Der Riesenslalom der Herren in Sölden bot vor allem ein packendes Finale. Dabei konnte Hermann Maier (AUT) seinen dritten Sieg in diesem Rennen perfekt machen. Er bezwang in 2:17.60 Minuten den Amerikaner Bode Miller (2:17.67 Min.) sowie seinen Landsmann Rainer Schönfelder (2:17.78 Min.).

Dramatisches Finale
Vor dem Start war fraglich, ob Miller oder Maier überhaupt in Top-Form sind. Miller hatte den schweren Motorradunfall seines jüngeren Bruders Chenal zu verdauen, Maier eine Trainingsverletzung noch nicht auskuriert. Auf der Piste zeigte zunächst der US-Star der Konkurrenz seine Klasse. Vor allem im oberen Steilstück riskierte er erneut alles und legte im ersten Lauf eine sensationelle Bestzeit hin. Maier legte im Finale einen furiosen Ritt hin und nutzte seine gleiterischen Fähigkeiten im Schlussteil aus. Miller verlor dann im Finale von der Zwischenzeit bis ins Ziel fast eine Sekunde auf den Konkurrenten - zum Teil auch, da seine Sicht bereits schlechter war als zuvor.

Emotionaler Herminator
Hermann Maier war außer sich vor Freude, als das Endergebnis perfekt war. Der Österreicher jubelte und musste sogar einige Tränen im Zielraum 'verdrücken'. Vor den feiernden Fans gratulierten sich die Kontrahenten sofort. In dieser Form lässt sich ein spannendes Duell um den Gesamtweltcup erwarten, in das sicher auch der Pitztaler Benni Raich wird eingreifen können. Heute reichte es indes für ihn nur zu Platz vier.

Ligety, Schiepatti und Bourque überraschen
Ted Ligety (USA) und Francois Bourque (CAN) gingen mit hohen Startnummern ins Rennen, qualifizierten sich für das Finale und liefen dort zu Höchstform auf. Die besseren Bedingungen zu Beginn des Finals nutzend, lief Ligety Laufbestzeit und kletterte im Gesamtergebnis von Rang 23 auf acht. Bourque kam von Platz 15 noch auf Position fünf nach vorne. Ebenso überzeugend war die Leistung von Alberto Schiepatti . Der Italiener hatte die zweitbeste Zeit des zweiten Durchgangs und fuhr damit von Platz 26 noch bis auf Rang zehn vor.

Neureuther verpasst das Finale
Nach den schwachen Ergebnissen der Vorsaison stand dem DSV im Riesenslalom der Herren nur mehr ein Startplatz zur Verfügung. Felix Neureuther ging als 51. ins Rennen - und verfehlte die Finalqualifikation auf Platz 33 um 25 Hundertstelsekunden. Dabei hätte die eisige Piste in Sölden eine bessere Zeit durchaus zugelassen. Doch nach ordentlicher Zwischenzeit im oberen Teil konnte der Deutsche vom SC Partenkirchen im flachen Schlussteil keine optimale Linie finden. Somit ist die erste Chance vertan, durch einige Weltcuppunkte eine bessere Startposition zu ergattern.

Österreicher jubeln
Zehn von dreißig Finalisten kamen vom Team Austria. Neben Maier, dem starken Schönfelder und Benjamin Raich auf Platz vier ordneten sich die anderen ÖSV-Athleten weiter hinten ein. Dennoch war es ein Auftakt nach Maß für die siegesgewohnten Österreicher - zumal diese in den letzten Jahren in Sölden nicht so gut abgeschnitten hatten. Ebenfalls eine überzeugende Teamleistung boten die Italiener. Fünf Athleten holten Weltcup-Zähler in das Gastgeberland der Olympischen Spiele von Turin - zwei landeten unter den besten zehn.

Eidgenossen fallen zurück
Die Schweizer konnten sich mit Didier Cuche, Didier Defago und auch Tobias Grünenfelder über drei Finalteilnehmer freuen. Diese gute Ausgangslage konnten die Fahrer aber kaum nutzen. Letztlich kam kein Schweizer unter die besten 15. Defago war als 16. bester Vertreter der Alpenrepublik.

Viele prominente Ausfälle auf eisiger Piste
Mit Lasse Kjus (NOR), Daron Rahlves (USA), Giorgio Rocca (ITA) und Marco Büchel (LIE) mussten vier große Namen bereits im ersten Durchgang die Segel streichen. Vor allem der Übergang zum Steilstück war auf eisiger Piste eine Herausforderung für das 77-köpfige Teilnehmerfeld. Einigen Fahrern, wie dem Schweizer Silvan Zurbriggen, merkte man den Respekt vor der Strecke am Fahrstil an - sie nahmen spürbar das Tempo heraus. Die knüppelharte Unterlage forderte den Athleten auch konditionell alles ab. Im zweiten Durchgang verschlechterte sich die Piste zusehends. Harte Rippen und schlechtere Sicht machten es der Weltcup-Elite sehr schwer. Sölden wurde wieder einmal seinem Ruf gerecht, einer der schwierigsten Riesenslalom-Hänge überhaupt zu sein.

Festtagsstimmung in Sölden
Auf dem Rettenbachferner schien auch am Sonntag wieder die Sonne und die vielen Fans an der Piste sorgten für eine tolle Atmosphäre während beider Durchgänge. Spätestens nach dem aus gastgebender Sicht günstigen Ausgang brachen dann alle Dämme. Damit fällt das Fazit für das erste Weltcupwochenende der olympischen Saison sehr positiv aus. In beiden Finals herrschte Spannung bis zum Schluss und die Anhänger des Skirennsports bekamen einen guten Vorgeschmack auf die kommenden Events.


Felix Neureuther:"Es war heute sehr eisig und extrem schwer zu fahren. Dies ist eine der schwierigsten Weltcup-Strecken. Mit meiner hohen Nummer war es nicht einfacher."

Bode Miller: "Das war sehr anspruchsvoll heute. Hier fahren die Besten der Welt, das hat man heute gesehen. Ich habe einige Fehler gehabt und habe auch unten nicht viel gesehen. Daher war ich im Ziel gar nicht so überrascht, nicht gewonnen zu haben."

Hermann Maier: "Ich glaube, ich hatte die besseren Sichtbedingungen. Ich war aber so überrascht! Der dritte Sieg hier in Sölden, das ist für mich geradezu ein Wunder."