© Christophe PALLOT/AGENCE ZOOM
Mario Matt, der 'Adler vom Arlberg' hat bei der Revanche der WM-Enttäuschten den Sieg davon getragen. Im Slalom von Bansko triumphierte Matt hauchdünn vor Reinfried Herbst und Jean-Baptiste Grange. Felix Neureuther fuhr an seinem bislang besten Weltcup-Wochenende auf den vierten Platz - die beste Saisonplatzierung in seiner Lieblingsdiziplin.

Revanche der Enttäuschten
Insbesondere Neureuther und Herbst, nach der WM vor wenigen Tagen noch als 'Trotteln' in den Schlagzeilen, muss dieses Ergebnis eine riesige Genugtuung sein. Und auch Mario Matt, in Garmisch noch auf dem Blechrang, ist der erste Sieg seit Jahren eine riesige Bestätigung seines Aufwärtstrends. Sie waren die Sieger des Slaloms in Bansko, nur Weltmeister Grange konnte in diese Phalanx eingreifen. Bislang dominierende Fahrer wie Kostelic, Myhrer und Hargin gingen hingegen unter.

Matt legt vor
Im ersten Lauf hatte Mario Matt mit Laufbestzeit seine aktuell brillante Form unter Beweis gestellt. Allerdings war das Feld sehr eng beieinander: Reinfried Herbst, Andre Myhrer, Michael Janyk, Stefano Gross, Cristian Deville, Jean-Baptiste Grange und auch Felix Neureuther als Zehnter blieben innerhalb von 89 Hundertsteln - alles war möglich.



Neureuther kommt durch
Im ersten Lauf ein bisschen zu hart und mit dem Super-G der erfolgreichen Kombination in den Beinen hatte Neureuther seine Probleme mit dem sehr schnellen und gerade gesteckten Kurs im ersten Lauf. Im zweiten lief es besser, auch wenn der Deutsche das eine oder andere Tor wieder etwas hart anging und zu lange auf der Kante stand. Dennoch löste er den im Finale laufbesten Steve Missilier an der Spitze ab und hatte damit ein gutes Resultat sicher. Am Ende sollte es Rang vier werden - enorm wichtig für seine Startlistenposition.

Neureuther: "Muss noch mehr kommen"
"Es war heute kein einfaches Rennen. Es war ziemlich hart, aber ein aggressiver Schnee. Mit dem vierten Platz bin ich sehr zufrieden, auch weil ich den Super-G noch in den Beinen gespürt habe", strahlte der Deutsche - und legte nach: "Es ist einfach schön, wenn man wieder mit Spaß Skifahren kann. Aber ganz zufrieden bin ich noch nicht - es muss noch was kommen in der Saison."

Grange übernimmt die Spitze
Im Gegensatz zu seinem WM-Triumph wirkte der Franzose Grange gehemmt - er hatte sich im Training die früher in der Saison lädierte Schulter wieder angeschlagen. Nach nur Platz sieben im ersten Lauf carvte er im Finale weich und behende und fuhr so zunächst an die Spitze - ein furioser Sieglauf war es aber nicht. Andere machten es aber schlechter: Cristian Deville, Markus Vogel aus der Schweiz und auch Markus Pranger fielen zurück. Auch Stefano Gross, der Überraschungsmann vom Vormittag, konnte Grange und Neureuther nach einigen Aushebern nicht gefährden.

Myhrer früh ausgeschieden
Michael Janyk wollte es wissen: Extrem aggressiv und hart carvend ging der Kanadier den Lauf an. Das erwies sich im flacheren Teil als nicht optimal - in den letzten Toren verspielte er eine mögliche Führung und musste auch Neureuther vorbeiziehen lassen. Nach ihm fädelte Andre Myhrer schnell ein und vergab so die große Chance, im Slalom-Weltcup an Kostelic vorbeizuziehen.

Herbst explodiert, Matt triumphiert
Wie man den Frust einer verpatzten WM in Leistung umsetzt, das bewies Reinfried Herbst. Mit Gefühl und dennoch auf Zug carvte er ins Ziel und löste Grange souverän an der Spitze ab. Dort brach dann die Emotion aus dem Österreicher heruas - er schrie den Jubel hinaus. Doch oben stand noch Landsmann Mario Matt. Und der fuhr furios, oben klar mit der besten Abschnittszeit. Den Schlussabschnitt verpatzte der Arlberger jedoch, sodass es noch einmal knapp wurde. Nur vier Hunderstel rette Matt vor Herbst im Ziel, der österreichische Doppelsieg war perfekt und Matt war erleichtert: "Ich habe die ganze Zeit geuwsst: Wenn alles passt, kann ich vorne mitfahren. Eine gewisse Anspannung hatte ich vor dem Finale. Ich hab' gehört, dass Grange Bestzeit gefahren ist und wollte natürlich angreifen."

Fritz Dopfer holt Punkte
Auch Fritz Dopfer konnte in Bulgarien zufrieden sein: Mit Startnummer 53 fuhr er auf Rang 15 vor, verlor aber im Finale etwas an Boden. Dennoch bringt ihn Rang 16 einen weiteren Schritt nach vorne.

Kostelic und Mölgg geschlagen
Für Weltcup-Leader Ivica Kostelic und den WM-Dritten Manfred Mölgg hat sich der Ausflug nach Bulgarien nicht gelohnt: Der Kroate fädelte im ersten Lauf ein, Mölgg patzte dort, kam aber durch. Aber auch im zweiten Lauf fehlte der letzte Punch. Mölgg wurde immehrin noch 13. Im Slalom-Weltcup machte Grange durch seinen dritten Rang damit Punkt gut, er liegt mit 442 Zählern nur noch knapp hinter dem Kroaten (478), Die beiden werden am 6. März in Kranjska Gora wie die heutigen Sieger erneut zum Slalom aufeinandertreffen.