Es ist wieder soweit: Wir von Skiinfo wagen einen Blick in die Kristallkugel und sagen euch, wie der Winter 2018/2019 denn nun wird. Eisig kalt? Schneereich? Oder doch wieder ein trockener Dezember, in dem man vergeblich auf Schneefall wartet?

 

Der Winter wird ... so wie er wird. Ernsthaft, wer sich wie so viele "Wetterexperten" schon Monate zuvor an eine Prognose für den kommenden Winter wagt, der ist mutig. Und liegt mindestens genauso oft falsch wie richtig. Der „Dürre-Sommer“ 2018, der als einer der trockensten der Aufzeichnungsgeschichte in die Bücher geschrieben werden wird, wurde schließlich auch nur von wenigen Meteorologen in diesem Ausmaß vorhergesagt.

 

Denn das Wetter ist ein Chaoszustand, dessen Entwicklung niemand mit Sicherheit länger als ein paar Tage, maximal eine oder auch mal zwei Wochen vorhersagen kann. Schneefallmengen zu prognostizieren, noch dazu für eine bestimmte Region, ist daher kaum möglich. Von einem Tag zum anderen ändern sich die Daten regelmäßig, das merken auch wir in unseren regelmäßigen Schnee- und Wettervorhersageanalysen im Winter. Wie soll man da verlässliche Aussagen über ein Winterwetter treffen können, das mehrere Monate in der Zukunft liegt?

 

Allerdings: Einige Mutmaßungen über die klimatischen Verhältnisse zum Winterbeginn sind in diesem Jahr schon mehr als Wahrsagerei. Schon im August gab es erste Meldungen, die insbesondere auf Wassertemperaturdaten beruhen, dass das bekannte Phänomen „El Niño" in diesem Jahr, wenn auch in eher milder Form, auftreten könnte. Und das hätte auch Auswirkungen auf die Luftmassenzusammensetzung über Europa.

 

Doch schauen wir einmal, was die selbsternannten Wetterfrösche und Vorhersageexperten in ihren meteorologischen Beiträgen von sich gegeben haben – und wie sie den Winter 2018/2019 einschätzen.

 

WePowder | Meteo Morris

 

Meteo Morris vom Ski- und Wettermagazin WePowder überzeugt im Winter regelmäßig mit guten Wetteranalysen. Auch er hat sich bereits an einen ersten Winterausblick gewagt. Bezugnehmend auf die nationalen Wetterinstitute Japans (JMA) und der USA (NOAA) sowie einen Artikel der American Meteorological Society wird hier davon ausgegangen, dass das Wetterphänomen El Niño mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 70% eintreten wird. Was genau El Niño ist, wird in diesem Video ganz gut erklärt:

 

 

Eine gute Übersicht zu El Niño findet ihr auch hier: https://www.climate.gov/news-features/understanding-climate/el-ni%C3%B1o-and-la-ni%C3%B1a-frequently-asked-questions

 

Doch was bedeutet das Auftreten dieser Wasserströme für den Alpenraum? Das ist bisher wenig untersucht. Grundsätzlich kann man sagen, dass in den letzten 70 Jahren die globale Durchschnittstemperatur in El Niño-Jahren immer am höchsten war. Martin P. King von der American Meteorological Society geht davon aus, dass auch Temperatur und Niederschlagsmengen in Mitteleuropa direkt mit El Niño zusammenhängen. Und so dürfte es, folgt man seinen Ausführungen, insbesondere im November sehr mild, aber auch relativ feucht werden. Das bedeutet: Im Hochgebirge, insbesondere in den Südalpen, recht große Schneemengen, in Tälern hingegen viel Regen und kein Schneefall.

 

DWD – Deutscher Wetterdienst

 

Auch der Deutsche Wetterdienst geht in seiner Jahreszeitenvorhersage von einem warmen Start in den Winter aus. Demnach wird die Durchschnittstemperatur im September, Oktober und November im gesamtem Alpenraum 1-2 Grad über dem Klimamittelwert (1981-2014) liegen. Nimmt man den Dezember in die Vorhersage mit hinein, wird es immer noch zu warm, dann allerdings „nur noch“ 0,5-1 Grad wärmer als im langjährigen Mittel.

 

In Bezug auf den Niederschlag sehen wir im Modell des DWD allerdings, dass sich die Westalpen demnach im langjährigen Mittel bewegen, es im Nord- und Ostalpenraum hingegen trockener wird als in den vergangenen 35 Jahren.

 

 DWD Jahreszeitenvorhersage

 

 

Wetterprognose-wettervorhersage.de

 

In einem aktuellen Beitrag von Anfang September wagen die Autoren von wetterprognose-wettervorhersage.de einen Ausblick auf den Herbst und Winter 2018/2019. Auch hier wird ein warmer Winterstart bestätigt. Der Oktober soll sich demnach in Bezug auf die Temperatur im langjährigen Mittel bewegen, vielleicht geringfügig zu warm werden. Allerdings: Hochdrucksysteme sorgen für trockenes Wetter, die Modelle zeigten ein klares Niederschlagsdefizit.

Auch der November soll trockener werden als in den letzten Jahrzehnten, insgesamt zudem 0,5-2 Grad zu warm. Der gesamte Winterzeitraum wird hier gar mit 1-3 Grad wärmer als das langjährige Mittel prognostiziert. Für Wintersportfreunde dagegen positiv: Der Dezember 2018 sowie Januar und Februar 2019 werden laut wetterprognose-wettervorhersage.de deutlich nasser als im Durchschnitt. Heißt: Dort, wo es kalt genug ist, dürfte es dann auch genug Schnee geben!

