Das Kreuz mit dem Kreuz scheint fast ausgetrieben zu sein. Hermann Maier kam nach Sölden, um mit Andi Schifferer da zu sein, wenn der vergrippte ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel mit BMW-Austria-Chef Felix Clary den Sponsor-Vertrag (seit 1988) um drei Jahre verlängert - 55 Autos pro Jahr gehen an Läufer, Trainer und Funktionäre, dazu gibt es die Windkanaltests in München.

Herminator wieder auf den Brettern
Für den Herminator gab es noch etwas ganz besonderes: "Sie kriegen einen M5 mit 508 PS - wenn sie da einer überholt, müssen's anrufen!" Nicht mit dem Auto, sondern auf zwei Brettern war Maier gestern wieder unterwegs beim Training. Er durfte auftamen nach dem Trainingszwischenfall vor einer Woche, bei dem er sich Wirbel stauchte und die Muskulatur verspannt hatte. "In einer Welle hat es mich zusammengestaucht und seitdem sind die Muskeln verspannt", erzählte Maier nach mehrtägiger Rehab-Ruhepause.

Verletzung noch nicht ganz auskuriert
Am Donnerstag hatte er es zwar wieder probiert, dem Weltcup-Gesamtsieger ist aber klar: "Wenn du unten ein Bein nicht richtig abbiegen kannst, setzt sich das halt nach oben ins Kreuz fort. Das zieht sich sicher noch hin. Damit werd' ich wohl oder übel leben lernen und das Beste daraus machen müssen." Was Maier aber fast schon verzweifeln lässt, ist, dass er sich immer den ungünstigsten Moment für so etwas aussuche. Er ist zwar seit Wochen intensiv am Skischuhtesten, aber "bisher war einfach zu wenig Zeit, deshalb hat alles noch viel zu wenig Aussagekraft", so der 31-jährige Salzburger.

Aussicht auf den Weltcupauftakt in Sölden
Wie sehr Hermann Maier und die anderen ÖSV-Stars in zwei Wochen in Sölden bereits 'angasen' können, ist noch offen. Denn beim ÖSV schlägt man sich bei den Herren mit dem Problem herum, dass 15 Mann und damit mehr als 50 Prozent des Weltcup-Kaders einen Materialwechsel vorgenommen haben. Hermann Maier kann sich sogar vorstellen, Speed- und Technik-Disziplinen auf unterschiedlichen Produkten zu fahren.

Bode Miller mit neuem Material
Maier gegen Miller - das war quasi ein 'Fernduell' der neuen Stall-Kollegen, was Presse-Auftritte betraf. Gestern mittag präsentierte sich der neue Atomic-Star in Wien bei 'Frank's', in einem amerikanischen Lokal, wo auch sonst? Atomic-Chef Michael Schineis meinte dazu: "Wenn ein US-Star ein österreichisches Produkt fährt, ist das ganz wichtig für unsere Ski-Industrie!" Und Bode selbst schwärmt von den Atomic-Skiern, die er gegen Roosignol-Skier ausgetauscht hat. Vier Test-Tage reichten, um zu wissen, dass er die richtige Wahl getroffen hatte. "Hätte ich wegen des Materiales meinen Stil ändern müssen, wäre ich es nie gefahren!" Er wechselte, weil er nach seiner eigenen Aussage viel wagen musste, um vorne dabei zu sein in Speed-Disziplinen. Und trotzdem hätte es fast nie gereicht. "Es war so, als hätte ich Skiklammern an den Brettln."

Vorteil mit Atomic-Skiern
Auch im Slalom und Riesenslalom, wo Bode Miller oft zwischen Sieg und Sturz pendelte, fühlt er sich auf dem neuen Material sicherer. "Es fährt sich leichter, weil man bei Rossignol einen kleinen Punkt genau treffen muss, damit der Schwung passt und es dich nicht aushebt. Bei Atomic ist diese Fläche hingegen zwei Fuß lang - fünf Inches vor, sechs Inches hinter der Bindung!" Damit wäre er längst nicht mehr so ein Grenzgänger wie sonst, obwohl sich sein Stil immer noch an folgendes Motto hält: Born to be wild.

Miller vielseitig sportlich aktiv
Die Abfahrts-Zeitläufe in Chile ("Etwa 1:15 Minuten") auf dünner Schneeunterlage wären sensationell verlaufen. "Im ersten Test war ich vor Rahlves und Deneriaz", verrät Bode. "Und auch sonst immer gleich schnell!" Und das, obwohl es die ersten Läufe nach vier Monaten waren. Ansonsten war der Sommer für den neuen Atomic-Star dicht gefüllt - auch mit Hausbau in Park City und mit Presse-Terminen. Weitere Aktivitäten waren Tennis, seine zweiten Liebe, beim US-Open. "Da hat mir die Hand gezittert, als ich am Center Court gegen Steffi Graf gespielt habe, so nervös bin ich gewesen. Ich habe ihr vier, fünf Winner geschossen. Und all ihre Bälle erlaufen." Trotzdem gewann die Gräfin "mit einem Tiebreak-Punkt!" Auch mit der anderen Kugel ist Bode Miller bestens vertraut - Golf im Zuge des Kurzurlaubes (Rom, Kitzbühel) in Slowenien. "Aber mit Tiger Woods habe ich noch nie gespielt. Ich mache auch zu viele Bogeys!" Born to be wild.

Prognose für den Alpinski-Winter 04/05
Was erwartet der US-Star vom Skiwinter - ein Duell mit Maier? "Auch, aber Kjus und Aamodt darfst du nie abschreiben, die sind seit 15 Jahren dabei!" Auch Palander wäre zu beachten. Und die Österreicher, obwohl es die Kooperation nicht mehr gibt. "Die war eine Fehlinterpretation. Außer in Sölden haben wir nur im gleichen Raum, aber nie auf gleichen Kursen trainiert. Keiner von uns beiden verliert etwas dabei!"

Quelle:
- www.diepresse.com
- www.orf.at