen und einschneidender Entwicklungen in den Bereichen Material und Technik zählte die Vielfahrerin über all die Jahre hinweg zur Weltspitze. Dabei absolvierte die Polizeihauptmeisterin bei der Bundespolizei ein enormes Pensum. Insgesamt bestritt sie 429 Weltcup-Rennen und stellte damit einen neuen Rekord im Damen-Rennsport auf. "Besonders in Erinnerung bleiben mir all meine Weltcupsiege und natürlich die Medaillen, die ich in den Jahren sammeln konnte. Zu den absoluten Highlights gehören die Goldmedaille in der Kombination bei der Weltmeisterschaft in St. Anton 2001 und auch das Team-Gold von den Weltmeisterschaften im letzten Jahr in Bormio."

Erstes Weltcup-Rennen mit 17
Am 12. September 1973 als Tochter eines Landwirts im oberbayerischen Lenggries geboren, stand sie bereits mit zweieinhalb Jahren auf Ski. Mit sechs wurde sie Mitglied im SC Lenggries und startete bei ihrem ersten Rennen. Kaum 15 Jahre alt wurde Martina in den DSV-Kader aufgenommen, um zwei Jahre später ihr erstes Weltcup-Rennen zu bestreiten.

Fünfmal bei Olympia
Im Jahr 1991 wurde Martina Ertl-Renz zum ersten Mal deutsche Meisterin. Dieser nationale Erfolg sollte sich in der Folgezeit noch vierzehn weitere Male wiederholen. 1993 feierte sie ihren ersten großen internationalen Erfolg. Sie startete bei der Weltmeisterschaft im japanischen Morioka und holte sich mit dem dritten Platz die Bronzemedaille im Riesenslalom. Im Jahr darauf nahm sie an den Olympischen Winterspielen 1994 im norwegischen Lillehammer teil und gewann Silber. Es folgten weitere olympische Medaillen: Silber in der Kombination 1998 in Nagano und Bronze 2002 in Salt Lake City. Insgesamt nahm Martina Ertl-Renz an fünf Olympischen Spielen teil.

Weltmeisterin in der Kombination und im Team
Der Riesenslalom war Martinas erklärte Lieblingsdisziplin. Zehn ihrer vierzehn Weltcup-Siege errang sie im Riesenslalom und in den Wintern 1995/96 und 1997/98 konnte sie auch die kleine Kristallkugel für die Disziplinwertung gewinnen. Zweimal holte sie Riesenslalom-Bronze bei Weltmeisterschaften, dreimal fuhr sie bei Großereignissen mit Rang vier nur knapp am Podest vorbei. Ganz oben auf dem Siegertreppchen jubelte Martina Ertl-Renz bei den Weltmeisterschaften in St. Anton 2001 als sie Gold in der Kombination gewann und 2005 in Bormio, wo sie mit dem Team Gold feiern konnte.

Zukunft als TV-Expertin?
Nach Beendigung ihrer aktiven Karriere will Martina Ertl-Renz zusammen mit ihrem Ehemann Sven Renz dessen Sportgeschäft in München führen. Allerdings könne sie sich nebenbei auch noch einen Job als TV-Expertin im Ski-Zirkus vorstellen. Eines weiß die 32-Jährige aber gewiss: "Ich habe die Zeit als Skirennfahrerin sehr genossen und höre deshalb mit einem Lächeln auf."

Stimmen zum Rücktritt
Cheftrainer Wolfgang Maier: "Mit Martina Ertl-Renz beendet eine der erfolgreichsten deutschen Allrounderinnen ihre Karriere. Martina war eine der vielseitigsten Skifahrerinnen. Mit ihrem unbändigen Willen gelang es ihr selbst nach Durststrecken, das Unmögliche möglich zu machen, und gerade bei Großereignissen phänomenale Erfolge zu feiern."

Walter Vogel, Technischer Leiter Alpin: "Martina war eine Sportlerin, die mit ihrer professionellen Einstellung und Leistungsbereitschaft Maßstäbe setzte. Es ist beeindruckend, wie Martina Ertl-Renz Verletzungen wegsteckte und sich immer wieder an die Weltspitze herankämpfte. Wir würden uns freuen, wenn Martina ihre Erfahrungen und ihr Know-how im Verband weitergeben könnte. Die Tür steht ihr jederzeit offen."