Vor 150 Jahren wurde der Winterurlaub im Schnee in St. Moritz in der Schweiz erfunden. Die ersten Skifahrer, die bald darauf die Hänge eroberten, waren Freerider – sie hießen bloß noch nicht so. Abfahrten abseits der Piste sind also immer auch eine Reise zurück zu den Ursprüngen des Skifahrens. Und wo ginge das besser, als in dem Alpenland mit der längsten Winterssporttradition. Passenderweise verfügt die Schweiz im gesamten Alpenbogen über die größte Konzentration hoher Gipfel. Und eine enorme Geländevielfalt: Gletscherabfahrten mit fast 3000 Höhenmetern, schneereiche Nordstaulagen mit Voralpencharakter, anspruchsvoll gestufte Flanken im Urgestein und aussichtsreiche Genussberge. Die Schweizer Bergwelt erstreckt sich nördlich und südlich des Alpenhauptkamms. Daher findet man meist während des ganzen Winters irgendwo gute Bedingungen. Auch dank der Höhenlagen von bis über 4000 Metern wird die Suche nach Powder eigentlich nie enttäuscht.

Diese hochalpinen Eckdaten sollten Freeride-Einsteiger keinesfalls abschrecken. Viele Skigebiete der Schweiz weisen Skirouten aus. Diese sind markiert und vor alpinen Gefahren, insbesondere vor Lawinen, gesichert. Hier kann man das Abenteuer Tiefschnee mit kalkulierbarem Risiko erleben. Wer ins gänzlich freie Gelände abbiegen möchte, findet in zahlreichen Skigebieten Freeride Checkpoints mit Informationen über Lawinensituationen und -gefahren. Fehlen diese, kann man sich unter https://www.slf.ch/de/lawinenbulletin-und-schneesituation.html über die aktuelle Lage informieren. Das eidgenössische Schnee- und Lawinenforschungsinstitut SLF bietet auch die überaus praktische App White Risk, die bei der Beurteilung der Lawinengefahr unterstützt, u.a. mit einem Neigungsmesser und aktuellen Daten aus dem Netz der Messstationen des SLF (Download einer Desktop-Variante unter www.whiterisk.ch, anonsten im App-Store und für Android auf Google Play). Beste Voraussetzungen also für ungetrübte Freeride-Freuden.

Die sollte man allerdings niemals alleine suchen und ohne entsprechende Erfahrung auch nur in Begleitung eines qualifizierten Guides. Natürlich ist das nicht ganz billig – gerade in der Schweiz. Aber von gespartem Geld, das man niemals mehr ausgeben kann, hat man nichts und schließlich wissen wir seit Snow Patrol, dass im Himmel nur eine Half-Pipe steht – wer will da schon hin? Dann doch lieber in einen der folgenden Schweizer Top-Freeride-Spot.

Tipp: Die klimatischen Bedingungen variieren in der Schweiz trotz der geringen Größe des Landes enorm. So fällt in Andermatt mehr als dreimal so viel Schnee wie im gleichhoch gelegenen Sta. Maria im Val Müstair. Schneereichste offizielle Wetterstation ist der Col du Grand St-Bernard. Auf 2472 Meter fielen dort zwischen 1961 und 1990 durchschnittlich 16,5 Meter Schnee pro Winter. Eine grobe Orientierung zum Schneereichtum liefert die Höhenlage, ab der Vergletscherung auftritt. Die liegt im Appenzeller Land bei 2500 Metern, im Wallis teils bei 3500 Metern.