Österreichs Ski-Herren blicken der in knapp drei Wochen in Sölden beginnenden ersten Saison nach dem Abgang von Stephan Eberharter mit gemischten Gefühlen entgegen. Der Tiroler hat in den vergangenen drei Jahren u.a. für zwei Drittel (16 von 24) der rot-weiß-roten Abfahrtserfolge gesorgt, dementsprechend groß ist das Loch, das der 35-Jährige hinterlassen hat.

Chance für die Jungen
"Eberharter wird nicht zu ersetzen sein, gleichzeitig ist es aber eine Riesenchance für die Jungen", weiß Herrenchef Toni Giger, dessen Präsident Peter Schröcksnadel sich am Montag bei der Präsentation der neuen Iglo-TV-Spots in Wien ähnlich äußerte. "Es ist traurig und schön. Wir wären aber keine gute Mannschaft, wenn die Jungen nicht schon nachdrängen würden." Mehr gefragt denn je wird nun vor allem die Mannschaft von Neo-Abfahrts-Coach Walter Hubmann sein. "Der Steff hat sicher sehr viel abgedeckt, aber wir werden trotzdem eine schlagkräftige Mannschaft stellen", ist sich der Steirer sicher.

Viele potenzielle Sieganwärter in der Abfahrt
Giger ("Der Abfahrtsthron ist vakant") verspricht sich vor allem im Abfahrts-Weltcup, zuletzt drei Mal in Folge Beute von Eberharter, viel Spannung. Weltmeister Michael Walchhofer sieht durch Eberharters Abgang keinen zusätzlichen Druck auf sich und seine Kollegen zukommen. "Er wird dem Skisport sicher fehlen, wir haben aber dennoch genügend Erfolgsgaranten", so der Salzburger, dessen Meinung Shooting-Star Johann Grugger teilt. Dem 22-Jährigen fallen nach wie vor jede Menge ÖSV-Sieganwärter in der Abfahrt ein: "Maier, Strobl, Walchhofer, Knauß, Schifferer und hoffentlich auch ich."

Raich: Mit Eberharter menschliches Vorbild verloren
Nach Ansicht von Benni Raich, im Vorjahr hinter Hermann Maier und Eberharter Dritter im Gesamt-Weltcup, hat sich eine sportliche und menschliche Lücke aufgetan. "Steff hat viele Erfolge gefeiert und war auch menschlich ein Vorbild. Er wird schwer zu ersetzen sein, aber es hilft eh nix. Wir müssen alle unsere Leistung bringen."

Rücktrittswelle im ÖSV
Toni Giger, Mathematik-Absolvent an der Universität Salzburg, sieht die Abtrittswelle von gleich sieben Österreichern auch von der rechnerischen Seite. "Diese Leute hatten ein Potenzial von 2.500 bis 3.000 Punkten. Das entspricht in etwa der Leistung der Schweiz, damit kann man Zweiter im Nationencup werden", so Giger nach den Rücktritten von Eberharter, Trinkl, Rzehak, Greber, Seer und Schilchegger sowie dem Nationenwechsel von Josef Strobl.

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren
Unter dem Strich laufen die Vorbereitungen auf den Weltcup-Start am 24. Oktober in Sölden seit Monaten auf Hochtouren. Wegen der zahlreichen Ausrüstungs-Wechsel für einige besonders intensiv. Wie etwa Hermann Maier, der immer noch einen Schuhwechsel überlegt und dem die jüngste Rückenverletzung gar nicht ins Vorbereitungs-Programm passt. Auch bezüglich der neuen Spyder-Rennanzüge hat der ÖSV noch einiges an Arbeit vor sich.

Quelle: www.tirol.com