Ausreichend Schnee, klirrende Kälte und spannender Sport. So lauten die Stichworte, wenn man den Weltcup von Levi rückblickend betrachtet. Der Slalom-Auftakt in Lappland war das nördlichste Skirennen der Saison und bot auch jenseits des Polarkreises einige Überraschungen. ski2b blickt zurück.

Weltcup wird zum Kampf der Allrounderinnen
Wer hätte das gedacht? Vor dem ersten Slalom der Saison wurde über viele Favoritinnen diskutiert. Wer würde nach dem verletzungsbedingten Fehlen von Marlies Schild in die Skispuren der besten Slalomathletin der vergangenen Jahre fahren? Nicole Hosp wurde immer wieder genannt. Sie war ja auch hinter Schild Zweitbeste im Stangenwald in der vergangenen Saison. Tanja Poutiainen, Veronika Zuzulova und Sarka Zahrobska hatten andere auf der Rechnung. Das erste Podium sah dann aber so aus: Lindsey Vonn, Maria Pietilae-Holmner und Maria Riesch. Gerade die amtierende Gesamtweltcup-Siegerin hätte man nicht unbedingt vorne erwartet.

Chance für Riesch und Vonn
Aber ein nicht sonderlich selektiver Kurs kam Vonn genauso entgegen wie Maria Riesch. Riesch ist bereits als Allrounderin bekannt, Vonn, die sonst ihre Stärken vor allem in den Speed-Disziplinen hat, entwickelt sich immer mehr dorthin. Es scheint so, als könnte der Weltcup in diesem Jahr zum Kampf der Allrounderinnen werden. Vonn liegt nach zwei Rennen, noch kein Speed-Rennen wurde ausgetragen, schon wieder auf Rang eins in der Gesamtwertung. Riesch ist immerhin schon Fünfte. Nur acht Punkte hinter der Deutschen lauert Anja Pärson, die bereits in allen Disziplinen Siege eingefahren hat.

Levi: gutes Pflaster für Nicht-Spezialistinnen
Vonns bestes Slalomergebnis datiert aus dem Jahr 2006. Dort wurde die US-Amerikanerin Vierte. Und wo? Natürlich in Levi. Maria Riesch gewann in ihrer Karriere einen Slalom. Die Frage nach dem Ort erübrigt sich, denn die Antwort kann nur Levi heißen. 2004 stand die 23-Jährige ganz oben. Nach ihrem ersten Weltcup-Sieg im Slalom machte Vonn wie immer nach einem Sieg auf Understatement: "Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Slalom gewinnen kann. Unten habe ich einen großen Schnitzer gemacht. Danach habe ich nur noch attackiert und noch gewonnen. Das ist Wahnsinn!" In der Tat, denn Vonn stand im Finale einmal quer, fuhr aber dennoch auch im zweiten Durchgang Bestzeit. Auch Riesch zeigte sich mit dem Resultat zufrieden: "Ich freue mich immer, wenn ich wieder hierher kommen kann." Für die Schwedin Maria Pietilae-Holmner war Rang zwei das erste Weltcup-Podium überhaupt - und das ausgerechnet im Heimatland ihres Vaters.

Zuzulova beißt auf die Zähne
Aber wo waren die vermeintlichen Favoritinnen geblieben? Nicole Hosp lag nach Durchgang eins auf Rang drei, rutschte dann aber noch einen Rang zurück und verpasste als beste Österreicherin das Podium knapp. Veronika Zuzulova hatte kurz über einen Startverzicht nachgedacht. Die Slowakin war morgens vor dem Rennen gestürzt. Mit Schmerzen stellte sie sich dann aber doch der "Black Levi" und erreichte immerhin noch Rang fünf. Sarka Zahrobska schwang am Ende als Neunte ab. Damit wartet die amtierende Weltmeisterin weiter auf ihren ersten Weltcup-Triumph. Tanja Poutiainen wurde Sechste. Stark präsentierten sich vor allem die Schwedinnen, die mit drei Athletinnen in den Top Ten vertreten waren. Neben Pietilae-Holmner schafften dies Anja Pärson und Therese Borssen. Zehnte wurde Monika Bergmann, eine von neun gestarteten DSV-Damen.