 

Wetter.de: Der Winter wird warm, wenn nicht …

 

Auf dem Wetterchannel Wetter.de schließt man sich beim Wetterausblick auf den Winter 2018/2019 grundsätzlich den vorherigen Modellen an: Der Winter wird mild!

 

Allerdings, und das ist durchaus ein spannendes Thema: Ein aktueller Beitrag behandelt den sogenannten Beaufort-Wirbel und bezieht sich dabei auf einen Artikel des Magazins Spektrum. Im Mittelpunkt dabei: die Beaufort-See vor Alaska! Hier sammelt sich seit Jahren kaltes, salzarmes Wasser (geschmolzenes Eis, Zufluss aus arktischen Flüssen) an der Oberfläche, darunter liegt warmes Wasser mit einem höheren Salzgehalt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass alle fünf bis sieben Jahre das kalte Wasser von der Oberfläche in den Nordatlantik abfließt und das warme Wasser zurück an die Oberfläche strebt (Beaufort-Wirbel). Doch seit fast 15 Jahren verhält sich der Beaufort-Wirbel seltsam, so Messungen von Ozeonografen der Woods Hole Oceanic Institution: Er dreht sich schneller und sammelt immer mehr salzarmes Wasser an. Gleichzeitig wird das Wasser unter Kappe aus leichtem Wasser immer wärmer, das haben Messungen einer Arbeitsgruppe um Proschutinskis Kollegin Mary-Louise Timmermans erwiesen.

Was passiert aber nun, wenn die riesigen Mengen an kaltem Wasser irgendwann, vielleicht vor diesem Winter, in den Nordatlantik abfließen? Die Temperatur der Arktis steigt, die Gletscherschmelze wird noch einmal beschleunigt. Und: Das kalte Wasser, dass in den Atlantik abfließt, blockiert vor den europäischen Küsten das warme Wasser aus dem Golfstrom, der von Amerika nach Europa fließt. Konsequenz: In Europa wird es kalt, sehr kalt!

Ob und wann die kalten Wassermassen der Beaufort-See aber ihren Weg in den Nordatlantik finden – das kann niemand genau vorhersagen. Und auch die sonstigen klimatische Veränderungen, wie hier in einem Artikel der WELT zu lesen ist, sind kaum abzusehen.

 

Haslingers Königskerze

 

Sepp Haslinger wird vor dem Winter immer wieder gerne von Medien aus ganz Deutschland kontaktiert, um seine Einschätzung abzugeben. Haslinger ist allerdings kein Meteorologe, er liest das Winterwetter im Blütenstand der Pflanze Königskerze ab. Seine „fundierte“ Meinung zum Winter 2018/2019, zu lesen in der TZ: „Heuer wird schon früh der erste Schnee fallen, spätestens Mitte, Ende Oktober.“ Bis in den Dezember hinein schneie es dann regel-, wenn auch nicht übermäßig. Ausgerechnet zur Wintersonnenwende, also kurz vor Weihnachten, sei dann „eine Flaute“ zu erwarten. Doch schon nach dem Fest der Liebe beziehungsweise um Neujahr gehe es weiter mit der weißen Pracht – und das bis relativ weit ins neue Jahr hinein. Auch wenn Ostern 2019 relativ spät liegt – erst am 21./22. April – hält der Benediktbeurer Wetterprophet für gut möglich, dass die Menschen in der Region die Eier im Schnee suchen müssen.

Für den Winter 17/18 hatte Haslinger übrigens prohezeit, dass es sehr wenig Schnee geben werde. Das lassen wir mal so stehen.

 

 

Abschließend zitieren wir hier gerne noch Herrn Ruhnau vom Wetterkanal Kachelmannwetter, der die Qualität und Sinnhaftigkeit von Winterprognosen besser in Frage stellt, als wir es hier gekonnt hätten: "Es kann kein Mensch und kein Computer das Wetter Monate im Voraus berechnen und erst recht nicht im September den Verlauf des Winters. Merken Sie es sich: Es weiß niemand, wie der Winter wird."

 

Da hilft also nur noch: Hoffen und Frau Holle in die abendliche Gebete einschließen! ;)

 

Grafiken: Vorhersagen der Temperatur-Abweichungen vom langjährigen Mittel (2m-Temperatur, CFS-Modell, Stand 05.09.2018)

Dezember

 DWD Jahreszeitenvorhersage

Januar

 DWD Jahreszeitenvorhersage

Februar

 DWD Jahreszeitenvorhersage

 

Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/CFSv2/CFSv2seasonal.shtml

 

 

Linktipps:

Im Winter jede Woche aktuell: Der Skiinfo-Schneebericht mit Infos zu aktuellen Schneefällen und Schneevorhersagen

 

Alle Skigebiete mit exakter Schneevorhersage (für die kommenden drei Tage) findet ihr hier: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien

 

Alle aktuellen Schneehöhen und Schneebericht findet ihr hier: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien

 

Alle Schneefälle der letzten 72 Stunden findet ihr hier.

 

El Nino und La Nina - erklärt bei kachelmannwetter: http://wetterkanal.kachelmannwetter.com/was-ist-el-nino-was-ist-la-nina/