Der Weltcup in Kitzbühel hat ein einzigartiges Problem: Die Veranstalter der Hahnenkamm-Rennen suchen trotz eigenem Vorläufer-Team Skiläufer, die sich vor den Abfahrtsspezialisten des Weltcups die legendäre Streif herunterstürzen.

FIS fordert zehn bis zwölf Vorläufer
Der Ski Club Kitzbühel (K.S.C.) hat auf der Homepage der Hahnenkamm-Rennen nun einen Aufruf gestartet. So attraktiv eine schwierige Streif zur Ermittlung der besten Abfahrer der Welt sein mag, so problematisch ist es, geeignete Vorläufer dafür zu finden, die die Streif so bewältigen können, um für die Jury und die anwesenden Teams auch aussagekräftige Testläufe durchführen zu können. Der K.S.C. hat aus diesem Grund bereits ein Stammteam bestehend aus sechs Fahrern zusammengestellt. Dies reicht dem Skiweltverband FIS aber nicht. Er verlangt einen Vorläuferpool von zehn bis zwölf Athleten. Bei der vergangenen FIS-Herbsttagung in Zürich erörterten ÖSV-Alpindirektor Hans Pum, Herren-Cheftrainer Toni Giger und Kitzbühel-OK-Chef Michael Huber das Thema: "Leider finden während der Hahnenkammwoche immer wichtige Wettkämpfe unserer Nachwuchs-Speed-Fahrer in der Europacupserie statt, so kann der ÖSV keinen gut ausgebildeten Nachwuchs als Vorläufer stellen", so Hans Pum.



Ehemalige Kaderathleten nicht fit genug
Und auf die Frage von Michael Huber, was mit ehemaligen Kaderläufern sei, meint Toni Giger "die Streif ist schon für die aktiven Läufer schwierig, die im vollen Training stehen. Für ehemalige Athleten bedeutet das Antreten als Vorläufer ein Risiko, wenn man nicht in vollem Umfang konditionell vorbereitet sowie technisch auf dem neuesten Stand ist". Beide ÖSV-Experten bewundern den Mut und das Können der bestehenden privaten Vorläufergruppe am Hahnenkamm. Für OK-Chef Michael Huber steht fest: "Sollte es in Österreich Top-Athleten geben, die sich konditionell und technisch eignen, als Vorläufer an den Hahnenkamm-Abfahrts- beziehungsweise Super-G-Rennen teilzunehmen, werden entsprechende Anfragen mit Lebenslauf etc. gerne entgegen genommen." Den Bewerbungsbogen findet ihr unter www.hahnenkamm.com.

Stürze gehören in Kitzbühel zum Alltag
Alleine 2008 gab es auf der Streif in Training und Rennen zahlreiche schwere Stürze. So flogen schon vor dem richtigen Start die Skirennläufer Andreas Buder (AUT) und Ondrej Bank (CZE) ab. Buder musste danach ein halbes Jahr aufgrund eines Bruches am rechten Schienbeinkopf pausieren. Bei Bank wurde am rechten Bein eine Unterschenkelfraktur diagnostiziert. Zudem stürzte der österreichische Vorläufer Patrick Hinterseer, Enkel der Kitzbüheler Skilegende Ernst Hinterseer. Er brach sich beim Zielsprung im ersten Trainingslauf den sechsten und siebten Brustwirbel. Überschattet wurde dieses dann im Rennen von Scott Macartneys Drama. Der US-Amerikaner war beim Zielsprung zu Fall gekommen und mit dem Kopf auf der Piste aufgeschlagen. 15 Minuten hielten nicht nur die Zuschauer den Atem an. Bei seinem Sturz zog sich Macartney ein isoliertes Schädel-Hirn-Trauma sowie Prellungen und Hautabschürfungen zu.