© Alain GROSCLAUDE/AGENCE ZOOM
Didier Cuche hat den wohl wertvollsten vierten Platz seiner Karriere eingefahren: Diese Platzierung reichte dem 36-Jährigen, um Michael Walchhofer in dessen letztem Abfahrtsrennen noch von der Spitze der Weltcupwertung zu verdrängen und zum vierten Mal die kleine Kugel in der Königsdiziplin zu gewinnen. Michael Walchhofer wurde nur Elfter und hatte damit insgesamt zwölf Punkte Rückstand. Das Rennen gewann der Franzose Adrien Theaux denkbar knapp vor Joachim Puchner und Aksel Lund Svindal.

Vorzeichen: Spannung garantiert
Die Auslosung hatte die Dramatik dieses Finals noch unterstrichen: Als Letzte mit den Startnummern 21 und 22 des Spitzenfeldes sollte zunächst Michael Walchhofer, der seine 14 Punkte Vorsprung verteidigen wollte und dann Didier Cuche, sein erster Herausforderer, an den Start gehen. 23 Fahrer insgesamt wagten sich über den kurzen, aber extrem steilen und anspruchsvollen Kurs 'Silvano Beltrametti', der den weltbesten Abfahrern alles abverlangte. In der Folge kamen immer mehr Schläge hinzu. Fast jeder Athlet hatte einen heiklen Moment zu überstehen.

Zwischenbestzeit für Puchner
Yannick Bertrand eröffnete das Rennen bei anfänglich strahlendem Sonnenschein und zeigte die Schwierigkeiten dieser Piste: Extrem steile und abfallende Kurven verlangten eine perfekte Linienwahl. Er und Werner Heel wurden dabei zu oft abgetragen, mit Startnummer drei gelang dem ersten Österreicher Joachim Puchner der erste Lauf auf Zug, wenn auch nicht ganz ohne Fehler. Es reichte aber zur zwischenzeitlichen Bestzeit.

Theaux schnell, Slowenen ausgeschieden
Vorn blieb Puchner nur bis zur Startnummer acht. Adrien Theaux brachte, trotz aller Schläge, seinen Lauf wieder mit ähnlich viel Zug ins Ziel und unterbot Puchnerns Zeit um 0,01 Sekunden. Es sollte die Bestzeit bleiben, auch weil die schlechter werdende Sicht die nachfolgenden Fahrer behinderte. Wie schnell das Rennen verloren werden konnten, zeigten die beiden Slowenen: Andrej Sporn rutschte nach einem Schlag weg und stürzte, Andrej Jerman übersah eine Welle und verpasste damit das nächste Tor. Sie waren eine Warnung für die Stars, die noch oben standen. Ohne vollen Einsatz ging es in Lenzerheide auch nicht: Weltmeister Erik Guay ließ das Risiko vermissen und fiel damit aus den Punkterängen heraus.

Favoriten patzen, Svindal auf dem Podium
Bei schlechter werdender Bodensicht blieben Theaux und Puchner vorn, auch Aksel Lund Svindal und Kvitfjell-Sieger Beat Feuz sowie dessen Landsmann carlo Janka konnten die Bestmarke nicht angreifen. Svindal schob sich immerhin mit guter Fahrt an die dritte Position und stand damit am Ende auf dem Podium. Für Romed Baumann gab es in dieser finalen Abfahrt nichts zu gewinnen. Nach ihm eröffnete Klaus Kröll die Entscheidungsphase des Rennens.

Kröll ohne Chance
Klaus Krölls Chance war theoretischer Natur - er musste das Rennen gewinnen, um im Rennen um die Kugel zu bleiben. Doch auch Kröll verlor schnell viel Zeit und war damit de facto schon zur Hälfte des Laufs aus dem Rennen. Platz 15 für ihn - eine kleine Enttäuschung.

Walchhofer nur Elfter
Direkt im Anschluss stürzte sich Michael Walchhofer aus dem Starthaus. Der Träger des roten Trikots zeigte seine gute Spätform, obwohl auch er nicht ohne Fehler blieb. Im Mittelteil verlor er dann aber mehr Zeit als erwartet und konnte den Speed nicht ins Ziel mitnehmen - nur Platz elf stand für ihn zu Buche. Damit musste Cuche mindestens Fünfter werden.

Cuche holt sich die Kugel
Und Cuche ließ sich nicht lumpem: Oben mit ähnlichen Problemen wie Walchhofer zog er seine Linie im Steilhang konsequenter durch und blieb länger in der Hocke. Die Bestzeit war außer Reichweite - aber Cuche brachte Platz vier ins Ziel und war damit mit zwölf Punkten Vorsprung zum vierten Mal Abfahrtschamp. Was das für ihn bedeutet, sah man im Ziel: Der Schweizer küsste seine Ski und den Zielraum der Piste. Für Walchhofer blieb in seiner letzten Abfahrt der finale Triumph aus. Während Cuche nun nach Franz Klammer (fünffacher Abfahrtssieger) der erfolgreichste Abfahrer der Ski-Geschichte. Morgen kann der Routinier sich zudem noch den Super-G Weltcup sichern. Die Entscheidung beginnt um 9:30 Uhr, wir berichten im Liveticker vom Rennverlauf.