Lasse Kjus (NOR) hat bei den Weltcupfinals in Lenzerheide (SUI) allen Favoriten die Show gestohlen und die Abfahrt der Herren gewonnen. Er siegte in der Zeit von 01:24.09 Minuten vor Bode Miller (USA, 01:24.23 Min.) und Fritz Strobl (AUT, 01:24.27 Min.). Der Österreicher Michael Walchhofer wurde Vierter und sicherte sich so den Gewinn des Abfahrts-Weltcup. Max Rauffer hatte sich als einziger DSV-Athlet für das Weltcup-Finale in der Abfahrt qualifiziert, konnte sich aber nicht im Vorderfeld platzieren.

Mammutprogramm für die Herren
Einen wahren Kraftakt hatten die Herren am Donnerstag zu überstehen. Nach den Trainingsabsagen der Vortage mussten sie noch vor dem Rennen eine Übungseinheit absolvieren und nur 90 Minuten später das Rennen fahren. Das ging bei allen Läufern an die Substanz und einige mussten dem auch Tribut zollen. Im Training hatte Christoph Gruber (AUT) die schnellste Zeit vorgelegt.

Kjus nutzt gute Bedingungen
Altmeister Lasse Kjus zeigte dann im Rennen seine ganze Klasse. Nur aufgrund der 400 Punkte-Regel durfte der Norweger in der Abfahrt an den Start gehen und nutzte die guten Bedingungen der frühen Startnummer. Als Zweiter ging er an den Start, ließ seine Super-G-Qualitäten spielen und fuhr gewohnt geschmeidig die Piste herunter. Mit viel Gefühl und seiner ganzen Routine nahm er alle Tücken des Hanges souverän und war nicht zu schlagen. Anschließend bissen sich alle Favoriten an der Zeit des Norwegers die Zähne aus.

Miller mit kluger Fahrt
Direkt hinter Kjus reihte sich im Endklassement schon der Führende im Gesamt-Weltcup, Bode Miller, ein. Er startete als Vorletzter und absolvierte seinen Lauf ebenfalls sehr gut. Diesmal ging er nicht das volle Risiko, hatte aber dennoch viel Zug auf dem Ski und knackte fast die Bestzeit von Kjus. Mit dem zweiten Platz konnte der US-Amerikaner aber gut leben und war im Ziel zufrieden. Knapp hinter Miller schaffte Olympiasieger Fritz Strobl den Sprung auf das Podest. Auch ihm lag der Super-G-ähnliche Kurs auf der Silvano Beltrametti-Piste.

Walchhofer krönt Saison
Nachdem Miller auf den zweiten Rang fuhr war klar, dass Walchhofer, der letzte Starter im Feld, die kleine Kristallkugel in der Abfahrt bereits vor seinem Start gewonnen hatte. Dennoch zeigte der Österreicher nach seinem Sturz in Kvitfjell (NOR) eine ordentliche Fahrt und wurde Vierter. Somit konnte er mit 681 Punkten über den Gewinn seiner ersten Kristallkugel jubeln und tritt die Nachfolge von Stephan Eberharter an, der im Vorjahr erfolgreich war. Zweiter in dieser Wertung ist Bode Miller vor Hermann Maier.

Miller baut Vorsprung aus
Dennoch konnte sich Miller als einer der großen Sieger des Rennens fühlen. Mit seiner guten Leistung am Donnerstag sammelte er 80 Zähler und vergrößerte so in der Weltcup-Gesamtwertung seinen Vorsprung auf Benjamin Raich. Raich seinerseits war nach dem Rennen nicht ganz zufrieden und musste sich mit dem elften Rang begnügen. Damit beträgt der Abstand zwischen den beiden Skistars nun 108 Punkte. Eine Vorentscheidung dürfte damit im Super-G am Freitag fallen, bei dem Miller nochmals Punkte gutmachen muss vor den Technik-Wettbewerben am Wochenende.

Rauffer einziger DSV-Athlet
Aus deutscher Sicht hatte sich Max Rauffer als einziger DSV-Athlet für das Weltcup-Finale in der Abfahrt qualifiziert. Doch am Donnerstag kam er auf der schweren Strecke überhaupt nicht zurecht. Er riskierte zu wenig und kam mit deutlichem Rückstand ins Ziel. Dennoch ist es für ihn eine insgesamt erfolgreiche Saison mit seinem ersten Weltcup-Sieg in Gröden (ITA).

Stimmen:

Max Rauffer: "Ich bin in den letzten zwei bis drei Wochen eingebrochen und daher froh, dass ich es hier überstanden habe. Bei der WM habe ich mich noch herübergerettet, da ich eine Grippe hatte. Leider bin ich ja bislang noch nicht so viele Saisons ohne Verletzung durchgefahren und bin daher froh, das es diesmal geklappt hat. Die Abfahrt hier ist sehr schwer, es ist auch keine klassische Abfahrt."

Benni Raich: "Ich bin gesund und im Ziel und habe noch eine Chance im Gesamt-Weltcup. Der Lauf war schön gesteckt für den Hang, aber sehr steil."

Michael Walchhofer: "Das ist ein Riesenerfolg für mich. Die letzte Woche war die schwerste Woche für mich nach dem Sturz in Kvitfjell. Der vierte Platz ist sensationell. Das ist einfach ein traumhafter Abschluss einer traumhaften Saison."