Vor vier Jahren fand der erste Weltcup in Zagreb statt. 2005 als Snow Queen Trophy gestartet hat sich das Event mittlerweile als Highlight etabliert. Seit vergangenem Jahr suchen auch die Herren in Sljeme vor den Toren der kroatischen Hauptstadt ihren Sieger. Alleine in diesem Jahr pilgerten mehr als 30.000 Skifans zu den beiden Slalomrennen auf dem Bärenberg.

Jelusic nicht in den Fußstapfen Kostelic’
Der einzige Wehmutstropfen für die sportbegeisterten Kroaten ist, dass es bisher noch keinen kroatischen Sieg zu feiern gab. 2005 schied ihre Skiheldin Janica Kostelic bereits im ersten Durchgang aus, 2006 musste sie sich mit Rang drei zufrieden geben. Danach beendete die dreifache Weltcup-Gesamtsiegerin ihre Karriere. Seitdem fehlt Kroatien bei den Damen ein echtes Zugpferd. Ana Jelusic schien die legitime Nachfolgerin zu sein, aber zum einen sind die Fußstapfen, die Kostelic hinterlässt riesengroß und zum anderen wurde sie durch eine Verletzung zurückgeworfen. In diesem Jahr platzierte sie sich auf dem Bärenberg auf Rang 16. Ihre Landsfrau Nika Fleiss erreichte den 19. Platz.

Pfiffe begleiten Grange auf dem Weg zum Sieg
Bei den Herren fühlten sich die Kroaten 2009 schon wie die Sieger, denn Janicas Bruder Ivica Kostelic, der bei der Herrenpremiere 2008 schon Zweiter wurde und den Hang vom Training in- und auswendig kennt, lag an der Spitze, als nur noch Jean-Baptiste Grange oben stand. Als der Franzose dann auch noch Fehler in seinen Lauf einbaute, sah man bengalische Feuer und hörte schon laute Jubelgesänge und Sektkorken knallen. Am Ende rettete Grange aber fünf Hundertstel seines Vorsprungs ins Ziel. So konnte Grange auch die Pfiffe, die ihn zu Beginn seines Laufs begleiteten, schnell vergessen. Der Träger des roten Trikots im Slalom bleibt das Maß der Dinge, obwohl Ivica Kostelic ihm ganz dicht auf den Fersen ist.

Eine ganze Mannschaft im Sog von Riesch
Die Gejagte bei den Damen ist im Slalom weiterhin Maria Riesch. Nach La Molina (ESP) und Semmering (AUT) sicherte sich die Partenkirchenerin auch in Zagreb (CRO) die 100 Siegpunkte und übernahm damit sogar die Führung im Gesamtweltcup. Aber nicht nur Riesch weiß derzeit zu überzeugen. Auch die anderen Technikerinnen des Deutschen Skiverbands geben im Stangenwald ordentlich Gas. Zehn Athletinnen standen zuletzt am Start. In Zagreb schafften davon acht den Sprung in den zweiten Durchgang, wo sie alle punkten konnten. Damit stellte der DSV fast ein Drittel aller Finalteilnehmerinnen.



Österreichs Damen gehen am Stock
Genau das Gegenteil widerfährt derzeit dem Österreichischen Skiverband. Nur zwei von acht gestarteten ÖSV-Damen platzierten sich unter den besten 30. Am Ende konnte wenigstens Kathrin Zettel mit Rang fünf die rot-wie-rote Fahne oben halten. Schlimmer noch als das schlechte Abschneiden ist aber die Verletzung von Nicole Hosp. Damit fehlt den Österreichern nach Marlies Schild auch die zweite Top-Athletin in dieser Saison.

Italiener in starker Form
Zweite bei der fünften Snow Queen Trophy wurde Nicole Gius. Für die Italienerin war es erst der vierte Podestplatz im Weltcup überhaupt. Im Slalom musste die 28-Jährige sechs Jahre warten, um dieses Gefühl wieder zu erleben. Aber auch ihre männlichen Teamkollegen wussten in Kroatien zu überzeugen. Nach dem ersten Durchgang lagen Patrick Thaler und Manfred Mölgg auf den Rängen drei und vier. Giuliano Razzoli und Giorgio Rocca folgten auf den Plätzen sieben und 13. Razzoli carvte im Finale dann das erste Mal in seiner Karriere auf das Weltcuppodium. Mölgg hielt seinen vierten Rang und Thaler und Rocca sammelten als 13. und 17. ebenfalls Weltcuppunkte.

Neureuther endlich in den Punkten
Die gab es in Zagreb auch zum ersten Mal in dieser Saison für Felix Neureuther. Der Partenkirchener schaffte zwar im dritten Slalomrennen des Winters immer noch nicht die geforderte WM-Norm, aber sieht sich aufgrund der anstehenden Klassiker in einer guten Form. Ob es ein Fehler von Neureuther war, beim Show-Event in Moskau zu starten, ist schwer zu sagen, aber der 24-Jährige beklagte sich selbst über müde Beine nach dem Reisestress. Das Preisgeld, das in Moskau gezahlt wurde (30.000 Dollar für den Sieg), kann als Ausrede nicht gelten, denn auch in Zagreb schütteten die Veranstalter 60.000 Euro an den Herrensieger aus.

Miller mit Anfängerfehler
Aber nicht nur Neureuther sucht noch nach der Konstanz aus dem vergangenen Winter. Auch Bode Miller kommt weiterhin nicht richtig in Tritt. Der Weltcup-Gesamtsieger wurde nach einem Anfängerfehler nach dem ersten Durchgang, bei dem er ohnehin nur 29. geworden war, noch disqualifiziert. Am Morgen vor dem Rennen hatte sich der US-Amerikaner für ein neues Paar Skischuhe entschieden, diese aber nicht mehr auf die FIS-Regeln überprüfen lassen. Sein Skischuh war letztendlich zwei Millimeter zu hoch.

Monat der Klassiker eingeläutet
Die beiden stimmungsvollen Rennen in Zagreb haben Lust auf mehr gemacht und den Klassikermonat eingeläutet. Während die Damen in Maribor antreten, wartet auf die Herren gleich der nächste Hexenkessel. Sie reisen nach Adelboden, wo auf dem Chuenisbärgli noch einmal die Techniker gefragt sind, bevor es bei den Klassikern in Wengen und Kitzbühel auch wieder schnell zur Sache geht.