Der Streit des amerikanischen Skistars Bode Miller mit den Verantwortlichen aus FIS und der Weltdopingagentur WADA geht in die nächste Runde. Am Rande des Weltcup-Events in Lake Louise erneuerte Miller seine früheren Aussagen und forderte unter anderem die Freigabe leistungssteigernder Mittel wie EPO. Zudem kritisierte er die Doping Testpraxis der WADA und ließ auch an den Verantwortlichen des Internationalen Skiverbands FIS kein gutes Haar.

Bremsen für eine gute Startposition
Eine weitere Konfrontation mit den Verantwortlichen scheint damit vorprogrammiert. Der FIS warf Miller vor, an unsinnigen Regeln festzuhalten und auf gute Ideen nicht zu reagieren. Damit spielte er auch auf das umstrittene Reglement zur Vergabe der Startnummern bei den Abfahrtsrennen an. Auch bei den Trainingsläufen in Lake Louise hatten viele Stars zum Ende abgebremst, um so eine vermeintlich bessere Startnummer zu erhalten.

EPO für die Sicherheit der Sportler freigeben
Weiterhin kritisiert der Gesamtweltcupsieger des Vorjahres die Dopingliste der WADA. Einige Mittel, wie Kreatin, seien trotz der bekanntermaßen leistungssteigernden Wirkung aus monetären Beweggründen nicht auf der Verbotsliste zu finden. Dagegen solle EPO, das vom menschlichen Körper auf natürlichem Wege produziert werde, freigegeben werde. Auch die Sperrung vieler Asthmamittel kann Miller nicht verstehen, weil dadurch keine gesundheitlichen Schäden für die Aktiven drohen. Im Zentrum der Dopingpolitik sollte nach Ansicht des Amerikaners die Gesundheit der Sportler stehen - und eine höhere Leistungsfähigkeit könnte seiner Meinung nach das Sturzrisiko verringern.

Demoralisierende Tests
Weitere Kritik übte Miller auch an der Vorgehensweise der Dopingtester. "Seitdem ich darüber gesprochen habe, bin ich dreimal 'zufällig' getestet worden. Keiner meiner Kollegen wurde mehr als einmal getestet", stellte der Skifahrer fest. Diese Methoden gingen am 'Herz des Sports' vorbei: "Es ist unglaublich beleidigend, immer wieder auf Drogen und Doping getestet zu werden. Die Tester können zu jeder Zeit und überall auf dich zukommen. Du musst ihnen auch immer sagen, wo du dich aufhältst. Stolz ist wichtig für mich - und wenn irgendwelche Leute auf dich zukommen können und dir sagen, dass du deine Hose runterlassen musst - wann und so oft wie sie wollen - das ist erniedrigend." Miller würde nach eigenen Angaben sofort von Rennsport zurücktreten, wenn ihm ein Dopingvorgehen nachgewiesen würde. Dabei seien Manipulationen mit Salben durchaus machbar. Am Beispiel Hans Knauß sehe man, das Athleten, die nie die Absicht hatten zu betrügen, vom System gesperrt würden. Der Österreicher Knauß hatte nach positiven Dopingproben vor Saisonbeginn seine aktive Laufbahn beendet.

Scharfe Wortwahl von Miller
Mit seiner nicht eben diplomatischen Ausdrucksweise dürfte sich der Doppelweltmeister von Bormio 2005 dabei keine neuen Freunde gemacht haben. Als 'einzige Heuchelei' bezeichnete der US-Racer die Dopingpolitik der WADA. Den Verantwortlichen der Antidopingbehörde unterstellte er sogar, selbst 'auf Drogen zu sein'. Zum ersten Mal hatte Miller beim Weltcup-Auftakt in Sölden die Freigabe von Dopingmitteln angeregt. Bereits damals war er unter anderem vom Chef der WADA, Richard Pound, heftig kritisiert worden.

FIS-Präsident Kasper wütend
Die Antwort des Internationalen Skiverbandes ließ nicht lange auf sich warten. FIS-Präsident Kasper zeigte sich von den Aussagen Millers sehr verärgert und forderte den US-Skiverband zum Handeln auf. Kasper ist sich sicher, dass WADA-Chef Pound die nötigen Schritte einleiten wird, um Miller zu maßregeln.