Die 'Speed-Queen' wurde ihrem Namen erneut gerecht. Renate Götschl sicherte sich am Donnerstag zum vierten Mal in ihrer Karriere den Abfahrts-Weltcup. Beim Saisonfinale in Lenzerheide (SUI) siegte der ÖSV-Star in 01:26,89 Minuten vor der Französin Ingrid Jacquemod (01:27,46 Min.) und der besten DSV-Abfahrerin Hilde Gerg (01:27,56 Min.).

Kristallkugel geht an Götschl
Damit entschied die Österreicherin ein spannendes Finale letztlich klar für sich. Die neu geschaffene Piste Silvano Beltrametti in Lenzerheide forderte Höchstleistungen von allen Athletinnen. Götschls Lauf war zwar nicht perfekt, aber doch arm an Fehlern. Sie hielt die Linie vor allem in den schnellen Kurven besser als die Konkurrenz und brachte so einen deutlichen Vorsprung ins Ziel. Der Abfahrtsweltcup ist damit entschieden: Götschl gewinnt mit 567 Punkten vor Hilde Gerg (495) und Michaela Dorfmeister (432).

Gerg wieder auf dem Podest
Hilde Gerg ging als 19. Fahrerin ins Rennen und hatte wie alle Athletinnen keinen fehlerfreien Lauf. Dennoch brachte sie ihr Gespür für Geschwindigkeit auf einen gute Linie, von der sie nur zwei kleinere Ausreißer nahm. Im Ziel setzte sie sich an die Spitze und hielt so ihre Chance auf den Sieg im Abfahrts-Weltcup am Leben. Nach der Fahrt von Renate Götschl war diese Entscheidung aber zugunsten der Österreicherin gefallen. Gerg kann mit dem dritten Platz durchaus zufrieden sein und blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück, wenn ihr auch der ganz große Triumph verwehrt blieb.

Jacquemod schneller als Gerg
Ein überzeugender Lauf gelang der Französin Ingrid Jacquemod. Sie vermied größere Abweichungen von der Ideallinie und nahm die Geschwindigkeit aus den Steilstücken in den Schlussabschnitt mit. Ihr Lohn war der zweite Platz bei der letzten Abfahrt der Saison. Damit hat Jacquemod ihren Status als derzeit beste Abfahrerin aus Frankreich erneut untermauert. Ihre Landsfrau Carole Montillet-Carles kam nur auf Rang 14.

Gutes DSV-Resultat auch dank Ertl und Haltmayr
Alle drei Fahrerinnen des DSV kamen beim Finale der Besten auf der höchst schwierigen Strecke sehr gut zurecht und landeten unter den Top Ten. Martina Ertl hatte mit der niedrigen Startnummer drei lange Zeit die Führung inne, nachdem ihr ein mutiger Lauf mit nur wenigen Fehlern im oberen Abschnitt geglückt war. Der zehnte Rang in Lenzerheide ist ihr bestes Saisonergebnis in dieser Disziplin und lässt bereits auf den Super-G hoffen. Petra Haltmayr setzte sich einen Platz vor Ertl und unterstrich damit ihre Zugehörigkeit zu Weltcup-Elite.

Punktsieg für Kostelic - Pärson weiter vorne
Im Kampf um den Gesamtweltcup hat die Kroatin Janica Kostelic ihrer Konkurrentin Anja Pärson aus Schweden bei der Abfahrt einige Punkte abnehmen können. Der vierte Platz im Vergleich zu Pärsons achtem Rang ließ das Polster der Schwedin auf 45 Punkte zusammenschmelzen. Vor den letzten drei Rennen ist der Kampf um die große Kristallkugel damit noch völlig offen und verspricht Spannung bis zum letzten Wettbewerb.

Kein Erfolg für Schweizerinnen beim Debut
Die Einweihung der neuen Weltcup-Strecke verlief für die Gastgeber nur wenig erfreulich. Sylviane Berthod verletzte sich beim Training am Mittwoch und startete nicht. Für Nadia Styger und Fränzi Aufdenblatten reichte es nur zu den Plätzen 16 und 17. Da beim Weltcupfinale nur die besten 15 mit Punkten belohnt werden, gingen die Schweizerinnen damit leer aus.

Hoher Schwierigkeitsgrad macht Damen zu schaffen
Viele hatte sich auf die schwierige Abfahrt in Lenzerheide gefreut. Für einige Fahrerinnen wurde die Fahrt auch zur Mutprobe. Nicht nur die mit bis zu 66 Prozent Gefälle extremen Steilstücke machten den weltbesten Abfahrerinnen zu schaffen. Besonders der sehr kurvige Kurs bei sehr hohem Tempo brachte einige Teilnehmerinnen an den Rand ihrer Möglichkeiten. Selbst Siegerin Renate Götschl absolvierte die Piste nicht fehlerfrei. Letztlich schieden sechs der 27 gestarteten Speedfahrerinnen aus - darunter prominente Namen wie Lindsey Kildow, Alexandra Meissnitzer, Elisabeth Görgl und Isolde Kostner.

Stimmen:
Martina Ertl: Die Strecke hier hat viele Kurven und kaum Gleitstücke. Sie liegt mir besser als flache Strecken, daher bin ich auch heute mitgefahren. Ich bin ziemlich zufrieden mit meiner Leistung, hatte zwar oben einige Fehler, aber unten ist mir eine gute Fahrt gelungen. Ohne die Fehler oben wäre mehr drin gewesen. Auf dieser Strecke darf man den Schwung nicht zu früh, aber auch nicht zu spät ansetzen, dann steht man da. Es ist schwer, dass richtige Timing hier zu finden, aber es macht Spaß auf der Strecke zu fahren.

Petra Haltmayr: Meine Bilanz für die Saison fällt positiv aus. Ich bin gut angefangen in Übersee, war dann krank und habe jetzt zum Abschluss noch einmal ein Top Ten-Resultat erzielt.Insgesamt bin ich noch zu unkonstant und mache zu viele Fehler. Wenn ich das abstelle, geht es auch weiter nach vorne. Es ist hier eine schöne, schwere Abfahrt mit vielen Kurven. Ich würde gerne öfter hier fahren.

Hilde Gerg: Das Ergebnis ärgert mich schon. Ich habe einfach zu viel riskiert im Steilhang, aber wenn man was gewinnen will, muss man riskieren. Insgesamt bin ich aber besser als im Training gefahren. Die Richtung stimmt für das nächste Jahr. Von den Punkten bin ich noch näher am Gewinn des Abfahrts-Weltcup als letztes Jahr. Vielleicht klappt es ja dann in meinem letzten Jahr.