Mit viel Spannung wurde die Premiere des alpinen Weltcups in Sotschi (RUS), immerhin Olympia-Ort von 2014, erwartet. Die Meinungen über die Piste waren geteilt, aber die Abfahrt am Samstag und auch die Super-Kombination am Sonntag waren spannend und aller Ehren wert. Beat Feuz war der große Gewinner der Abfahrt und durfte sogar dem russischen Präsidenten Dimitri Medwedew die Hände schütteln. Ivica Kostelic wiederum sicherte sich erneut die Kugel in der Super-Kombination und bleibt im Gesamtweltcup vorne.

Top in Sotschi:

1. Ivica Kostelic: Der Kroate gehört zu den Gewinnern des Wochenendes und holte sich mit eisernen Nerven die Kugel in der Super-Kombination. Beat Feuz setzte ihn unter Druck, doch Kostelic behielt die Nerven und gewann das Rennen in unnachahmlicher Manier. Auch im Gesamtweltcup ist er vorne und hat beste Chancen. Doch ein Wehrmutstropfen bleibt: Nach dem Rennen wurde bekannt, dass der Kroate leicht verletzt ist. Fortsetzung folgt ...
2. Beat Feuz: Der Schweizer hat ein weiteres Mal gezeigt, dass er einer der besten Abfahrer derzeit ist. In der Spezialabfahrt drehte er gerade im unteren Bereich auf und hatte im letzten Abschnitt eine extrem hohe Geschwindigkeit. Damit gewann er die Abfahrt und hätte einen Tag später beinahe noch Kostelic die Kugel weggeschnappt. Mit seinem zweiten Platz sammelte Feuz insgesamt 180 Zähler in Sotschi und ist mittlerweile im Gesamtweltcup ein ernsthafter Kandidat.
3. Benjamin Thomsen: Schon in Chamonix war der Kanadier nach vorne gefahren, zu einem Podestplatz hatte es da noch nicht gereicht. Aber in Sotschi schlug seine Stunde und er verdrängte quasi in letzter Minute noch Bode Miller vom Podest. Keine schlechte Leistung des jungen Kanadiers, der immer mehr aus dem Schatten eines Erik Guay heraustritt. Nach dem Sieg von Jan Hudec in Chamonix war es ein weiterer Podestplatz eines Kanadiers. Mit Guay, Hudec und Thomsen haben die Kanadier drei Waffen mittlerweile im Rennen, von denen einer fast immer durchkommt in der letzten Zeit.
4. Andreas Sander: Sander hält derzeit in der Super-Kombination die deutschen Fahnen hoch und dies sehr gut. Mit dem 22. Platz in Sotschi schaffte er seine beste Weltcup-Platzierung in dieser Disziplin und holte weitere wichtige Punkte. Auch in der Abfahrt war er als 16. nach einer starken Fahrt gut unterwegs. Diese Leistungen geben Anlass zur Hoffnung für die Zukunft.
5. Die Piste in Sotschi: Wie wird die Premiere? Ist die Strecke olympiawürdig? Viele Fragen waren offen im Vorfeld und selbst nach den ersten Trainings gab es geteilte Meinungen. Doch im Rennen präsentierte sich die „Rosa Khutor“-Piste blendend: 3495 Meter lang, Start auf 2045 Metern, 1075 Meter Gefälle, extrem viele Kurven, sehr eisiges und welliges Terrain, Geschwindigkeiten bis 135 km/h, ein recht flaches Zielstück für die Gleiter und zweite weite Sprünge kurz vor dem Ziel. Kurzum: Eine Strecke, die den Fahrern vor allem konditionell alles abverlangte.


Flop in Sotschi:

1. Bode Miller: Für den US-Amerikaner war es mal wieder die Erkenntnis, dass er konditionell nicht mit den besten mithalten kann. Bei der Abfahrt am Samstag war er im oberen Teil wieder sehr schnell und hatte dort 62 Hundertstel Vorsprung auf Feuz. Doch unten verlor er immer mehr an Zeit und musste gar mit dem undankbaren vierten Rang vorlieb nehmen. In der Super-Kombination schied Miller dann wie so oft im Slalom aus.
2. Didier Cuche: Der Schweizer sah nach seinen Siegen in Kitzbühel und Garmisch-Partenkirchen schon fast wie der Sieger der Abfahrtwertung aus, doch in den letzten Rennen lief es nicht so rund für den Altmeister. Auch in Sotschi war es ‚nur‘ der zwölfte Rang und so konnten seine Konkurrenten aufholen, allen voran Beat Feuz, der nun zusammen mit Klaus Kröll und Cuche um die Abfahrtskrone kämpft.
3. ÖSV-Herren: Die Österreicher sind in Russland ohne Podestplatz geblieben. Die Kugel in der Super-Kombination ging an den Kroaten Kostelic und in der Abfahrt war der sechste Rang von Joachim Puchner die beste Platzierung. Auch wenn die Österreicher in der Abfahrt teilweise gute Abschnitte hatten, so fehlte die Top-Fahrt eines ihrer Athleten. Dennoch sollten die ÖSV-Fahrer bis Olympia 2014 noch einige Fahrten in Sotschi haben, auf denen sie sich verbessern können.

Formcheck Sotschi und Ausblick

Es wird spannend. Nicht nur in der Abfahrt, sondern auch im Gesamtweltcup. In der Abfahrtswertung liegen mit Didier Cuche, Klaus Kröll und Beat Feuz drei Fahrer nur 27 Punkte voneinander getrennt und damit dürfte es bei den letzten Abfahrten der Saison eng zugehen. Gerade Feuz ist wieder top in Form und wird schwer zu schlagen sein. Cuche hatte in Sotschi nicht seinen besten Tag und muss wieder zulegen, ebenso wie Kröll. Wir dürfen uns also freuen. Ebenso hat uns Andreas Sander Freude bereitet mit seinem 16. Platz. Stephan Keppler war verletzt, ebenso wie Tobias Stechert.
In der Super-Kombination ist die Saison gelaufen. Kostelic holte sich erneut Kristall. Es bleibt abzuwarten, ob es auch in der kommenden Saison Kristall in der Kombination zu vergeben gibt. Vermutlich eher nicht, daher dürfte Kostelic bis auf weiteres der letzte Disziplinen-Sieger in der Kombination sein. Aus Deutschland hat sich Andreas Sander als Kombi-Starter konstant in den Punkten gehalten.

Alle Bilder aus Sotschi

Schaut euch die Bilder noch einmal an - hier ist unsere Bildergalerie zum Weltcup in Sotschi.