Deutsch

Kaufberatung Skischuhe: Darauf muss man beim Skischuhkauf achten

7. September 2019 | Frieda Knorke

undefined
Copyright: Liam Doran

Schön sehen sie alle aus, die neuen Skischuhe in den Regalen der Sportfachgeschäfte. Aber worauf kommt es wirklich an, wenn man sich neue Skischuhe zulegen will? Wir verraten Tipps und Tricks zum Skischuhkauf und klären auf, worauf ihr wirklich achten müsst, wenn ihr euch neue Boots zulegen wollt.

 

 

Auf der Suche nach dem perfekten Halt


Das Wichtigste bei Skischuhen ist der perfekte Halt. Durch die Stiefel wird die Kraft der Beine auf den Ski übertragen – je besser die Schuhe also sitzen, desto besser ist die Steuerung. Durch einen unstabilen Stand oder einen zu weichen Schuh verschlechtern sich nicht nur die Fahreigenschaften, sondern es wächst auch die Gefahr von Stürzen und Verletzungen.

 

„Wenn die Schuhe nicht passen, schnalle ich sie eben enger", hört man häufig. Doch das ist ein fataler Irrglaube. Durch das extrem enge Schließen der Schnallen wird der Fuß gequetscht – kalte und schmerzende Füße sind die Folge. Dennoch ist diese Binsenweisheit verbreitet, Experten gehen davon aus, dass etwa 90% der Skifahrer zu große Schuhe tragen. „Wenn es irgendwie die Möglichkeit gibt, die Schuhe zu testen, sollte diese Chance unbedingt wahrgenommen werden“, bringt es Schorsch Reindl, Sales Manager Germany von Dynafit auf den Punkt. „Das Einzige, was beim Skischuh zählt, ist die perfekte Passform.“ Aber wie findet man den optimalen Schuh?


Worauf achten beim Skischuhkauf?


Grundsätzlich sollte man im Hinterkopf behalten, dass die menschlichen Füße über den Tag hinweg um bis zu eine halbe Nummer größer werden, da sich die Blutgefäße mit der Zeit weiten. Um ein gutes Mittelmaß zu finden, sollten Schuhe möglichst morgens oder mittags anprobiert werden, denn nicht nur die Füße weiten sich, sondern nach zwei bis drei Skitagen auch die Schuhe – teilweise ebenfalls um eine halbe Nummer.

 

Am besten wird der Schuh dann mit jenen Socken anprobiert, die im Skialltag auch genutzt werden. Hier empfehlen sich unbedingt Funktionssocken. Sie sind an den neuralgischen Stellen gepolstert und nehmen zudem optimal den Schweiß auf. Allerdings sollte auch nicht mit den dicksten Expeditionssocken getestet werden – tendenziell empfehlen sich eher dünne Socken, da sich die Schuhe ja noch etwas weiten.

 

Steckt man einmal in den Schuhen, sollten die Schnallen nach und nach von unten nach oben geschlossen werden. Hier ist es wichtig, dass keine Druckstellen entstehen, der Fuß aber dennoch maximalen Halt hat. Speziell die Ferse und der Mittelfuß müssen absolut fest sitzen. Rutscht die Ferse nach oben oder ist der Halt an den Seiten nicht fest, spricht das eindeutig gegen den Schuh. Wenn dann die kleinere Größe vorne zu wenig Platz bietet, besitzt das Modell einfach die falsche Passform.

 

Am besten kann die richtige Passform getestet werden, wenn man etwas in die Knie geht und sich in alle Richtungen mehrmals neigt. Viele Fachgeschäfte haben auch die Möglichkeit, das Stehen in der Skibindung zu proben und verschiedene Körperpositionen zu simulieren.

 

Übrigens: Die Schuhe sollten mindestens 20, besser noch 30 Minuten getragen werden. Erst dann kann man ein ernsthaftes Testurteil bilden. Also besser viel Zeit für den Kauf einplanen! Und noch etwas: Sollte man bereits bei der ersten Beratung das Gefühl haben, dass es sich beim Verkäufer um keinen Experten handeln, sucht am besten ein anderes Geschäft auf. Ein kompetenter Berater misst nicht nur die Fußlänge, sondern achtet auch auf Breite und individuelle Form des Fußes (hoher Rist/Spann, breiter Ballen, Hallux etc.). An einen unpassenden Ski gewöhnt man sich mit der Zeit – schmerzende Füße wegen unpassender Schuhe hingegen kann man nicht so einfach ausblenden.

