Der österreichische Verbandspräsident Peter Schröcksnadel hat in einem Interview, welches er der Zeitung 'Die Welt' gegeben hat, deutliche Kritik an Entscheidungen des Weltskiverbandes FIS geübt und zudem insbesondere das FIS-Marketing getadelt. Dem FIS-Marketingchef Christian Knauth - früher ÖSV Vizepräsident - warf er im Welt-Interview vor, er sei diesem Job nicht gewachsen.
Schröcksnadel auf Konfrontationskurs
Schröcksnadel, der selbst im Vorstand der FIS sitzt, hat in den vergangenen 15 Jahren das ÖSV-Budget auf 18 Millionen Euro und damit um den Faktor sechs erhöht. Der 63-jährige Unternehmer hat gegenüber der Welt deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es innerhalb der FIS im Bereich der Kommunikation von Seiten der Verwaltung, der Generalsekretärin oder dem Markting in Richtung Vorstand und speziell Präsident Gian-Franko Kasper klare Defizite gibt. "Ich unterstelle schon, dass der Präsident oft falsch informiert ist. Vor allem das Marketing der FIS", so Schröcksnadel, "liegt im Argen".

ÖSV lehnt Globalvermarktung bei Zeitnahme ab
Damit spielt der ÖSV-Präsident auch auf den Streit zwischen der FIS und dem ÖSV im Zusammenhang mit der Globalisierung der Vermarktung bei der Zeitnahme von Rennen an, die der ÖSV strikt abgelehnt hat. So kam es zum Konflikt zwischen dem FIS-Modell, welches dem langjährigen FIS Partner Swatch den Zuschlag gab und der vom ÖSV für deren Rennen engagierten Siemens-Lösung. Der ÖSV stellte sich gegen den Globalvertrag, da man sich hier vor klare finanzielle Einbußen gestellt sah.

Attacke gegen Marketingchef der FIS
In der Person von FIS-Marketingchef Christian Knauth sieht Schröcksnadel in einer offenen Attacke jedenfalls eine klare Fehlbesetzung. Schröcksnadel: "Herr Knauth ist nicht in der Lage, den Job ordentlich zu machen. Das habe ich Ihm auch persönlich gesagt."

Ski2b bittet DSV-Marketingchef um Stellungnahme
Wie bewertet man beim DSV die derzeitige Zusammenarbeit mit der FIS im Marketing? Ski2b.com bat den DSV-Marketingchef Tom Mayr um eine Einschätzung zum Verhältnis des Deutschen Skiverbandes zur FIS und eine Stellungnahme zur harschen Kritik Schröcksnadels am Marketing der FIS.

Tom Mayr hierzu: "Zur personengebundenen Kritik von Herrn Schröcksnadel an Herrn Knauth werde ich mich nicht äußern. Für den DSV möchte ich festhalten, dass die Zusammenarbeit zwischen uns und der FIS im Marketingbereich sehr gut funktioniert. Wir sind bei der Vierschanzentournee mit dem ÖSV zusammen Partner der FIS. Dieses Projekt läuft ausgezeichnet und auch bei der Vermarktung der acht Weltcupveranstaltungen des Winters (zweimal Skisprung, dreimal Nordische Kombination, einmal Langlauf und zweimal Alpin) haben wir im Zusammspiel mit der FIS gute Vermarktungserfolge erzielt.
Ich denke jedoch, dass der ÖSV strategisch viele Dinge im Marketing richtig macht und Herr Schröcksnadel auf diesem Terrain sehr erfolgreich agiert. Der DSV ist indes mit der 'Swatch-Lösung' sehr zufrieden, denn - und so sind meine Erfahrungen - die Zeitnahme ist recht kostenintensiv und in Deutschland nicht so leicht vermarktbar. Daher haben wir hier mit der Globalvermarktung eine sichere Lösung, die uns an diesem Punkt kostenneutrales Arbeiten ermöglicht. In Österreich gibt es wohl eine spezielle Marktlage. Dort kann man mit der Zeitnahme zusätzliche Erträge erzielen. Vor diesem Hintergrund kann man die Probleme des ÖSV mit der Globalvermarktung nachvollziehen."