Grange vorne weg
Bei den Herren lief das Rennen dagegen ganz nach dem Geschmack eines Favoriten. Jean-Baptiste Grange distanzierte die Konkurrenz um mehr als sieben Zehntel und machte damit seine Ankündigung wahr. Der Franzose war nach eigenen Angaben nicht ins eisige Lappland gereist, um auf dem Podium zu stehen. "JB" wollte den Sieg und fuhr diesen dann auch ein. Im vergangenen Winter verlor Grange die fast schon sicher geglaubte kleine Kristallkugel im Slalom am Ende noch. Mit der Leistung von Levi machte er aber deutlich, dass er auch in diesem Winter zu den besten im Stangenwald gehört.

Miller im Slalom wieder da
Die kleine Kristallkugel im Slalom hat sich auch Bode Miller zum Ziel gesetzt. Allerdings weiß man, dass man bei Millers Ankündigungen immer etwas vorsichtig sein muss. In diesem Fall stimmte sie aber. Der US-Amerikaner, der gerne seine eigenen Wege geht, hatte vor der Saison viel Slalom trainiert, um die fehlende Konstanz und Sicherheit der vergangenen Saison zu bekommen. Sein Streben zahlte sich aus, denn Miller meldete sich zumindest in Levi auf dem Slalompodium erstmals seit 2004 zurück. "Ich würde nicht sagen, dass ich im Slalom zurück bin, denn es haben sich Dinge geändert und ich fahre nicht mehr so Ski wie zuvor. Aber es zeigt, wie wettbewerbsfähig ich bin und ich hoffe, dass ich diese Aggressivität die ganze Saison hoch halten kann", sagte Miller selbst. Der Gesamtweltcup-Sieger von 2005 und 2008 hat bereits die Disziplinwertung im Super-G, Riesenslalom und in der Super-Kombination gewonnen. Sein Ziel sind nun die Kristallkugeln im Slalom und der Abfahrt, um als erster Athlet seit Jean Claude Killy (FRA) alle Titel zu gewinnen. Allerdings gab es zu Zeiten des Franzosen nur deren drei.

Starkes Comeback von Zurbriggen
Dritter wurde Weltmeister Mario Matt, der damit die rot-weiß-rote Fahne hoch hielt. Knapp hinter dem Österreicher wurde Silvan Zurbriggen Vierter. Für Zurbriggen war es das erste Weltcup-Rennen nach seiner Verletzungspause. Dabei ließ er auch die hoch gewetteten Daniel Albrecht, Marc Gini und Marc Berthod hinter sich. Alle drei Schweizer verpassten einen Platz unter den besten 30 und mussten so beim zweiten Durchgang zuschauen.

Deutscher Hoffnungsschimmer bei den Herren
Das gleiche Schicksal ereilte auch Felix Neureuther. Der beste deutsche Skirennläufer derzeit stand im letzten Streckenabschnitt einmal quer und verlor dabei soviel Zeit, dass er sich am Ende des Klassements wiederfand. Dafür überraschten aber die anderen beiden DSV-Herren. Stefan Kogler und Dominik Stehle qualifizierten sich als 30. und 28. für das Finale. Ohne Druck carvten die beiden dann zu den Plätzen 16 und 19 und so zu ihren ersten Weltcup-Punkten. "Es hat mich so gefreut, den zweiten Lauf eröffnen zu dürfen. Jetzt passt's einfach, meine Freude ist groß", jubelte Kogler nach dem Rennen. Auch Stehle war mehr als zufrieden: "Das war sensationell. Ich war überhaupt nicht aufgeregt vor dem zweiten Durchgang. Da hatte ich mein Ziel ja schon erreicht. Ich hab' total befreit fahren können." Damit können die deutschen Herren hoffen, in diesem Winter neben Neureuther auch auf andere Athleten setzen zu können.

Für Damen und Herren geht es nun nach Übersee, wo in Aspen (USA) und Lake Louise (CAN) auch die ersten Speed-Rennen anstehen.