Seit einigen Jahren teilen Ofterschwang und Zwiesel die Ehre, alle zwei Jahre den Ski-Weltcup der Damen auf deutschem Boden auszurichten. Nun ist damit offensichtlich Schluss: Der Deutsche Skiverband kündigte auf seiner Webseite an, dass mittelfristig keine Weltcups mehr am Arber ausgetragen werden sollen.

Alternativlose Entscheidung?
Im Wortlaut heißt es beim DSV: "Leider war die Durchführung der zurückliegenden Weltcups am Arber wiederholt von der schwierigen Wettersituation in der Region beeinträchtigt worden. Die Wetterkapriolen beim Weltcup im Februar dieses Jahres führten zu gravierenden Programmänderungen. Die daraus resultierenden, massiven finanziellen Einbußen betrafen sowohl den Deutschen Skiverband, seine Partner als auch das Organisationskomitee.

Aufgrund dieser Situation wurde von Seiten aller Beteiligten, den national und international übertragenden TV-Sendern, dem Weltcup-Vermarkter, Sportfive, stellvertretend für die Sponsoren und den Weltverbandes FIS, der ausdrückliche Wunsch an den DSV herangetragen, die Situation zu verändern.

Der Deutsche Skiverband trägt den veränderten Rahmenbedingungen und der wirtschaftlichen Situation Rechnung und hat für den Zeitraum der mittelfristigen Kalenderplanung keinen Weltcup mehr am Arber beantragt. Stattdessen werden die Rennen in Ofterschwang/Allgäu stattfinden.

Diese Entscheidung ist besonders angesichts der hervorragenden Arbeit der Bergbahnen, der grundsätzlich sehr gut geeigneten sowie attraktiven Rennstrecken und der langjährigen und guten Arbeit des Organisationskomitees für den Deutschen Skiverband sehr schwierig, leider aber alternativlos.

Seehofer kündigt Gespräche an
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer - zugleich Schirmherr des Weltcups im Bayerischen Wald - hat bereits Kritik an der Entscheidung des DSV geäußert und weitere Gespräche angekündigt. Die Veranstalter reagierten enttäuscht und erschüttert - nicht nur über die Entscheidung selbst, sondern auch über die Art und Weise ihres Zustandekommens.

Stellungnahme des Organisatinonskomitees Skiweltcup Arber-Zwiesel:
Mit dem Organisationskomitee für die Durchführung der Skiweltcuprennen Arber-Zwiesel hat vom Deutschen Skiverband vor dem 13.07.2011 nie jemand gesprochen oder das OK darüber informiert, dass bestimmte Kräfte beim DSV den Standort Zwiesel-Arber aus dem Kalender der Alpinen Damenweltcuprennen herausnehmen möchten. Noch in einem Gespräch mit dem OK-Präsidenten am 04.Juni 2011 anläßlich der Frühjahrstagung der FIS in Portoroz hat der Präsident des DSV, Alfons Hörmann, bestätigt, dass der Austragungsort Arber-Zwiesel, wie 2004 beschlossen, im Wechsel mit dem Allgäu für die Technischen Bewerbe der Damen bestehen bleiben wird.

Das Nichtaufscheinen des Weltcupstandortes Arber - Zwiesel in den Kalenderentwürfen bis 2015 vom 02.09.2010 [...] nahm die Passauer Neue Presse ab 13.07.2011 zum Anlass für Recherchen. Erst diese haben den DSV zu Informationen des Organisationskomitees bewegt, zunächst telefonisch mit dem Hinweis dass eine Information auf die Homepage des DSV gestellt werde, dann, auf heftiges Drängen des OK, schriftlich mit beigefügtem Brief.

In diesem stellt der DSV zwar die hervorragende Arbeit der Bergbahnen, die grundsätzlich sehr gut geeigneten sowie attraktiven Rennstrecken und die langjährige und gute Arbeit des OK heraus, bemängelt aber die in den letzten Jahren schwierige Wettersituation in der Region, ohne zu überlegen, dass schwierige Wetterbedingungen auch an anderen Weltcupstandorten (z.B. Maribor und Lenzerheide 2011, aber auch Kitzbühel, Garmisch-Partenkirchen, Ofterschwang u.v.a.) zur Absage oder Verschiebung von Rennen zwangen. Zu bemerken ist hier, dass am Arber seit 1976 kein Rennen, auch vor der Installation von Schneekanonen, wegen Schneemangels ausfallen musste. Die Situation von 2011, wo das OK unter enormem finanziellen Aufwand und ehrenamtlichem Engagement aller Mitarbeiter, zusammen mit den Verantwortlichen der FIS (Atle Skaardal, Markus Mayr, Andreas Krönner und TD Hugo Bertsch), den Riesenslalom durch die Verschiebung um einen Tag rettete, kann hier nicht als Argument gebracht werden, da die Überlegungen des DSV schon vor diesen Rennen in den Kalenderentwürfen für 2012 bis 2015 eingebracht wurden.

Der DSV begründet seine Entscheidung in erster Linie mit massiven finanziellen Einbußen. Damit verbunden seien „erhebliche Bedenken“ aller Beteiligten (auch der FIS und der TV - Anstalten) ob der Gesamtsituation an den DSV herangetragen worden.

Recherchen der Passauer Neuen Presse beim Fernsehen (ARD/BR) ebenso wie bei den o.a. Verantwortlichen der FIS ergaben, dass diese von den „erheblichen Bedenken“ nichts wissen und nie Überlegungen gehabt haben, den DSV zu veranlassen, auf den Weltcupstandort Arber-Zwiesel zu verzichten. Die Gesamtzeit der TV-Live-Übertragung der Rennen vom Februar 2011 in mehr als 10 Länder der gesamten Welt liegt lt. offiziellem Bericht der FIS (Buch: AUDI FIS SKI WORLD CUP Season 2010/2011) bei nicht weniger als 31 Stunden und spricht eine andere Sprache als die Aussage des DSV. Der Slalom mit einer Übertragungszeit von mehr als 27 Stunden steht bei allen Übertragungen des Winters 2010/2011 von Damenrennen an dritter Stelle.

In der Zwischenzeit hat sich die ganze Region ebenso wie die Bayerische Staatsregierung einschließlich des Ministerpräsidenten Horst Seehofer massiv gegen die Entscheidung des DSV ausgesprochen. Insbesondere entsprachen die Aussagen des Geschäftsführers der DSV Marketing GmbH, Stefan Krauß, dass mit der Bayerischen Staatskanzlei volles Einvernehmen bestünde, nicht der Richtigkeit und wurden von dieser zurückgewiesen.

Das OK der Weltcuprennen Arber-Zwiesel ist enttäuscht und erschüttert über diese Entscheidung einiger Verantwortlicher des DSV und insbesondere auch über Art des Umganges des „Dienstleistungsunternehmens“ DSV mit seinen Partnern. Das OK wurde zu keiner Zeit und in keiner Weise in die Entscheidung einbezogen. Für den Standort Arber als alpines Wintersportzentrum hat die Entscheidung, so sie bestehen bleibt, sicher weit reichende Folgen. Es wurde viel Geld für nur ein Rennen investiert, weil einige Verantwortliche beim DSV wohl nicht gerne „in die Provinz und zu den Fans“ gehen wollen.