 

Heutzutage schon Standard: Skischuhanpassung!

 

Heutzutage bieten fast alle Skischuhhersteller die Möglichkeit, ihre Modelle mit meist wärmebasierten Methoden (Thermoverformung/Bootfitting) an den Fuß individuell anzupassen. Vacuum Fit bei Fischer, C.A.S. Liner und Shell bei Tecnica, Form Fit oder Liquid Fit bei HEAD, Memory Fit bei Atomic, Integrated Tech Fittings bei K2, Custom Heat Technology bei Salomon - die Namen sind sehr unterschiedlich, die Technik meist ähnlich. Auch hier: Geht in ein Fachgeschäft und informiert euch, was der Fachhändler kann, ob Schale und Innenschuh angepasst werden können und wie das Ganze funktioniert. Dann solltet ihr am Ende auch einen Skischuh in der Hand haben, der genau zu eurer Fußform passt.

 

Bilder & Videos

undefined - © Liam Doran
undefined - © Szymon Kalinowski
undefined - © Dynafit
undefined

Alle anzeigen


Die wichtigsten Schuhkategorien im Überblick


Komfort: Komfort-Schuhe zeichnen sich durch eine einfache Bedienung und die Bequemlichkeit aus, denn sie sind in erster Linie weich und warm. Die Kraftübertragung von den Beinen in den Ski wird dadurch allerdings erschwert.


Allround: Allround-Skistiefel versuchen einen Kompromiss aus Komfort und Performance zu schaffen. Der Innenschuh ist verhältnismäßig bequem, die Schale jedoch schon etwas härter. Der Flex ist tendenziell etwas größer, was wiederum eher für eine sportliche Fahrweise spricht.


Performance/Racer: Die steife Schale gibt Fahrbefehle sensibel und ohne Umwege sofort weiter. Je fester der Schuh also ist, desto fester und dünnwandiger der Innenschuh. Da spricht es für sich, dass diese Stiefel meist nicht gerade außerordentlich bequem sind. Extrem hoher Flex.


Freeride/Freestyle: Bei dieser Kategorie ist der Flex wiederum recht gering. Die Beweglichkeit und eine gedämpfte Schale stehen hier im Vordergrund. Letzteres hat vor allem zum Ziel, harte Stöße und Schläge etwas abzufangen und die Knochen des Fahrers so möglichst zu schonen.


Tourenschuhe: Der Aufstiegskomfort spielt hier eine ausschlaggebende Rolle. Ziel ist es, eine möglichst große Schaftrotation zu erreichen, damit die Schrittlänge nicht eingeschränkt wird, wodurch wiederum Kraft eingespart wird. Auch das minimale Gewicht ist eine wichtige Komponente. Dennoch darf auch bei der Abfahrtsperformance nicht gespart werden – die Schuhe müssen optimalen Halt geben, damit der Fahrer in jeder Schneeart sicher abfahren kann. Je nach Fokus des Sportlers kann man in der breiten Palette an Skitourenschuhen


Skischuhe für Frauen: Diese Schuhe sind der Anatomie der Ladies angepasst: Schmale, weiche Schale trifft auf niedrigen Schaft und schmale Ferse. Natürlich sind sie zudem möglichst warm und haben häufig einen etwas weicheren Flex.


Begriffserklärungen



Mondopoint (MP)


Mondopoint, Mondo oder kurz MP ist ein genormtes Schuhgrößensystem, das sich auf die Fußlänge in Millimeter bezieht. Um die eigene Mondogröße herauszufinden, hält man sich am besten an das folgende Schema:

1. Der Fuß wird mit den gewöhnlichen Skisocken auf ein Blatt Papier gestellt

2. Mit einem senkrecht gehaltenen Stift wird der Fuß umfahren

3. Nun wird die Länge zwischen Spitze und Ferse gemessen

4. Zum Abschluss werden noch etwa fünf Millimeter hinzugerechnet und auf die nächste Mondogröße aufgerundet.

Übrigens: Zwar handelt es sich bei Mondopoint um ein genormtes System – wie jedoch die Hersteller diese Zahlen auf ihre eigenen Leisten übertragen, ist individuell und von Firma zu Firma unterschiedlich.

