Im alpinen Skizirkus gibt es Persönlichkeiten, die sind einfach nicht wegzudenken. Sie gehören einfach in die Szenerie jedes guten Weltcup-Rennens, und sollten sie doch einmal fehlen, ist die Stimmung einfach nicht die gleiche. Paul Accola ist so jemand: seit 1988 (!) im Weltcup dabei, fünf Olympia-Teilnahmen, 14 Podestplatzierungen 1992 - und nicht zuletzt: unzählige Sprüche, Anekdoten, Zitate.

Rücktritt am 38. Geburtstag
"Ich werde einfach einmal nicht mehr da sein" - für einen wie ihn klang das fast zu einfach, zu leicht. Still und leise kündigte das Schweizer Ski-Urgestein Paul Accola jetzt seinen Rücktritt vom Weltcup an. Nach fast zwanzig Jahren, in denen der Profi stets zu den besten Technikern unter den Abfahrern zählte, zog er an seinem 38. Geburtstag jetzt den Schlußstrich. "Es gurkt mich an. So hat es keinen Sinn mehr", stellte Accola nach einem glücklosen Weltcup-Wochenende in Garmisch-Partenkirchen klar. Immerhin, da war ja dann doch etwas zu hören von der gewohnten Lässigkeit.

Der Techniker in der Abfahrt
Der 31. Rang im Super-G war damit wohl Accola's letzte Platzierung - denn bereits beim Rennwochenende in Kvitfjell Anfang März will der dienstälteste Fahrer des Weltcups nicht mehr antreten. Teamchef Martin Rufener gab dafür bereits sein o.k., wenn auch wahrscheinlich mit einem weinenden Auge. Schließlich gehörte sein routinierter Schützling trotz zuletzt schwächeren Ergebnissen nach wie vor zur absoluten Weltklasse wenn es um trickreiche technische Passagen in den Speed-Disziplinen ging.

Geradeaus fahren kann jeder
Noch in Val d'Isere konnte der alte Fuchs in Teilabschnitten glänzen, im Kitzbühel-Training war er im schweren Steilhang der Viertschnellste. Solche Ergebnisse gegen eine Konkurrenz zu erzielen, die nicht selten zehn Weltcup-Jahre weniger in den Knochen hat, zeugt von herausragenden Fähigkeiten und einer vorbildlichen Arbeitseinstellung.
"Ich habe einmal gesagt: Geradeaus fahren kann jeder. Nur leider bin ausgerechnet ich der, der es nicht kann" - ein echtes Accola-Zitat und nicht ganz falsch: in den Speed-Disziplinen hatte der ehemalige Slalom- und Riesenslalom-Spezialist nicht immer rosige Zeiten.

Historische Saison 1992
Trotzdem legte der Schweizer im Jahr 1992 eine Saison hin, die bis heute ihresgleichen sucht: Sieg in sieben Weltcup-Rennen, Podiumsplatzierungen in 14 Rennen und schließlich überlegener Gewinn des Gesamtweltcups. Dazu holte er vier Medaillen in der Kombination bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, aber das, so Accola, "interessiert ja keinen Schwanz".

Danke an Paul Accola
Den genauen Zeitpunkt des Rücktritts behält Paul bisher noch für sich. Weltcup-Finale als Ehrengast? Schweizer Meisterschaften? Oder doch ganz anders? Für eine Überraschung ist der Mann aus Davos jedenfalls schon immer gut gewesen. "Mit dem Bücherschreiben könnt ihr schon anfangen" - das tun wir und danken Paul Accola für eine lange Karriere mit vielen Erfolgen und mindestens ebenso vielen flapsigen Schweizer Pointen.

Mehr über Paul Accola's Karriere finden sie in unserem Star-Portrait.