 

Flex


Der Flex-Wert ist ein Indikator für die Steifigkeit des Schafts nach vorne. Je höher der Wert, desto größer ist der Widerstand am Schienbein. Durch einen hohen Wert erhält man zwar eine bessere Kontrolle des Skis, hat aber auch weniger Beweglichkeit im Sprunggelenk. Allerdings sollte man bei der Wahl des individuellen Flex-Wertes auch beachten, dass einerseits das Eigengewicht dabei eine wichtige Rolle spielt und andererseits sich die Steifigkeit des Schuhs bei kalten Temperaturen um bis zu 20% verändern kann - ist es richtig kalt draußen, wird der Schuh spürbar härter. Und auch hier gilt wieder: Der Flex ist nicht genormt, ist also von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Ein Vergleich ist hier also nur sinnvoll, um innerhalb einer Marke herauszufinden, welches Modell eher weich oder eher steif ist.

 

Leisten

 

Fußleisten? Sind die nicht in meiner Wohnung unten an der Wand befestigt? Korrekt, dennoch gibt es auch im Schuhbau einen Leisten, und der spielt beim Skischuhkauf eine entscheidene Rolle. Der Leisten ist eine Form, nach der Schuhbauer ihre Modelle fertigen, und die der Fußform nachempfunden ist. Diese unterscheiden sich (je nach Schuhgröße) natürlich in der Länge, der Form des Schaftes, der Passform und nicht zuletzt auch in der Breite. Bei Skischuhen bekommt man fast immer eine Angabe zum Leisten genannt, zum Beispiel 100mm. Dieser Wert bezieht sich auf die Breite des Schuhs an seiner breitesten Stelle. Meist unterscheiden die Hersteller zwischen schmaler, normaler und breiter Passform, die Werte differieren etwa zwischen 97mm und 105mm. Wer sehr breite Füße hat und Wert auf Komfort legt, der dürfte mit einem schmalen Schuh keine Freude haben - gleichzeitig will ein sportlicher Skifahrer natürlich keinen Skischuh mit 103mm Leisten fahren, in dem er hin und her "schwimmt".

 

Zusammengefasst: Worauf achten beim Kauf?

 

1. Richtige Schuhkategorie

2. Gewicht: Der Schuh sollte nicht zu schwer für den Träger/die Trägerin sein

3. Fit, Flex und Passform

4. Machen Innenschuh (beim Kauf gerne mal aus der Schale nehmen und prüfen) und Schale einen hochwertigen Eindruck in Bezug auf Material und Verarbeitung? Wie sieht es mit dem Velcro-Strap und den Schnallen aus?

5. Passt der Schuh wie oben beschrieben? Wie einfach ist das An- und Ausziehen? Lässt sich der Fuß mithilfe der Schnallen und des Klettbandes sehr gut am Fuß fixieren, so dass der Fuß eng am Schuh sitzt, ohne dass dieser Druckstellen verursacht.

6. Lässt sich das Modell vom Fachhändler an den Fuß anpassen? Wenn ja, sollte man diese Option auf jeden Fall wahrnehmen.

7. Ist der Schuh auch nach längerem Tragen angenehm am Fuß und Schienbein? Ist er nicht zu hart und nicht zu weich, wenn man ihn durchbiegt?

8. Fühlt ihr euch wohl?

 

Wenn ja, dann steht einem Kauf nichts im Wege!

 

Werbung

Werbung

Aktuell beliebte Artikel

Snowvember geht weiter: Montag und Dienstag schon wieder massive Schneefälle in den Alpen! ©Morzine/Facebook

Snowvember geht weiter: Montag und Dienstag schon wieder massive Schneefälle in den A...

Der Winter macht im Alpenraum keine Pause, in dieser Woche stehen weitere massive Schneefälle an - vor allem in den südlichen Stauregi...

Werbung